Mein PJ-Tertial in der Pädiatrie am Stadtspital Zürich Triemli war eine dieser Erfahrungen, bei denen man fachlich wirklich etwas mitnimmt – und menschlich lernt, dass auch ein Stuhl eine politische Dimension haben kann.
Als ich am ersten Morgen ganz unschuldig zum Morgenrapport erschien, war mir das herrschende Klima auf der Station natürlich noch nicht klar. Ich sah eine kurze Stille, dachte „perfekt, ich stelle mich kurz vor“, nahm meinen Mut zusammen und wollte loslegen – bis von der Seite ein aggressives „schhhh!“ kam, gefolgt von einem forschen „Jetzt nicht!“. Ich setzte mich verdutzt wieder hin und hielt die nächsten zwei Minuten betretenes Schweigen tapfer aus. Der Rapport startete pünktlich um 07:30:00, was ich einerseits beeindruckend finde, andererseits auch ein bisschen bezeichnend. Nach dem Rapport bekam ich dann die höfliche Erlaubnis, mich in kurz vorzustellen, was ich pflichtbewusst erledigte.
Danach folgte die eigentliche Einweisung durch die Assistenzärzt:innen, die wirklich sehr nett und bemüht waren: Die wichtigsten Regeln für diese Station seien, die Chefin niemals direkt anzusprechen und sich bei Todesstrafe niemals auf ihren Stuhl zu setzen. Das klingt überspitzt, zog sich aber tatsächlich als roter Faden durch mein gesamtes Tertial: Es herrschte ein Klima der Angst, und der Stein des Anstoßes war ganz klar die Chefärztin. Während meiner Zeit dort kündigten zwei Oberärzte fristlos, was den Eindruck nicht unbedingt relativiert hat.
Gleichzeitig muss ich sagen, dass die Assistenzärzt:innen menschlich und fachlich wirklich stark waren: freundlich, kollegial und bemüht, einem etwas beizubringen, und auch viele der Oberärzt:innen wirkten an sich nett und kompetent – nur eben spürbar vorsichtig im Auftreten.
Am meisten gefallen hat mir die Arbeit auf dem Notfall und auf der Neo. Dort hatte ich den größten Lerngewinn, weil man relativ schnell in Abläufe eingebunden wurde und mit der Zeit auch eigene Kinder betreuen und mitbehandeln durfte. Das hat mir klinisch wirklich viel gebracht und mein Verständnis für Pädiatrie deutlich verbessert. Auf Station war die Atmosphäre dagegen schwieriger, und man hat dort neben medizinischen Inhalten vor allem gelernt, wann man besser atmet als spricht.
Mein Tagesablauf war recht konstant: Morgenrapport um 07:30, danach schaut man, ob man in den Notfall, auf die Neo oder auf Station geht, und arbeitet sich bis etwa 12:00 durch das Tagesgeschäft. Um 13:30 gibt es praktischerweise für UAs Essen für 5 Franken, was preislich wirklich fair ist – gleichzeitig ist 13:30 auch die Übergabe an den Mitteldienst (ergo oft kein Essen für 5 Franken), der Teil eines ziemlich komplexen Dienstsystems ist, bei dem ich nie ganz sicher war, ob ich es verstanden habe oder es mich nur akzeptiert. Danach vergeht Zeit bis 16:30, wenn das Teaching stattfindet. Die Chefin erwartet, dass man daran teilnimmt; in meiner Zeit wurde dort aber leider nicht besonders viel wirklich anwendbares Wissen vermittelt. Deutlich lehrreicher waren für mich die Teachings während der Übergaben, weil sie näher an der Praxis waren und konkrete Fälle behandelten.
Finanziell ist das Paket solide, aber nicht glamourös: Der Lohn beträgt 1000 Franken, ich habe im Wohnheim für 300 Franken gewohnt und dafür ein annehmbares Zimmer mit Gemeinschaftsküche und Bad bekommen. Ein echter Pluspunkt war, dass ich dort PJler:innen aus anderen Disziplinen kennengelernt habe – das hat die Freizeit in Zürich angenehmer gemacht, und deren Berichten nach schien es in ihren Abteilungen deutlich angstfreier zuzugehen, was immerhin zeigt: Es geht auch anders.
Ein kleines Kapitel für sich war am Ende die Unterschrift für die PJ-Bescheinigung: Ich wollte sie mir von einem der OAs holen und scheiterte zunächst mehrfach, vermutlich weil niemand aus Angst gerne irgendetwas offiziell unterschreibt. Nach dem sechsten Anlauf fand ich schließlich einen OA, der bereit war, seinen Otto drunter zu setzen – ein Moment, der sich überraschend stark wie ein persönlicher Sieg anfühlte.
Insgesamt bleibt für mich das Fazit: Wer fachlich was lernen möchte, könnte hier wirklich profitieren, besonders auf Notfall und Neo. Wer jedoch ein offenes, angstfreies Lehr- und Arbeitsklima sucht, sollte wissen, dass dieses Tertial neben Pädiatrie auch eine intensive Einführung in Hierarchie-Management bietet.