Ich habe mein erstes PJ-Tertial in der Inneren Medizin am Universitätsspital Zürich von Mai bis Anfang September gemacht. In der Regel rotiert man durch vier Bereiche: Meist bekommt man ein Wunschfach, außerdem ist man typischerweise vier Wochen im Notfall eingeteilt und verbringt die restliche Zeit auf zwei weiteren Stationen. Bei mir waren das Gastroenterologie (Station), Notfallmedizin, Infektiologie ambulant, Infektiologie stationär sowie Kardiologie ambulant.
Unterm Strich hat mir das Tertial am USZ sehr gut gefallen. Ich wollte bewusst möglichst viele Facetten der Inneren sehen und gleichzeitig ein Setting, das nicht dauerhaft in Richtung „Überlebensmodus“ kippt. Genau das hat für mich gepasst: Die Arbeitszeiten waren überwiegend entspannt, und man konnte Freizeit und private Projekte realistisch planen. Je nach Fach startet man morgens irgendwo zwischen 08:00 und 10:00 Uhr. Vormittags macht man Visite oder erledigt die ersten Aufgaben; bis zum Mittag ist damit normalerweise genug zu tun. Nach dem Essen war ich häufig schon zwischen 13:00 und 15:00 Uhr zu Hause. Es kommt gelegentlich vor, dass man bis 17:00 Uhr „mitläuft“, obwohl nicht viel anfällt, aber das war bei mir eher die Ausnahme.
In der Gastroenterologie war der Rhythmus besonders angenehm: Zwischen 08:00 und 10:00 Uhr gibt es oft wenig für Studierende, weshalb die Assistent:innen sogar empfehlen, erst gegen 10:00 Uhr zu kommen. Wenn zwei Studierende da sind, wird manchmal ein Früh-/Spätmodell vorgeschlagen (z. B. 10–17 und 13–21). Inhaltlich macht man dort viel Anamnese und Status, übernimmt Aufklärungen und kleinere Aufgaben, die sich im Verlauf ergeben; Visiten sind weniger streng standardisiert, und man geht häufig eher mit einer Person mit. Weil das Team pro Ärzt:in meist nur wenige Patient:innen betreut (4–6), ist das Stressniveau insgesamt moderat bis niedrig.
Der Notfall war für mich eine der besten Rotationen. Man ist in Früh-, Spät- und Nachtdienste eingeteilt und arbeitet vier Tage, bekommt danach vier Tage frei. Der Notfall ist grob in einen Fast-Track-/Hausarzt-Bereich für niedrig triagierte Fälle und in den interdisziplinären Bereich aufgeteilt, wo Innere und Chirurgie parallel arbeiten. Je nach Planung kann es vorkommen, dass man in einzelnen Spätdiensten doppelt eingeplant ist; da kann man sich mit seinem UHU absprechen, wer kommt und wer nicht. Auf dem Notfall kann man auch recht viel nähen, vor allem in Spät- und Nachtdiensten. Wenn man gut mit den chirurgischen AÄ klarkommt, fragen sie dich als internistischen UHU auch, ob du nähen möchtest.
In der Infektiologie war ich zwei Wochen ambulant (inklusive Konsildienst) und zusätzlich auf Station. In der Ambulanz laufen Sprechstunden häufig im 30-Minuten-Takt; ein großer Teil sind HIV-Kontrollen und Routine-Follow-ups, was nach einigen Wiederholungen nicht mehr ultra aufregend ist. Dazwischen gibt es aber immer wieder spannende Sachen – bei mir z. B. Schistosomiasis, Leishmaniose nach Reiseanamnese und vereinzelt STI-Konstellationen; Long-COVID sieht man ebenfalls, wobei man erstaunlich oft hört, die Patient:innen seien „in den falschen Händen auf der Infektiologie“. Der Infektio-Konsildienst ist NUR digital: Alle Ärzt:innen sitzen den ganzen Tag vor dem Bildschirm; dort war ich glücklicherweise nur eine Woche. Auf der Infektio-Station fand ich den Fallmix am stärksten: viele komplexe Anamnesen, Reisebezüge und „komische“ Symptomkonstellationen. Die Visite dauert gerne 2–3 Stunden, und die Assistenzärzt:innen erklären viel – teils über dem, was man sofort anwenden kann, aber fachlich trotzdem sehr cool. Nachmittags gab es häufig wenig konkrete Aufgaben, sodass man nicht selten schon gegen 14:00 Uhr gehen konnte.
Die Kardiologie-Ambulanz hat mir persönlich am wenigsten gegeben. Betreuung ist dort weniger „geführt“, und man landet entweder den ganzen Tag in Sprechstunden, in denen sich Gespräche stark wiederholen, oder man befundet ein paar EKGs und ist dann schnell fertig. Das ist nicht per se schlecht, aber für mich war es die am wenigsten lohnende Rotation.
Was Aufgaben und Lehre angeht, ist die häufigste Kritik in der Inneren am USZ: „zu wenig zu tun“ und „zu wenig Teaching“. Blutabnehmen ist meist nicht Teil des Studierendenjobs (Ausnahme: arterielle Abnahmen – habe ich zweimal gemacht). Typische Tätigkeiten sind eher Mitlaufen/Mitdenken, Dokumentation, Briefe, Anamnese/Status, Telefonate und organisatorische Dinge; je nach Station kommen EKG-Befundung, Sonographie-Einblicke oder selten mal Prozeduren dazu. Bei der Lehre habe ich gemerkt: Viel hängt an Eigeninitiative und an der Beziehung zu den Ärzt:innen. Wenn du aktiv fragst, bekommst du häufig richtig gute Erklärungen – ich hatte mehrfach 40+ Minuten Fall-Durchgänge, weil ich nachgehakt habe. Gleichzeitig habe ich gesehen, dass schüchterne Studierende, die wenig einfordern, deutlich weniger „mitnehmen“. Es gibt formelles Teaching (internistische Fortbildungen alle 1–2 Wochen, zusätzlich je Fachbereich meist wöchentlich; in der Infektio waren es bei mir sogar mehrere pro Woche), aber der größte Hebel bleibt: hingehen, fragen, dranbleiben. Selbstlernen ist außerdem sehr gut möglich – ich würde Laptop mitnehmen und ruhige Zeiten bewusst für Lernen, Doktorarbeit oder strukturierte Nachbereitung nutzen.
Ein Punkt, der immer wieder auftaucht, ist Kommunikation: Ich habe öfter mitbekommen, dass deutsche/österreichische PJler:innen mit Schweizer Kommunikation anfangs nicht sofort warm werden, weil vieles impliziter läuft, als man es gewohnt ist. Wenn du offen bist, nachfragst, wenn etwas unklar ist, und ein bisschen Interesse an Sprache/Kultur zeigst, wird das in der Regel schnell entspannt. Viele Schweizer Kolleg:innen sprechen dir zuliebe Hochdeutsch – das ist nicht selbstverständlich. Nicht vergessen: DU bist hier AUSLÄNDER, eigentlich hast du dich anzupassen und nicht umgekehrt. Hör dir mal ein paar Schweizer Podcasts an, schau mal die Schweizer Serie „Tschugger“, hör mal ein paar Schweizer Lieder von Jule X an.
Zum Leben in Zürich: Das USZ bietet Personalwohnheime (z. B. Vogelsangstrasse, bei mir war’s etwa 700 CHF/Monat) an; die Lage ist stark, weil man schnell am HB ist und viel zu Fuß machen kann, was den Alltag deutlich angenehmer macht als weiter draußen. Ich war selbst auch mal Famulant im Triemli und habe im Vergleich gemerkt, dass ich am USZ-Wohnheim deutlich mehr von der Stadt hatte: Vom Triemli(-Wohnheim) ist man eher 30–35 Minuten bis in die Innenstadt unterwegs, während man vom USZ aus vieles einfach zu Fuß macht und „ausgehen“ deutlich spontaner wird. Preislich ist das USZ-Wohnheim eher teurer: Im Triemli lagen Unterkünfte bei mir eher um die 350 CHF (bei ca. 1400 CHF Lohn), in Luzern z. B. um die 400 CHF (bei ca. 1900 CHF Lohn), und am Kantonsspital Zug etwa 500 CHF – dafür ist die USZ-Lage wirklich eine der besten, wenn du auch tatsächlich Zürich erleben willst. Dazu trifft man im USZ-Wohnheim super viele coole PJler und andere, die am USZ arbeiten und forschen.
Zürich ist teuer – Espresso um die 5 CHF, Bier häufig 8–10 CHF, Cocktails gerne 18–25 CHF, Restaurant-Hauptgerichte oft 25–35 CHF (mit allem schnell mehr). Mein ehrlich-frecher Rat: Akzeptieren und genießen, statt jeden Preis mit „zu Hause kostet das weniger“ zu kommentieren – sonst ruinierst du dir selbst das Tertial. Finanziell bleibt netto oft weniger „Luxus“, als man erwartet: Der PJ-Lohn liegt grob um 1070 CHF brutto (netto bei vielen knapp unter 1000 CHF); mit Nacht-/Notfalldiensten kann es je nach Dienstmix deutlich höher ausfallen (ca. 1600 CHF). Mit einer Miete um 700 CHF, Essen um 400 CHF (Discounter, kochen – und ich esse sehr viel) und Freizeitbudget 400–600 CHF kann man trotzdem eine richtig gute Zeit haben, wenn man’s halbwegs plant. Beim Thema Krankenversicherung/Anmeldung: Man muss sich nur eine Zusatzversicherung (ca. 35 CHF) von Swisscare holen, wenn man zwei Tertiale in der Schweiz plant; sonst kann es passieren, dass die Stadt dir automatisch eine Schweizer Versicherung (ca. 350 CHF/Monat) zuteilt.
Insgesamt war es für mich ein sehr runder Einstieg ins PJ: gute Planbarkeit, viel Überblick über die Innere, fachlich starke Momente (vor allem Notfall und Infektiologie) und genug Luft, um nebenbei noch ein Leben zu haben. Wenn du viel sehen willst, ohne dauerhaft im Dauerstress zu landen, ist die Innere am USZ aus meiner Sicht eine sehr solide Option.
Wenn du in Zürich bist, lohnt es sich sehr, eine KulturLegi zu holen. Du kannst sie einfach online beantragen (dauert oft ca. zwei Wochen) oder sie – je nach Stelle/Regelung – vor Ort in der Nähe vom HB direkt abholen (bei mir ging das mit dem USZ-Arbeitsvertrag). Damit bekommst du bis zu 50% Rabatt auf viele Kulturangebote.
Für den ÖV ist der Halbtax-Schnupper richtig praktisch: Das ist ein Gutschein, den du bei der SBB einlösen kannst und der dir ein Halbtax (BahnCard 50) für ca. 33 CHF für zwei Monate ermöglicht. Der kleine Haken: Man findet ihn nicht immer superleicht online, weil er oft nicht direkt von der SBB selbst, sondern über Kooperationspartner angeboten wird. Häufig kannst du ihn außerdem erneuern und so insgesamt auf bis zu vier Monate kommen (quasi zweimal nutzen).
Zusätzlich gibt es mehrmals pro Jahr Aktionen fürs GA (Generalabonnement, also „Bahnkarte 100“): Normal kostet es ungefähr 450 CHF pro Monat, in Aktionen teils eher 350 CHF für einen Monat (oft rund um Sommer/Winter – je nach Jahr unterschiedlich). Das GA gilt für Bus/Tram/Zug in der ganzen Schweiz und oft auch für viele Bergbahnen (je nach Strecke/Regelung). Ob sich das lohnt, hängt an deinen Plänen: Wenn du z. B. ein paar Mal wandern gehst und mehrere Stadttrips machst, bist du rechnerisch schnell über dem Betrag, den dich das GA kostet. Mit Halbtax liegen Rückfahrten ab Zürich (ohne City-Ticket vor Ort) grob bei Bern ~45 CHF, Basel ~40 CHF, Zermatt ~95 CHF, Lausanne ~90 CHF, Genf ~90 CHF und Lugano ~60 CHF – damit merkst du schnell, dass ein GA je nach „Reise-Laune“ sehr rasch Sinn machen kann. Kleiner Extra-Hack: Den Halbtax-Schnupper kannst du oft auch für Gäste am Schalter holen (deine Adresse angeben und sagen, sie wohnen in der Schweiz) – lohnen kann sich das schon ab einer einzigen Fahrt, z. B. nach Bern.
Wenn du im Sommer dort bist: Bring alles mit, was du für „Strandurlaub“ einpacken würdest (Badesachen etc.), weil man in Zürich im Sommer ständig am Wasser hängt – in den Badis (öffentliche Schwimmbäder) sowieso. Wenn du das viel nutzt, hol dir im Sommer ein Sport-/Badi-Abo; mit der KulturLegi gibt’s je nach Angebot nochmal bessere Konditionen.
Und zum Schluss meine drei Lieblings-Ausflüge: Biel (klein, aber wird richtig schön, sobald man aus dem HB-Viertel raus ist), Zermatt und Bern.