Allgemein:
Im Spital Zollikerberg ist man primär in der chirurgischen Notaufnahme eingeteilt. Man arbeitet mit den anderen Unterassistenten im Schichtdienst. Dieser ist unterteilt in Früh- und Spätdienst und je nach Anzahl der Unterassistenten auch in Mitteldienst oder OP-Dienst.
Organisatorisches:
Die Bewebung lief aus meiner Sicht sehr komplikationslos. Ich bekam meine Arbeitsverträge schon frühzeitig per Post zugesendet und hatte immer einen Ansprechpartner per Mail, an den ich mich wenden konnte. In der Klinik war dann der Leitende Seniorarzt für mich zuständig, der sich sehr für seine Unterassistenten einsetzte. Der Dienstplan wurde primär mit Rücksprache von ihm erstellt, später konnten wir uns selbst einteilen.
Der Vorteil bei mir war, dass wir insgesamt 4 Unterassistenten waren. Es mussten zwar in der Regel alle oben genannten Schichten besetzt sein, jedoch war somit das Arbeitspensum überschaubar. Dadurch, dass es oft zu Doppelbesetzungen durch die Überschneidung der Schichten kam, konnte man auch schon rechtzeitig gehen, wenn nicht mehr viel zu tun war und der andere UHU zu seiner Schicht kam. Auch die Urlaubsplanung war sehr komplikationslos, da man auch kurzfristig (wenn auch natürlich nicht primär gewünscht) noch Urlaubstage nehmen konnte, wenn vor allem die Früh- und Spätschicht in der Notaufnahme durch andere UHUs "gedeckt waren". (Der OP Dienst und Mitteldienst waren so gesehen dann fakultativ).
Der zuständige Arzt geht jedoch meines Wissens nach bald in den Ruhestand, sodass die gute Betreuung evtl. wegfallen könnte. Bis zum Dezember diesen Jahres gab es noch Hintergrunddienste (Pikett), diese wurden jedoch abgeschafft. Somit muss man mit 4 daraus entstanden Kompensationstagen weniger rechnen, bekommt aber insgesamt ca. 10 Urlaubstage? nach Schweizer Vertrag.
Ich habe in den 4 Monaten in einem Personalwohnheim gewohnt, was von der Klinik fußläufig in 5 Minuten zu erreichen war. Praktisch war zudem, dass sich direkt vor dem Wohnheim eine Straßenbahnhaltestelle befindet, mit der man innerhalb von 20min in der Innenstadt war.
In meiner Zeit habe ich mit 7 anderen Unterassistenten auf einer Etage gewohnt, was insgesamt sehr schön und familiär war, jedoch wahrscheinlich eher eine Seltenheit ist. Übernachtungen waren möglich, jedoch würde ich das eher intern regeln anstatt explizit nachzufragen, ob es möglich ist. Denn hierfür gelten auch spezielle Regeln im Wohnheim. Die Küche ist nicht gut ausgestattet, deshalb am besten alles selbst mitbringen!
Das Monatsticket ist sehr teuer. Somit empfiehlt sich, ein Halbtax Ticket (ca. 150 CHF für ein Jahr oder Schnupperhalbtax ca. 35 CHF für 3 Monate, falls das Angebot verfügbar ist), mit dem man pro Einzelticket zum halben Preis fahren kann.
Die Aufenthaltsbewilligung muss ab einer Aufenthaltsdauer von mehr als 90 Tagen in der Schweiz gestellt werden. Tipp: Wenn ihr versuchen wollt, die Kosten zu umgehen, könnt ihr bei der Klinik nachfragen, ob der Arbeitsvertrag offiziell auf unter 90 Tage gekürzt werden kann. Dies muss schon vor Antritt zum PJ passieren und kann, wenn der Arbeitsvertrag steht, nicht mehr rückgängig gemacht werden. Für die Bewilligung sind 150 CHF zu zahlen, da sonst eine potenzielle Strafe anfallen kann. Bei mir wurde der Aufenthalt nicht kontrolliert, auch seitens der Klinik wurde nicht nachgefragt. Allerdings habe ich die Bewilligung dann doch zur Sicherheit beantragt. Dies ist leider mit viel Organisation verbunden: Im Gemeindehaus einen Antrag stellen, zum Migrationsamt wegen Passfoto, Zusendung des Ausweises, Abmeldung beim Amt etc...
Direkt in der Nähe gibt es ca. 3 Haltestellen weiter (Zollikon) einen Aldi, bei dem man sehr günstig einkaufen kann. Dies würde ich eher empfehlen als den Coop nebenan, der zwar mal praktisch für zwischendurch ist, jedoch auf Dauer preislich sehr teuer sein kann.
Das Essen in der Cafeteria ist wirklich sehr gut, hier orientiert sich der Preis jedoch auch am Gewicht des Essens, sodass es sich auf Dauer auch lohnt, Essen vorzukochen und dann mitzubringen.
Notaufnahme:
Insgesamt war die Zeit anders, als ich mir das vorgestellt habe. Häufig geht man in die Schweiz fürs PJ, weil ja oft erzählt wird, dass man dort verhältnismäßig selbstständig arbeiten kann. Meine Erfahrung war leider das Gegenteil. Als Unterassistent wurde leider jeder Schritt mehrfach kontrolliert, sei es auch nur Anamnese oder körperliche Untersuchung. Häufig durfte man nicht alleine zu den Patienten, sondern nur in Begleitung der Assistenzärzte. Diese wurden dann auch nochmal von den jeweiligen Kader/Oberärzten kontrolliert. Die Assistenzärzte durften keine Sonos machen, von demher hatte man leider selbst auch nicht die Möglichkeit, zu üben.
Von Vorteil war jedoch somit, dass man immer von jemandem betreut wurde. Das Teaching war sehr abhängig vom jeweiligen Assistenzarzt mit dem man in einer Schicht eingeteilt war. Insgesamt habe ich festgestellt, dass es sehr schwer war, im Team so richtig Anschluss zu finden, selbst wenn man versucht hat, offen zu sein.
Ich hatte den Eindruck das lag einfach daran, weil sowieso klar war, dass man nur für eine kurze Zeit in der Klinik sein würde.
Zu den Aufgabenbereichen zählten: Anamnese, körperliche Untersuchung, Einzelknopfnähte bei RQW/Schnittwunden (was ich dann wiederum sehr cool fand, da man eigenständig nähen durfte) sowie sehr viel Dokumentation. Die Aufgabe der Unterassistenten war es primär, die Berichte zu schreiben.
Vom Lerneffekt fand ich es trotzdem ausreichend, da man durch die klassischen Fälle wie akutes Abdomen, OSG Distorsion, SHF und generell traumatologische Notfälle sehr viel mitnehmen konnte. Sobald die Fälle etwas komplexer werden, werden diese jedoch ins Uniklinikum weitergeschickt, da das Spital Zollikerberg kein A Spital ist.
OP-Dienst:
Im OP-Dienst durfte man freiwillig wählen, bei welchen OPs man dabei sein wollte. So war es auch möglich, bei den Gynäkologen, Urologen oder Wirbelsäulenchirurgen usw dabei zu sein, was auch sehr interessant war. Da hier leider die Assistenzärzte sehr wenig operieren durften, durfte man als Unterassistent leider höchstens Haken halten oder evtl. mal eine Subcutannaht nähen.
Die Schilddrüsenoperationen bei dem Leitenden Seniorarzt kann ich jedoch sehr empfehlen. Dieser hat sehr viel Erfahrung und bringt einem wirklich etwas bei! Hier würde ich mich aber vor der OP sehr gut vorbereiten, auch in Bezug auf anatomische Strukturen.
Zusammenfassung:
Zusammenfassend ist es schwer eine richtige Benotung/Bewertung abzugeben, da ich denke, dass es für jeden individuell unterschiedlich ausfallen kann. Dies hängt vor allen von den Erwartungshaltungen ab. Für mich war das Tertial eine solide 2, da ich fachlich die Grundlagen gelernt habe (aber auch mit Selbststudium) und die Work Life Balance auf jeden Fall nicht zur kurz kam. Ich hatte verhältnismäßig viel Freizeit, die ich dann gut in Zürich genießen konnte. Je nach Assistenzarzt hatte ich öfter Schichten, die wirklich Spaß gemacht haben.
Für jemanden, der jedoch zukünfig Chirurgie machen möchte und darauf hofft, viel machen zu dürfen, würde ich hier eher von dieser Klinik abraten...