Wenn du Interesse am Fach Psychosomatik hast, kann ich Dir ein PJ-Tertial in der Schön Klinik nur ans Herz legen. Ich habe die Zeit dort als sehr lehrreich, wertschätzend und bereichernd erlebt. Die Schön Klinik Roseneck in Prien ist deutschlandweit eine der größten psychosomatischen Fachkliniken und eignet sich super, um im Rahmen des PJ´s einen guten Überblick über die wichtigsten psychosomatische Störungsbilder wie Depression/Burnout, Angsterkrankungen, Zwangsstörungen, Essstörungen, Traumafolgestörungen und Persönlichkeitsstörungen zu erlangen. Durch das breite Behandlungsspektrum und die Größe der Klinik ist die Expertise entsprechend hoch und die Behandlung der Patienten überdurchschnittlich gut.
Vor Tertialstart wurde mir ein Vorgespräch mit der PJ-Koordinatorin Prof. Dr. Rebecca Schennach angeboten, in welchem ich die Möglichkeit hatte, Fragen zu stellen und eine Wunschstation anzugeben. Ich entschied mich für eine Station mit Behandlungsschwerpunkt Essstörungen und wurde auf der Station C3 eingesetzt, was sich als sehr gute Wahl herausgestellte. Zur Hälfte des Tertials wäre es möglich gewesen, auf eine andere Station zu rotieren, was ich allerdings nicht in Anspruch genommen habe. Durch die Komorbiditäten der Patientinnen und die Begleitung stationsübergreifender Indikationsgruppen war es dennoch möglich, einen guten Einblick in andere Störungsbilder zu erhalten. Für mich war es letztlich wichtiger, die Patient:innen meiner Station weiter zu begleiten.
Die Organisation und Kommunikation zum PJ-Start war super. Am ersten Tag wurde ich bereits von meiner Stationsärztin erwartet, welche mich herumgeführt und mich erstmal für ein paar Tage unter ihre Fittiche genommen hat. Alle Unterlagen und Zugänge lagen am ersten Tag vor und haben funktioniert. Von Beginn an wurde ich sehr freundlich ins Team aufgenommen und als vollwertiges Mitglied behandelt. Die Arbeitsatmosphäre auf Station war offen, respektvoll und kollegial. Was mir besondern gut gefallen hat war, dass ich als PJlern nicht dazu verpflichtet war, bestimmte Aufgaben zu übernehmen, die mich davon abgehalten haben, das mitzubekommen, was mich am meisten interessiert hat oder wo ich am meisten hätte lernen können (wie ich es teilweise in anderen Tertiären erlebt habe). Stattdessen wurde mir von Anfang an vermittelt, dass ich da bin, um möglichst viel zu lernen und ich meine Tage so gestalten darf, wie ich es für sinnvoll halte. Darüber hinaus gab es eine große Offenheit (sowohl von Seiten des Behandlungsteams, als auch der Patient:innen), was die Begleitung von (Einzel-)Therapien anging, was ich als sehr positiv wahrgenommen habe. Ich hatte nie das Gefühl, geduldet zu werden, sondern alle haben sich wirklich bemüht, mir möglichst viele Einblicke in die Therapien zu verschaffen.
Anfangs habe ich vor allem viel in Einzel- und Gruppentherapien hospitiert, an den stationsinternen Teamsitzungen teilgenommen, die medizinischen und therapeutischen Visiten begleitet und meinen Stationsärztinnen bei den medizinischen Aufnahmen neuer Patient:innen über die Schulter geguckt. Teilweise habe ich auch selbst an einigen Angeboten der Kunst- und Bewegungstherapie teilgenommen, um etwas Selbsterfahrung mitzunehmen. Mit der Zeit habe ich dann zunehmend eigenständig Aufgaben übernommen, zum Beispiel medizinische und therapeutische Aufnahmegespräche, die Leitung von psychoedukativen Therapieangeboten oder die Allgemeine Gruppentherapie. Teilweise habe ich auch einzeltherapeutische Zusatzangebote gemacht oder Einzeltherapiestunden vertreten. Das wurde aber niemals von mir erwartet erwartet, sondern war ein Angebot , mich im therapeutischen Arbeiten zu üben, was mir einen großen Raum zum Ausprobieren und Lernen gegeben hat. Begleitend dazu konnte ich an diversen Fortbildungsprogrammen teilnehmen, zum Beispiel an einem Curriculum zur Leitung von Gruppentherapien, welches eigens für die Praktikant:innen im Haus angeboten wurde oder an den Quick-Start-Montagsfortbildugen, in welchen abwechselnd medizinische und psychotherapeutische Basics zur Therapie psychosomatischer Erkrankungen vermittelt wurden. Zudem hatten wir wöchentlich PJ-Unterricht, in welchem wir M3-relevante Themen besprechen, Fragen stellen und aktuelle Anliegen vorbringen konnten. Um auch Einblicke in andere Störungsbereiche zu erhalten, habe ich auch Gruppen außerhalb meiner Station besucht, zum Beispiel habe ich in einer Expo-Gruppe zur Behandlung von Zwangsstörungen hospitiert und an der sog. Trauergruppe, einer stationsübergreifender Indikativgruppe für Patient:innen mit anhaltender Trauerstörung teilgenommen. Gegen Ende des Tertials habe ich auch mal meine Stationsärztin bei einem Nachtdienst begleitet, was ich Die ebenfalls sehr empfehlen kann.
Aber jetzt genug des Fachgesimpels ;-) - auch außerhalb der Schön Klinik ist Prien ein schönes Fleckchen Erde. Mein Tertial ging von September bis Dezember, sodass ich zu Beginn meiner Zeit noch im See baden und gegen Ende die Berge im Schnee hochgestapfen und wieder runtergerodelt konnte. Ich hatte zuvor noch nie in einer ländlichen Region gelebt und war total begeistert von der Region Chiemgau, dem vielfältigem Freizeitangebot und der Freundlichkeit der Menschen. Ich hatte zunächst überlegt gehabt aus München zu pendeln (was theoretisch möglich ist), war dann aber sehr schnell sehr froh, Vorort zu sein. Vorab war ich davon ausgegangen, das es eher eine Zeit werden würde, in der ich viel Zeit mit mir allein verbringen würde, tatsächlich habe ich aber einen Großteil meiner Freizeit mit einem Grüppchen von Psychologiepraktikant:innen verbracht, die ebenfalls für ein mehrmonatiges Praktikum in der Schön Klinik nach Prien gezogen waren. Prien selbst hat auf jeden Fall mehr zu bieten, als ich gedacht hätte - neben den ganzen Outdoor-Möglichkeiten und der tollen Natur gibt es zum Beispiel eine Therme, einen Minigolf-Platz, süße Cafés (z.B. Café Villino), diverse Restaurants und verschiedene Yoga-Studios (heißer Tipp: Yoga in der blauen Villa bei Steffi!). Im Winter wurde sogar ein eigener kleiner Weihnachtsmarkt und eine Eislaufbahn aufgebaut. Einen Trip zur Frauen- oder Herreninsel darf man natürlich auch nicht versäumen, wenn man schon mal Vorort ist. Auch die Nähe zu Rosenheim und Salzburg ist nice zu have und auf jeden Fall mal einen Ausflug wert.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass die vier Monate in der Schön Klinik Prien für mich wirklich eine tolle Erfahrung waren, die ich jederzeit wieder machen würde. Tatsächlich ist ein PJ-Tertial in der Schön Klinik so, wie man es sich eigentlich wünschen würde – und wie es andernorts aufgrund der Widrigkeiten des deutschen Gesundheitssystems leider oftmals nicht (möglich?) ist. Der einzige Wermutstropfen ist, dass die Klinik leider kein Wohnheim hat, sodass man sich selbst um eine Unterkunft kümmern und entsprechend Miete zahlen muss. Anscheinend gibt es eine Mitarbeiter-WG(?), hierfür muss man sich aber wohl sehr frühzeitig melden und Glück haben, dass noch ein Platz frei ist. Da man für PJ-Verhältnisse jedoch vergleichsweise „gut“ bezahlt wird, bin ich finanziell trotzdem besser weggekommen als in meinen anderen Tertialen und habe mir einfach selbst eine WG gesucht - davon würde ich mich also nicht abhalten lassen. Viel Spaß bei deinem PJ-Tertial in der Psychosomatik! :-)