Allgemeine Organisation:
1. Tag: Allgemeine ganztägige Einführung für alle PJler am LMU-Klinikum
2. Tag: Kurze Einführung für die PJler in der Inneren und dann Start auf Station
Man ist für jeweils 2 Monate in einem Fach und hat 1 Woche Rotation in der ZNA.
Alle PJ-Studenten an der LMU müssen mehrere allgemeine Pflichtkurse absolvieren (Online, z. T. auch in Präsenz). Außerdem gibt es verschiedenste PC-Programme, wo man einen Zugang braucht. Das wird alles in den Einführungen erklärt, ist aber ziemlich unübersichtlich.
Ich war u. a. in der Kardiologie auf der Privatstation F22
Tagesablauf:
Beginn um 08:00 Uhr
Ca. 10 - 20 Blutentnahmen warten bereits, die die Studenten selbstständig durchführen sollen.
Vormittags tauchen dann bis zu 7 Aufnahmen auf - diese muss man selbstständig aufnehmen, untersuchen, Blutabnehmen, Viggos legen etc.
Von ca 09:30 - 11:30 findet die Visite statt.
Nachmittags weitere To Dos
Ab 16:30: Feierabend.
Positiv:
Sowohl die Assistenzärzte als auch die Pflege sind alle sehr nett. Mann kommt jeden Tag zum Mittagessen und kann fast immer pünktlich Feierabend machen. Wenn man mal früher los muss (wegen Termin oder co.) ist das nie ein Problem. Es finden zweimal in der Woche allgemeine kurze Fortbildungen für alle PJler in der Inneren statt. Aufwandsentschädigung wurde pünktlich ausbezahlt.
Negativ:
Die Organisation auf der Station F22 war eine Katastrophe. Man wurde so ziemlich ins kalte Wasser geschmissen. Es waren insgesamt 4 Ärzte vor Ort (3 von der Kardiologie und ein Pulmologe, der seine eigenen Patienten betreut). Von den kardiologischen Ärzten gab es nur einen, der mit dem Oberarzt auf Visite gegangen ist. Die anderen beiden blieben fast den ganzen Tag im Büro und sind nur mit bürokratischen Aufgaben beschäftigt gewesen. Trotzdem waren die Ärzte völlig überlastet, sodass für eine Einführung oder Erklärung der Arbeitsabläufe keine Zeit blieb.
Teaching fand auf der Station überhaupt nicht statt. Man bekam alles von den älteren PJ-Studenten beigebracht und das ist dann auch nur so gut, wie es denen beigebracht wurde. Z. B. wollten die Ärzte, dass wir die Patienten schallen, um einen Perikarderguss auszuschließen. Dabei wurde uns das vorher nicht beigebracht, weil dafür keine Zeit war. Dann hieß es oft "schall einfach drauf, ich vertrau dir". Gleichzeitig war das Sonogerät auf Station die einzige Mobile für alle Normalstationen, sodass immer wieder die anderen Stationen das Gerät ausleihen mussten und es den ganzen Tag irgendwo unterwegs war.
An den Visiten haben wir oft nicht teilnehmen können, weil so viele Aufgaben zu erledigen war, sodass wir nichts über den Verlauf der Patienten mitbekommen haben. Die Oberärzte haben uns zwar bei unserer Vorstellung am Anfang registriert, aber danach so ziemlich ignoriert.
Die Abläufe auf Station sind so chaotisch, dass oft wichtige Dinge untergegangen sind (z. B. wurde beim selben Patienten 2-3 am selben Tag Blut abgenommen, obwohl man alles in einer Blutentnahme hätte machen können). Patienten wurden oft in irgendwelche Untersuchungen geschickt, wo sie dort trotzdem teilweise stundenlang warten mussten. Das bedeutete dann auch, dass sie stundenlang auf Station gefehlt haben und alles an To Dos wie EKGs oder Blutentnahmen am Nachmittag stattfinden mussten. Wenn die Studenten daran nicht gedacht haben, ging das auch mal unter.
Offiziell sollen die Studenten keine Transportdienste durchführen. In der Realität mussten wir fast täglich Patienten durchs Haus schieben, weil der Transportdienst nicht oder spät gekommen ist. Am Wochenende sollten eigentlich auch Blutentnahmen und Aufnahmen von Notfallpatienten stattfinden. Tatsächlich wurde das alles einfach auf den nächsten Werktag hinausgeschoben, damit die Studenten sich drum kümmern sollten. Das führte dann dazu, dass die ganzen Blutentnahmen sich stauten und gleichzeitig Patienten nachträglich aufgenommen werden mussten, die teilweise schon seit Tagen auf Station waren.
Abschließend: Als PJ-Student ist man weniger Student und eigentlich eine vollwertige Arbeitskraft. Man hat sich ständig über die schlechte Organisation/Kommunikation/Abläufe auf Station geärgert. Wir waren für fast die gesamte praktische Tätigkeit am Patienten zuständig (bis auf Aufklärungen und Sachen wie Pleurapunktionen). Sollten mal keine Studenten anwesend sein, würde die Station gnadenlos untergehen. Die Ärzte sind zwar sehr dankbar, dass es uns gibt und sie tun einem auch Leid (sie wirkten durch die hohe Arbeitslast selber tlw. überfordert und völlig verplant). Es ist aber wahnsinnig frustierend, weil man das Gefühl hat, dass man als billige Arbeitskraft ausgebeutet wird (500 € Brutto für ein "Vollzeitjob") und bis auf die allgemeinen Kurse keinerlei Teaching bekommt. Ich bin nach dem Inneren-Tertial in der Kardiologie gefühlt genau so fit wie vorher.