In dem folgenden Bericht möchte ich versuchen, die Arbeit im Marienhospital Euskirchen nüchtern darzustellen und gerecht zu bewerten.
Der Bericht spiegelt meine individuelle Wahrnehmung wider und erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Er bezieht sich auf einen begrenzten Zeitraum und kann sich seitdem verändert haben. Es gibt Dinge, die mich sehr glücklich gemacht haben, aber auch Momente, die mich sehr wütend gemacht und desillusioniert haben, weil ich aufgrund der sehr guten Bewertungen mit hohen Erwartungen in die Klinik gekommen bin.
Rahmenbedingungen:
Wer kümmert sich um die PJler?
Die PJ-Koordination kümmert sich primär um die PJler. Die Ärzte, die die Rolle als PJ-Koordinatoren haben, hatten in ihrem Amt wenig mit uns außerhalb des PJ-Unterrichts zu tun. Sie nimmt ihre Verantwortung sehr ernst und engagiert sich mit Herzblut für die Studierenden. Sie organisierte eine freundliche und ausführliche Einführung mit der Ärzteschaft und brach das Eis zwischen PJler und Mitarbeitenden bei Kaffee und Kuchen. Sie hat ein offenes Ohr für unsere Probleme, die in den kommenden Abschnitten geschildert werden, und stand immer wieder in Kontakt mit anderen Mitarbeitenden, um diese zu lösen. Sie sorgt außerdem dafür, dass ein Gemeinschaftsgefühl unter den PJlern entsteht und diese sich wie Zuhause fühlen, indem sie unseren PJ-Raum renovieren ließ.
Weiter hilft sie den PJlern bei der Organisation von Events: So haben wir Waffelverkäufe mit DJ gemacht, um uns eine neue Kaffeemaschine für den PJ-Raum und einen Social Evening zu finanzieren. Darüber hinaus hat sie ein Treffen zwischen PJlern und der Geschäftsführung des Marienhospitals organisiert, sodass wir gemeinsam konstruktives Feedback austauschen und unsere Probleme schildern konnten.
Insgesamt kann man sich mit so einer PJ-Koordination sehr glücklich schätzen und sich freuen, dass man in so guten Händen ist.
Dennoch kann die PJ-Koordination nicht alleine die Qualität des ganzen PJ ausmachen und so müssen auch die anderen Mitarbeitenden im Marienhospital sich Mühe geben, die später im Bericht genannten Herausforderungen ernst zu nehmen und gemeinsam anzugehen.
So kann ich unter dem Punkt "Betreuung" nur die Note 2 geben.
Wie kommt man nach Euskirchen?
Zwischen Bonn und Euskirchen liegen etwa 35 km. Mit dem Auto dauert diese etwa 40 - 60 Minuten, mit dem ÖPNV deutlich länger.
Wenn man kein Auto hat und nicht in der Nähe wohnt, kann man viel Zeit sparen, wenn man sich frühzeitig um eine Wohnung im Personalhaus kümmert.
Wo und wie wohnt man?
Man wohnt im Personalhaus, das direkt neben der Klinik steht. Ein Zimmer im Personalhaus kostet für Studierende 50 €. Dieser Preis ist sehr fair und zuvorkommend, wenn man bedenkt, wie wenig man im PJ verdient. Allerdings kommen hier die ersten Herausforderungen: Es gibt nur maximal 5 Zimmer, die unter allen PJlern (Chirurgie, Innere Medizin, Anästhesiologie, Gynäkologie, Neurologie, Psychiatrie, Radiologie) aus zwei Kohorten aufgeteilt werden müssen.
Wenn man Pech hat, bekommt man kein Zimmer. Im Sommer sei die Wohnungssituation allerdings nicht so angespannt wie im Winter. Leider ist es vorgekommen, dass Wohnungsplätze zugesprochen wurden, die sehr spät wieder revidiert wurden, weil intern sich die Zuständigkeiten geändert haben und es aus meiner Sicht zu organisatorischen Problemen kam. Das war für einige PJler sehr ärgerlich, weil sie sonst den Ort für das Tertial gewechselt hätten, da der Weg im Einzelfall anfangs aufgrund der ÖPNV-Bauarbeiten unzumutbar war. Untereinander haben wir Fahrgemeinschaften gebildet, damit keiner auf der Strecke zurückblieb.
Mein Zimmer war qualitativ hochwertig und absolut zufriedenstellend. Es gab ein weiches Bett, einen Schreibtisch und Stühle, viele Schränke, einen Spiegel und ein Waschbecken. Die Heizung muss nur öfter entlüftet werden. Leider gibt es kein WLAN im Personalhaus und das Internet für Mobilfunk kann je nach Anbieter in der Eifel auch mal ausfallen. In der Klinik erhält man aber Internetzugang. Die Zimmer befinden sich alle an einem gemeinsamen Flur, den die PJler mit anderen mehr oder weniger freundlichen Mitarbeitern des Hospitals teilen. Man teilt sich eine Küche mit Kühlschrank und Herd, 3 Toiletten und 2 Duschen.
Aus meiner Sicht war die hygienische Situation der Küche und der Toiletten teilweise unzureichend: Das Reinigungspersonal hat unsere Etage über lange Intervalle vernachlässigt, sodass die Dusche immer wieder verstopfte und irgendwann ein unangenehmer Geruch aus einem der Badezimmer kam.
Auch der Boden wurde nur selten gereinigt, sodass die PJler dies selbst in die Hand nehmen mussten. Darüber hinaus fiel Schimmelbefall in den Duschkabinen auf und die Türen der Kabinen waren defekt. Der Boden in der Küche war auch schmutzig und der Müll wurde nicht geleert. Der Kühlschrank war unbenutzbar, da man sich nie sicher sein konnte, ob das eigene Essen verschwinden würde (Eine PJlerin hatte Kuchen für ihre Station gebacken. Dieser wurde nachts zur Hälfte ausgelöffelt.) Aus diesen Gründen haben wir uns selbst Kühlschränke angeschafft und das Kochen auf ein Minimum reduziert. Als die PJ-Koordination dem Reinigungspersonal mitgeteilt hatte, dass die Bedingungen nicht auszuhalten seien, entgegnete man uns nur, dass wir eigene Verantwortung für die Sauberkeit tragen würden. Die Konsequenz war, dass einige von uns das Bad gänzlich vermieden und dafür nach Hause fuhren oder die Dusche des Dienstarztes im Krankenhaus nutzten. Ein besonders verunsichernder Aspekt der ganzen Wohnungssituation waren aber die nächtlichen Besuche auf der Etage. So wurden einige von uns aufgeweckt, weil unbekannte Menschen nachts durch den Flur liefen und an den Türen klopften. Auch hier hat die PJ-Koordination dem Sicherheitsdienst Bescheid gegeben, jedoch ist unklar, inwiefern die Sicherheit gewährleistet werden kann, weil Leute immer wieder die offene Haupteingangstür verkeilten und so jederzeit Menschen in die Etage gelangen konnten.
Man sollte keine hohen Erwartungen bei 50€ Miete haben, aber man sollte wenigstens unter würdigen Bedingungen leben können.
Die Note zum Thema "Freizeit" leidet massiv unter der Wohnungssituation und den wenigen Möglichkeiten in der Stadt, aber dafür kann man in der schönen Eifel wandern gehen, weshalb sich hier eine 3 ergibt.
Wie wird man versorgt?
Es gibt eine PJ-Umkleide mit eigenem Spind. Dienstkleidung musste man irgendwann selbst aus dem Keller holen, da der Wäschedienst sich weigerte, die Kleidung weiterhin in die PJ-Umkleide zu bringen. Da man keine Zeit hatte, die Wäsche zu sortieren, war daher Unordnung im Wäscheschrank und man suchte lange nach einer Hose, die einem passte. Früher hatte man eigens beschriftete Kleidung, was jedoch auch abgeschafft wurde.
Es gibt eine Mensa in der Klinik und man kann sich dort kostenlos entweder ein Frühstück oder ein Mittagessen holen, was sehr sättigend ist, da das Küchenpersonal sehr wohlwollend und großzügig gegenüber den PJlern ist. Wenn man liebe PJ-Kollegen hat, dann nehmen die auch gerne Essen in einer Box mit, wenn man gerade mal im OP steht. Jedoch war die Qualität des Essens eher mittelmäßig, da das Angebot im Monat repetitiv war, das Essen manchmal wie aus der Tiefkühltruhe schmeckte und alte Gerichte manchmal als Salat über mehrere Tage serviert wurden. Allerdings wird das Essen wohl zukünftig aus Renovierungsgründen nicht mehr vor Ort gekocht, sondern über einen Catering-Service geliefert.
Als Rückzugsort hat man einen tollen modernen PJ-Raum mit Couch, Tisch, Stühlen, Schränken, Büchern, Nahtmaterial, neuen Computern, neuer Kaffeemaschine, neuer Küche, Kühlschrank und Wasserkästen. Das kann man schon Luxus nennen. Wir hatten viel Spaß dort und auch eine Party gefeiert. Wahrscheinlich wird dieser PJ-Raum noch coolere Ausstattung erhalten. Die Räumlichkeiten für PJler stehen aber im starken Kontrast zu der generellen Ausstattung der Klinik, die nicht mehr zeitgemäß ist. Insbesondere die OP-Umkleide fällt negativ auf, da sie unhygienisch erscheint.
Daher ergibt sich für den Punkt "Station / Einrichtung" die Note 2.
Was muss man leisten?
Leider beschränken sich die Hauptaufgaben des PJlers auf Blutentnahmen, Viggos und Haken halten.
Einmal im Monat muss man entweder 2 Nachtdienste unter der Woche (jeweils 15h) oder 1 24-h-Wochenenddienst übernehmen, die nicht bezahlt werden.
Wenn man in finanzieller Not ist, kann man Zusatzdienste in Anspruch nehmen, die vergütet werden. Man beachte, dass es aber auch da Konkurrenz zwischen PJlern und SHKs geben kann.
Wer bis hierhin gelesen hat, merkt vielleicht: Ja, man kann das Chirurgie-Tertial in Euskirchen durchaus genießen und sich erträglich machen (abgesehen von dem Wohnen), wenn man es nur abhaken und schnell raus will. Wer aber nicht nur seine Zeit im PJ-Raum absitzen, sondern ernsthaft was für seine potenzielle Karriere als Chirurgin oder Chirurg lernen will, sollte sich das genau überlegen und sich damit im kommenden Abschnitt kritisch befassen.
Die Mentalität und Lehrbereitschaft der verschiedenen chirurgischen Fachrichtungen variieren sehr stark. Außerdem gibt es Einzelpersonen, die sich bewusst für die Lehre der Studierenden einsetzen, aber nicht repräsentativ für ihr Team sind. Leider sind die Rotationszeiten auf den Abteilungen sehr unterschiedlich unter den PJlern und meines Erachtens nicht gerecht verteilt. So gibt es welche, die über einen Monat in der Gefäßchirurgie oder 2 Monate in der Unfallchirurgie verbracht haben, während die Allgemeinchirurgie zu kurz kam.
Im Grunde geben sich auch alle Mühe, nett und freundlich zu sein. Teilweise fiel es mir aber schwer einzuschätzen, wie ernst das Interesse an der Ausbildung tatsächlich war. Im Folgenden werden die Fachabteilungen aufgegliedert und die Teamdynamiken sowie Einstellungen gegenüber den Studierenden dargestellt.
Unfallchirurgie:
Hier habe ich wohl meine größte Enttäuschung gleich zu Beginn des PJ erfahren, da ich sehr motiviert und engagiert gestartet bin, aber schmerzhaft einsehen musste, dass mein Engagement aus meiner Sicht zunehmend weniger Wirkung zeigte. In dieses Fach habe ich neben den Vorlesungen und Blockpraktika in der Uni aufsummiert etwa 30 Stunden pures Auswendiglernen investiert, um den Ansprüchen eines Chirurgie-interessierten PJlers gerecht zu werden.
Anfangs war die Stimmung auch gut. Unsere Namen waren auf einem Zettel an der Tür im Arztzimmer notiert, damit wir nicht vergessen wurden. Unser "Buddy", ein PJler aus der vorherigen Kohorte, hat uns gut eingearbeitet und nochmal Blutentnahmen und Viggos mit uns geübt. Er war auch sehr begeistert von dem Fach, weil er wirklich sehr viel im OP war und dort viele Dinge machen durfte, und wir hatten schon Vorfreude und haben uns richtig ins Zeug gelegt, weil es wirklich genauso wie in den vorherigen PJ-Berichten schien. Demnach haben wir die Blutentnahmen und alles Anfallende sehr fleißig und effizient erledigt. Wir haben uns ins Arztzimmer gesetzt und aktiv unsere Hilfe angeboten, Briefe geschrieben und Visiteneinträge gemacht. Wir hatten uns gut integriert gefühlt. Wir waren auch in der ersten Zeit in vielen OPs. Die Oberärztinnen und Oberärzte haben uns tatsächlich viel erklärt und Fragen beantwortet, während wir eingewaschen mit am Tisch standen und auch mal den Bohrer usw. in die Hand nehmen durften.
Aber es kam irgendwann der Kipppunkt, als neue Assistenzärztinnen und Assistenzärzte kamen. Dann saßen wir in der Röntgenbesprechung und ein/e Oberärztin / Oberarzt schlug vor, die PJler sollten in den OP, aber ein/e erfahrene/r Assistenzärztin/-arzt widersprach. Und so wurden wir immer mehr aus den OPs ausgegliedert und nur noch zu Hüft-OPs gerufen, bei denen man das OP-Feld nicht sieht, aber das schwere Bein während der OP halten muss. Die Blutentnahmen wurden auch nicht weniger und man erhielt wenig bis keine Lehre auf Station. Dann sollten wir auch noch die Blutentnahmen von der Gefäßchirurgie zusätzlich erledigen, weil da ein PJler fehlte. Es wurde teilweise erwartet, dass man sich Abläufe selbst erschloss, und es wurde wenig Hilfe angeboten. Es gab für mich persönlich merkwürdige Situationen, in denen wir über die Blutentnahmen gesprochen haben, und ich fragte, wie die Regelung sei und warum was abgenommen wurde, weil ich das Gefühl hatte, dass es nicht immer nachvollziehbar erschien. Leider erhielt ich Antworten, die ich als knapp und wenig erklärend empfand.
Es wurde uns klargemacht, dass wir immer in den OP kommen dürfen, aber nur zum Zuschauen am Rand. Man solle in die Ambulanz oder Notaufnahme gehen, aber dort kann jeweils max. nur 1 Person sein und wenn alle Chirurgie-PJler gehen wollen, dann gibt es keinen Platz mehr. Man hatte ehrlicherweise das Gefühl, dass man nur noch für Blutentnahmen und Hakenhalten gebraucht wurde, aber sehr wenig dafür an Lehre zurückbekam, obwohl kein Mangel an Personal war und das Arztzimmer so voll war, dass nicht mal mehr Platz für uns da war. Dann hieß es, dass wir ein Zimmer betreuen sollen, aber es hatte niemand richtig supervidiert, was wir da machten, und bei den Visiten konnten wir auch oft nichts Neues zu den Patienten sagen, weil unsere Arbeit ständig durch Blutentnahmen und OPs unterbrochen wurde. Das "Zimmerübernehmen" war aus meiner Perspektive dann schon ein Vorwand dafür, dass wir die Entlassungsbriefe anfangen sollten, damit diese standardisierte Copy-Paste-Arbeit schon erledigt wurde. Einige belastende Momente ergaben sich, in denen ich so manche somatische Situation als potenziell dringlich eingeschätzt habe, aber dies zunächst aus meiner Sicht unaufmerksam abgetan wurde. Als ich eine Nadelstichverletzung hatte und zu den Assistent*innen gelaufen bin, um zu fragen, was ich jetzt genau machen sollte, wusste niemand Bescheid. Der D-Arzt höchstpersönlich wusste auch nicht Bescheid und sagte, ich solle die Assistent*innen fragen. Diesbezüglich hat die PJ-Koordination schon Maßnahmen ergriffen und den Arbeitsschutz beauftragt, uns zu schulen, wobei auch die Ärzteschaft diesbezüglich geschult werden sollte. Auch ist fragwürdig, wieso wir keine Dosimeter von der Radiologie erhalten haben, wenn wir unter Strahlenbelastung bei den OPs assistieren.
Insgesamt fühlte man sich sehr alleingelassen bei den Unfallchirurgen. Man merkte auch, wie befremdlich die Stimmung unter den Assistent*innen war. So hatte ich subjektiv den Eindruck, dass Aufgaben und OP-Einsätze nicht immer gleichmäßig verteilt waren. Weiter wollte ein/e Assistent/in, dass ich ohne Lokalanästhesie eine Kopfwunde bei einer Patientin nähe, weil die Stiche der Spritze sich nicht lohnen würden. Für mich war es eine unangenehme und fachlich schwer einzuordnende Situation. Im Verlaufe der Zeit hat ein/e Assistent/in überraschend gekündigt. Nur eine Oberärztin / ein Oberarzt und eine Assistenzärztin / ein Assistenzarzt waren wie ein Licht am Ende des Tunnels, weil sie sich ernsthaft und empathisch uns zugewandt haben, damit wir was Praktisches nachhaltig lernen.
Vielleicht ist das kein faires Urteil über jeden dort, weil dieser Bericht stark verallgemeinernd und vereinfachend ist, aber es soll zeigen, dass der Trend in eine ganz falsche Richtung geht und sich dringend was ändern muss.
Hier finde ich die Note 5 angebracht.
Gefäßchirurgie:
Die Gefäßchirurgie ist ein kleines Team ohne Assistenzärztinnen oder Assistenzärzte. Die Arbeit mit dem CTA hat viel Spaß gemacht, weil wir die Blutentnahmen fair aufgeteilt haben und er mir geholfen hat, wenn es sehr schwer war, und sogar die Oberärzte (!) sich für uns gebückt haben.
Das zeigt, dass schon ein ganz anderes Level an Respekt in dieser Abteilung herrscht. Allerdings habe ich dort Spannungen und Konflikte innerhalb des Teams wahrgenommen und so wurde jemand während unserer Zeit fristlos gekündigt. Der Chefarzt ist sehr nett zu den PJlern und versucht diese anzuwerben. Auch wenn man sehr fachfremd ist, versucht er bei den OPs über Themen zu sprechen, die einen persönlich interessieren, was sehr sympathisch ist. Man kann mit ihm auch im OP lachen. In den gefäßchirurgischen OPs fühlt man sich gut integriert und kann so viel lernen. Bei einer Oberärztin / einem Oberarzt kann man besonders viel lernen, denn sie / er freut sich sehr, wenn man mit ihr / ihm in der Ambulanz ist oder Patienten nachbespricht.
Leider kann ich keine uneingeschränkte Empfehlung geben, da auch dort jemand später überraschend gekündigt hat.
Ich vergebe dieser Abteilung die Note 3.
Allgemeinchirurgie:
Hier weht ein ganz anderer Wind. Oberärzt*innen und Assistent*innen arbeiten hier Hand in Hand und eine wirklich sehr gute und friedliche Atmosphäre herrscht im Team. Die Leute sprechen sich respektvoll ab, die Visiten laufen mit viel Humor und die Assistent*innen sind generell viel bereit, einem was beizubringen.
Zwar ist hier auch eine Only-Haken-halten-Politik im OP (man kann trotzdem viele Fragen stellen), aber dafür lernt man mit den Assistent*innen in der Notaufnahme wirklich sehr viel (vorausgesetzt, man kommt schnell mit den Blutentnahmen durch und niemand anderes ist schon in der Notaufnahme).
Das 22-stündige Auswendiglernen, das ich bisher in dieses Fach investiert hatte, konnte ich in der Notaufnahme sehr gut in der Praxis umsetzen.
Besonders ein Assistenzarzt / eine Assistenzärztin setzte viel Wert darauf, dass man die Patienten eigenständig und vernünftig untersucht und man fühlte sich bei ihm / ihr wie ein angehender Arzt.
Ich vergebe dieser Abteilung die Note 2.
Pflege:
Der Kontakt zur Pflege ist sehr unterschiedlich und die Kommunikation war teilweise sehr distanziert. Oft fühlt man sich nur wie ein Weiterer von vielen PJlern, die einfach nur Blut abnehmen oder eine Viggo legen sollen. Besonders eine gewisse Station rief auffällig oft in der Nacht an, wenn man für Paracetamol oder Ibuprofen noch eine Viggo legen sollte, obwohl die Patienten Tabletten schlucken konnten. Mein persönliches Highlight war um 2 Uhr nachts eine Viggo für 500 mL Ionosteril bei einer Patientin, die vorher schon etwa 5 Flaschen Wasser getrunken hatte.
Aufgrund der durchmischten Erfahrungen vergebe ich die Note 3.
Noteinsatzfahrzeug (NEF):
Wahrscheinlich die beste Erfahrung, die man im ganzen Tertial machen darf. Alle PJler tragen sich in eine Liste ein. Da gibt es leider viel Konkurrenz nach dem Motto: Wer sich zuerst einträgt, bekommt am meisten. Wenn man es aber geschafft hat, dann darf man mit einem Anästhesisten (Jackpot!), mit einem Allgemeinchirurgen, mit einem Internisten oder mit einem Unfallchirurgen im Einsatzfahrzeug fahren. Je nachdem hat man Tage mit beispielsweise 3 Reanimationen, belanglosem Durchfall oder überhaupt gar nichts und kann mal mehr oder weniger lernen. Man ist regulär auf Station in Dienstkleidung, aber wird automatisch freigestellt, wenn der Pieper klingelt. Leider habe ich von den PJlern auf der Inneren gehört, dass sie das manchmal sogar nicht durften, weil sie auf Station unterbesetzt waren. Manchmal gab es auch Monate, in denen kein PJler mitfahren durfte, weil die Assistenzärztinnen und Assistenzärzte lernen wollten und die Tage dementsprechend ausgegraut waren.
Hier kann man auch mal wieder die Note 2 geben.
PJ-Unterricht:
Der PJ-Unterricht ist solide. Dieser findet meistens 2x in der Woche statt. Dominante Themen waren bei uns Innere Medizin, Anästhesie und Chirurgie.
Neurologie findet sehr selten statt. Notfallmedizin und Radiologie sollten eigentlich auch wöchentlich stattfinden, aber die Dozierenden fanden da oft Wege, nicht zu erscheinen. Dies ist sehr schade, weil wir sie oft direkt angesprochen haben. Ansonsten wurde im PJ-Unterricht viel damit geworben, das M3 in Euskirchen zu machen, weil die Prüfer dann einen "besser kennenlernen" würden. Die Interpretation überlasse ich dem Leser.
PJ-Unterricht soll aber keine Kompensation für fehlenden Unterricht im Arbeitsalltag sein und deswegen kann man hier bewusst die Note 3 setzen.
Das Ansehen des PJlers setze ich aus dem Durchschnitt der Abteilungen, der Pflege, der NEF und des PJ-Unterrichts zusammen. Dabei kommt die Note 3 raus.
Düster sehe ich es generell mit dem Blick auf die PJler in der Inneren Medizin, denen es aus meiner Perspektive schlechter ging als uns.
Zusammenfassend ist das ein hartes Urteil für Euskirchen, obwohl ich mich wirklich bemühe, gerecht und wohlwollend zu sein, weil man die Leute auch persönlich kennt und manchmal auch nachvollziehen kann, warum die Dinge im Einzelfall so passiert sind.
Allerdings müssen die PJler anspruchsvoll bleiben, denn wir sind als zukünftige Ärztinnen und Ärzte wertvoll für die Gesellschaft. Die PJ-Koordination kann das PJ nicht alleine verbessern, sondern es braucht die Synergie des ganzen Marienhospitals. Ich bin mir sicher, dass die Klinik das schaffen kann, vor allem weil sie es schon so hochgeschafft hat. Sie sollte jetzt nicht nachlassen.
Denn wer den PJler nicht ehrt, ist des Assistenzarztes nicht wert.
Bewerbung
Die Bewerbung erfolgt über das PJ-Portal. Man sollte sich dann sehr früh um eine Wohnung am Klinikum bewerben, falls notwendig.