Ich habe meine ersten beiden Tertiale in einem Maximalversorger absolviert. Für das letzte Tertial wollte ich gerne in ein kleineres Haus.
Aufgrund der vielen guten Bewertungen habe ich mich für Wolfenbüttel entschieden.
Am ersten Tag gibt es eine gut organisierte Einführungsveranstaltung. Man lernt das Haus und die anderen PJler kennen, erhält kleine Willkommensgeschenke und hat die Möglichkeit Fragen zu stellen.
Jeder PJler bekommt einen eigenen Spind, ein eigenes Telefon, ein Namensschild und einen Transponder für die wichtigsten Türen. Außerdem kann man kostenlos den Mitarbeiterparkplatz nutzen. Zudem gibt es eine kleine Vorstellungsrunde beim Ärztlichen Direktor und PJ-Beauftragten. Dort erhält man eine Liste mit allen wöchentlichen Seminaren und Terminen.
Wenn man möchte, kann man eine Unterkunft 2 Minuten entfernt beziehen. (Ich selbst habe das nicht genutzt) Die Wohnungen sollen gepflegt und mit dem Nötigsten (kleine Küche, eigenes Bad, kleiner Balkon) ausgestattet sein.
Die Assisstenzärzt:innen in der Inneren, ob Kardio oder Gastro, sind alle unglaublich nett und dankbar für jede Unterstützung. Später kann man auch eigene Zimmer betreuen. Die Ober- und Chefärzte freuen sich über und fördern auch die Eigenständigkeit bei der Patientenvorstellung in der Visite.
Ein typischer Tagesablauf:
7.30 Uhr Dienstbeginn. Man trifft sich im Arztzimmer und schaut sich die Stationsliste an, welche Patienten sind neu? Welche Untersuchungen sind gestern noch gelaufen? In der Regel hat man immer einen eigenen Arbeitsplatz mit PC im Arztzimmer.
Um 8.10 Uhr ist Frühbesprechung mit der gesamten Abteilung. Hier bekommt man einen Überblick, wer auf welcher Station eingeteilt ist und welche Oberärzt:innen zuständig sind. Danach ist Visite. Währenddessen oder hinterher wird dokumentiert und Untersuchungen angeordnet. Danach werden die Entlassungen vorbereitet, Arztbriefe geschrieben.
Es gibt einen Blutentnahmedienst, trotzdem bleiben jeden Tag ein paar Blutentnahmen oder PVKs für die PJler über. Aber das hält sich wirklich im Rahmen.
Man kann auch sehr niederschwellig in die Funktion gehen und bei Sonographien, Echokardiographien, HSM-Kontrollen oder Gastro/Kolo/ERCP zuschauen.
Mein persönliches Highlight war das Mittagessen, da es sehr gemeinschaftlich ist. Hier gehen selbst die Assisstenzärzt:innen regelmäßig zum Mittag! Ansonsten trifft man eigentlich immer andere PJler und kann sich austauschen.
Zum Essen: Es gibt 3 Menüs zur Auswahl, davon ist eins vegetarisch. Alternativ kann man sich am Salatbuffet einen großen Teller zusammenstellen. Dazu einen Nachtisch und/oder ein Stück Obst. Wasser steht im gesamten Krankenhaus für die Mitarbeiter kostenfrei zur Verfügung.
Das Mittagessen wird als Sachleistung vergütet (ca. 90€/Monat) und ist nicht verhandelbar.
Nachmittags finden in der Regel die Seminare statt. Einige jede Woche, andere im 2-Wochen oder Monats-Rhythmus. Vor allem das kardiologische Seminar mit Hr. Frenk, der EKG-Kurs mit Hr. Gubbe und der Sonographie -Kurs mit Prof. Rifai sind super klasse und lehrreich! Aber auch die chirurgischen Abteilungen geben regelmäßig gute Seminare. Ab und zu gibt es sogar Seminare der Apotheke, der Hygiene oder der Betriebsmedizin.
Die Rotation auf den Stationen in der Inneren kann man ganz niederschwellig mit den anderen PJlern abquatschen. Man hat auch die Möglichkeit auf die Intensivstation und in die Notaufnahme zu rotieren. Je nach Arbeitsaufkommen ist der Feierabend meist zwischen 15 und 16 Uhr möglich.
Zusammenfassend: Wer einen vielfältigen Einblick in die Innere Medizin werfen will, dabei in einem freundlichen und familiären Umfeld arbeiten und regelmäßig gute Seminare erleben möchte, ist in Wolfenbüttel genau richtig!
Eine kleine Besonderheit, welche vielleicht die ein oder andere interessiert:
Ich habe dieses Tertial schwanger absolviert und es war überhaupt kein Problem. Nachdem die Betriebsärztin mir ihr offizielles OK gegeben hat (hat mich allerdings 5 Fehltage gekostet, um die Antikörperbestimmung abzuwarten, weil sie mich so lange vom Dienst frei stellen musste), waren alle sehr nett und verständnisvoll, wenn ich gewisse Tätigkeiten nicht mehr durchführen dürfte. Alle haben Rücksicht auf mich genommen und mich trotzdem in die Arbeit miteinbezogen und gefördert. Meine anfänglichen Ängste und Sorgen, die ich diesbezüglich hatte, waren zum Glück unbegründet.