PJ-Tertial Chirurgie in Klinikum Friedrichshafen (12/2025 bis 4/2026)

Station(en)
Allgemeinchirurgie, Unfallchirurgie
Einsatzbereiche
Station, OP, Notaufnahme
Heimatuni
Nicht angegeben
Kommentar
Leider hat dieses Tertial mich und meine PJ-Kollegen komplett demoralisiert und derb enttäuscht. Daher ist diese Bewertung wahrscheinlich auch etwas emotional und trifft auch viele in diesem Klinikum zu unrecht, die total nett und respektvoll waren. Vor allem die Pflege auf Station und auch die Sekretärin, die für die PJs zuständig ist, sind ein wahrer Segen für dieses Haus. Leider gab es täglich/wöchentlich zwischenmenschliche Aktionen von ärztlicher Seite als auch von manchen OTAs/Pflege, bei denen man absolut vom Glauben abfällt und jede Motivation für Eigenengagement verliert.

Genereller Tagesablauf:
7:00 Visite
7:30-8:00 Frühbesprechungen/Röntgenbesprechungen
8:00 Visite/BEs/Ops
12: Mittagessen
ab 14 Uhr Unterricht


ACH
Unser Tertialbeginn fiel auf den 29.12.. An diesem Tag war von den Verantwortlichen keiner da, deshalb gab es quasi keine Einführung. Trotzdem war das die beste Woche in dieser Abteilung. Der leitende OA bemühte sich anfangs sehr mir alles zu zeigen. Aufgrund der Personalknappheit war ich in dieser Woche mehrmals 1. Assistenz im OP. Die darauf folgenden Wochen waren dann zunehmend schlechter. Die Stimmung im Team war eher schlecht. Täglich gab es in der Frühbesprechungen Kritik vom CA an den Assistenten. PJler waren grundsätzlich für BEs und Haken halten zuständig. Teilweise war das das Erste was einem morgens mit einem schämischen Grinsen mitgeteilt wurde. Ansonsten war man fast täglich im OP zum Haken halten. Das war meist OK und man konnte viele Frage stellen. Zunähen durfte man manchmal. Auch nach mehrfacher Nachfrage bekam man keine Patienten zugeteilt. Es gab weder sinnvolle Aufgaben noch vernünftige Teachings im Stationsalltag. In die NA, zu Konsilen, Indikationsstellungen, OP-Planungen wurde man nicht mitgenommen. Man musste das täglich neu und hartnäckig Einfordern und selbst dann ist es oft nicht passiert. Das Team war eigentlich super nett, jedoch bekam man die Hierarchie doch manchmal deutlich zu spüren. Man hatte ein eigenes Telefon, hier wurde man nur für BEs und Zugänge angerufen. Was sich sehr gelohnt hatte war die Adipositassprechstunde. Der zuständige OA nahm sich viel Zeit um Patienten Vor- und Nachzusprechen. Man fühlte sich hier ausnahmsweise nicht wie eine unerwünschte Person. Der zu Beginn freundliche leitende OA neigte zu spontanen grundlosen und völlig unpassenden Moralpredigen oder schreit einen spontan vor der Frühbesprechung zusammen. Außerdem fragt er am Tisch die PJs gerne über sinnlose Themen wie, physikalische Gesetzte, Hirnnerven, Nobelpreise, lateinische Sprichwörter, bekannte Operateure etc. ab. Wahrscheinlich nicht böse gemeint, führt aber trotzdem dazu, dass man bloßgestellt wird. Eigentlich ist Freitag-Nachmittag immer frei (Studientag). Der CA oder lt OA teilen einen aber regelmäßig Freitag Nachmittag als 3. Assistenz im OP ein. Wenn man dann sagt, man hat frei kommen unfreundliche Kommentare. Wir sprachen die Lehrsituation mit dem ACH CA (auch PJ-Beauftragter) an, dieser versprach Besserung in seiner Abteilung. Für die anderen Abteilungen wäre er aber nicht zuständig. Spoiler: es veränderte sich nichts.

UCH
In der UCH war die Stimmung deutlich besser und es wurde den PJs zunächst auf Augenhöhe begegnet. Der CA ist sehr freundlich und pflegt einen freundschaftlichen Umgang mit dem Team. Zunächst wurde mir kommuniziert, dass sie mich vor allem zu den Hüft -Operationen brauchen. Den restlichen Tag könnte ich mir dann frei gestalten. In den ersten Wochen assistierte ich fast täglich 2-3 Stunden/Tag bei einer Hüfte. Das war nicht spannend, aber die Operateure sind respektvoll, freundlich und dankbar. Danach ging ich meist in die Notaufnahme. Dort war eine angenehme Lernatmosphäre. Der zuständige OA nahm einen zu allen interessanten Fällen mit, rief einen teilweise extra an, hatte viel Geduld und erklärte gerne. Ich lernte Wundversorgung, orthopädische Untersuchungen und Röntgenbefundungen. Leider erwarteten die Assistenzärzte auf Station, dass man auch nachdem man den halben Morgen im Op war dann noch alle BEs in der Abteilung macht. Währenddessen diese ständig Kaffee- und Raucherpausen machten. Als ich mich wehrte und ansprach, dass ich gerne auch etwas lernen möchte und nicht nur Hivi-Arbeiten machen möchte, stieß ich auf Unverständnis und Unfreundlichkeit: Die Kernaussage war, dass PJs dazu da wären die BEs zu machen und man nicht zu widersprechen habe. Auf Visite selbst lernt man nichts. Wenn man selbst mitdenkt und Fragen oder Anregungen hat, kommen entweder Antworten wie "weiß ich nicht, nicht mein Fachgebiet, wir machen das so, weil ich das so will". Dazu kam noch, dass einige OTAs einen Groll gegen PJs hegen, besonders eine im UCH OP und man als PJ täglich kritisiert oder angeschnauzt wird. Dadurch vermied ich es zusätzlich in den OP zu gehen um mir andere Ops anzuschauen. Auch Zunähen durch PJs führte zu lautstarker Verärgerung dieser OTA.

Grundsätzliches in diesem Haus:
Das Haus ist veraltet, hat schlechte Ausstattungen auf den Stationen und befindet sich im Insolvenzverfahren. Die Stimmung ist an manchen Tagen deshalb entsprechend schlecht. Es gibt auf der Chirurgie und der Inneren keine strukturierte Lehre für die PJs. Anästhesie und Pädiatrie sei wohl richtig gut. Die Interdisziplinäre Zusammenarbeit funktioniert überhaupt nicht im Haus. Es gibt keinerlei Fehlerkultur oder ordentliches QM. Mehrere Abteilungen werden von "unfehlbaren", tlw. sexistischen CAs/OAs geführt, die sich keine Mühe machen evidenzbasierte Medizin durchzuführen oder gar zu lehren. Der PJ-Beauftragte interessiert sich kein bisschen für die PJs. Die Klinik profitiert sehr davon, dass PJ aufgrund des Sees weiterhin kommen und sich oft nicht trauen zu widersprechen. Während meines Tertials gab es unter 5 PJs auf der Inneren oder der Chirurgie keinen dem es annähernd gefallen hat. Wir alle hatten den Eindruck, dass viele Patienten schlecht versorgt wurden und keine gute Medizin gemacht wurde.

Pros:
- richtig guter PJ-Unterricht mehrmals täglich ab dem frühen Nachmittag von verschiedenen Abteilungen
- Einzelne tolle Ärzte, die einem gerne etwas Beibringen wollen
- 8 Euro Verpflegungsgeld, reicht gut für Frühstück und Mittagessen
- Sehr nette und kompetente Pflege und sonstige Mitarbeitende auf den chirurgischen Stationen.
- ACH Adipositas-Sprechstunde lohnt sich
- UCH Notaufnahme lohnt sich
- Nach dem Erledigen der BEs/Zugänge/OPs, hat man sehr viel Freiraum. Es interessiert niemanden was man tut. Bedeutet zwar man lernt nichts, man kann sich aber auch zurückziehen und Kaffee trinken oder fürs Stex lernen
- Unterbringung im Wohnheim ist ok-gut


Cons:
- viele BEs/OPs mit Haken halten
- kaum Lehre im Stationsalltag/OP
- teilweise Abfragen am OP-Tisch
- in jeder Abteilung Personen die unfreundlich und respektlos sind


Die Unterbringung im Wohnheim hat bei allen geklappt. Je nach Zuteilung hat man möblierte oder unmöblierte Wohnungen. Waschmaschinen sind im Keller mit Münzeinwurf. Je nach Wohnung hat man sogar Klinikwlan oder nicht mal Mobilfunkempfang. Vom Balkon kann man den Bodensee sehen. Parken kostet im Parkhaus ca 40/Monat seit neuestem. Parken in der Straße ist meist kostenlos möglich, ansonsten gibt es eine Busverbindung. Man bekommt einen Wellpass-Zugriff für ca 30 Euro/Monat und kann damit ein großes Angebot an Sportmöglichkeiten wahrnehmen.

Fazit:
Dieses Tertial war ein Flopp. Wenig gelernt, viel Einstecken müssen. Hier kann man Resilienz oder Ignoranz üben. Wir haben das Beste draus gemacht und die wenigen Lernchancen versucht zu ergreifen. Die PJ-Gemeinschaft und der Zusammenhalt war ein Traum.
Meiner Meinung lohnt sich dieses Haus nur für die Anästhesie und Pädiatrie oder wenn man keinerlei Erwartungen an die eigene Ausbildung hat, viel Resilienz besitzt und eine schöne Zeit am Bodensee verbringen möchte.
Unterricht
Häufiger als 5x / Woche
Inhalte
Patientenvorstellung
Fallbesprechung
Repetitorien
Tätigkeiten
Mitoperieren
Notaufnahme
Braunülen legen
Röntgenbesprechung
Blut abnehmen
Dienstbeginn
Vor 7:00 Uhr
Dienstende
16:00 bis 17:00 Uhr
Studientage
1x / Woche fest
Tätigkeiten
Mittagessen regelmässig möglich
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Unterkunft gestellt
Kleidung gestellt
Essen frei / billiger
Gehalt in EUR
300

Noten

Team/Station
2
Kontakt zur Pflege
3
Ansehen des PJlers
5
Klinik insgesamt
6
Unterricht
1
Betreuung
6
Freizeit
2
Station / Einrichtung
4
Gesamtnote
1

Durchschnitt 3.07