Ich habe mein Wahltertial in der Anästhesiologie in Flensburg absolviert und würde dies nahezu uneingeschränkt weiterempfehlen, besonders wenn man in einem sehr netten und von der Größe her überschaubaren Team arbeiten möchte. In Flensburg teilt sich das Tertial in 8 Wochen St. Franziskus KH und 8 Wochen Diako.
Franziskus:
Hier habe ich meine ersten 8 Wochen des Tertials verbracht. In diesem Haus sind die Viszeral-/Thoraxchirurgie und HNO lokalisiert, entsprechend viele Vollnarkosen werden hier auch gemacht. Man sammelt hier also sehr schnell Intubationen und LaMas. Das gesamte Team hier ist sehr freundlich, so dass man sehr schnell ankommen und sich im Team auch Wohlfühlen kann, was für mich persönlich den PJ-Einstieg sehr viel leichter gemacht hat. Insgesamt sind die Ärzte auch sehr bemüht einen wirklich viel selbst machen zu lassen. Es gibt noch eine Intensivstation auf die man rotieren kann/muss. Wie lange man dort ist hängt etwas vom eigenen Interesse sowie der Anzahl der aktuellen PJler ab. Es kann max. 1 Person auf Intensiv, mehr als zwei Personen gleichzeitig im OP empfand ich etwas zu viel, je nachdem wie voll die Säle auch belegt waren. Entsprechend haben wir uns dann auf OP und ITS aufgeteilt.
DIAKO:
In der DIAKO sind die Unfallchirurgie, Orthopädie, Gefäßchirurgie, Neurochirurgie, Urologie und Gynäkologie. Entsprechend vielfältig ist hier auch das OP-Programm und die angewendeten Anästhesietechniken. Hier kommt man vor allem dazu viel über verschiedene Verfahren der Regionalanästhesie zu lernen und auch selbst durchzuführen. Was genau man machen darf, hängt immer ein bisschen davon ab, mit wem genau man unterwegs ist. Die Stimmung im Team fand ich auch hier sehr nett, wenn auch etwas weniger familiär als im Franziskus, was vermutlich aber eher daran lag, dass es deutlich mehr Personal und auch Räumlichkeiten gab (zusätzlich zum Haupt-OP noch Endo-Uro, Ambulanter OP, Kreißsaal). Insgesamt ist es in der DIAKO aber auch was Überleitzeiten etc. angeht etwas "stressiger", was man manchmal dann auch an dem Frust darüber merkt. Wie sich das jetzt möglicherweise auch nach der Fusion beider Krankenhäuser verändern wird, kann ich nicht beurteilen.
Auch in der DIAKO kann man auf die chirurgische ITS rotieren. Da ich dies im Rahmen meines Tertials nicht gemacht habe, kann ich hierzu keine Angaben machen.
ALLGEMEINES:
Alle PJler haben die Möglichkeit zwei Tage NEF-Hospitation zu machen. Regelhaft ist der Donnerstag ein Studientag. Vormittags ist dabei zum Selbststudium angedacht, nachmittags sind jeweils 4 Seminare (i.d.R. Radio, Innere, Chirurgie und noch ein anderes Fach), die zumeist auch zuverlässig stattfinden. Die Anästhesie veranstaltet außerdem (für die eigenen PJler, aber auf Nachfrage konnten z.T. auch andere PJler mit) jeden Mittwoch nach dem Mittag noch ein zusätzliches Seminar. Dies ist dem Chef sehr wichtig, führt er zumeist auch selbst durch und wenn er nicht kann, organisiert er zuverlässig einen Ersatz.
Man hat die Möglichkeit Dienste zu begleiten und dadurch Fehltage auszugleichen.
In Flensburg wurde die Bezahlung jetzt auf 500€/Monat erhöht. Zusätzlich wird eine Unterkunft gestellt (entweder ein Zimmer im Haus Priel mit eigenem Bad und geteilter Küche oder eine 3er-4er WG) und das Mittagessen ist von Montag bis Freitag kostenlos.
FREIZEIT:
Ich habe den Sommer in Flensburg sehr genossen. Zu dieser Jahreszeit kann man sehr viel in der Region unternehmen. Außerdem ist das Zusammenleben mit den anderen PJlern oft sehr gut. Neben einem sehr guten Tertial in der Anästhesie blieb viel Zeit um nach Feierabend noch etwas in größerer Runde zu unternehmen.