PJ-Tertial Gynäkologie in Vivantes Klinikum am Urban (5/2025 bis 7/2025)

Station(en)
KAU Brustzentrum
Einsatzbereiche
OP
Heimatuni
Goettingen
Kommentar
Meine zweite Hälfte des Tertials in der Gyn verbrachte ich im Vivantes Brustzentrum. Das Tertial ist strikt aufgeteilt in Gyn/Geb und Brustzentrum.
Erst einmal vorweg: Die Zeit in der Gyn/Geb am KAU war echt gut (s. zweiter Bericht), die schlechte Bewertung bezieht sich nur auf das Brustzentrum.
Insgesamt war ich sechs Wochen im Brustzentrum (Zwei Wochen von acht hatte ich Urlaub).
Zuallererst: Ich bin wirklich sehr enttäuscht von meiner Zeit im Brustzentrum.
Ich hatte mir von so einem großen und renommierten Brustzentrum vorweg viel Positives versprochen. Auch aus vorherigen PJ-Bewertungen ging hervor, dass die PJler*innen dort eine gute Zeit hatten mit OP-Assistenz, Stationsarbeit, stationären Aufnahmen, Brust-Ultraschalls, Sprechstunden, Aufklärungen und dem Durchführen von Stanzen. Auch Einblicke in die Chemoambulanz, die Radiologie, wo die Mammografien durchgeführt werden, die Pathologie, wo die Schnellschnitte begutachtet werden und die regelmäßige Teilnahme an Prä-/Post-OP-Tumorkonferenzen hätte es gegeben. Ich ging also davon aus, dass ich einen umfassenden Einblick in die Senologie erhalten würde. Ich bin gynäkologisch sehr interessiert und daher habe ich mir viel erhofft und auch extra das KAU gewählt.
Nun ja, es kam sehr anders als erwartet. Kurz vor meinem Beginn wurden der Abteilung (so wie ich es verstanden habe) die Assistenzärzt*innenstellen gestrichen. Somit bestand das Team nur noch aus einer Fachärztin, drei Oberärztinnen und zwei Chefärztinnen. Und mir, die sich super als 1. Assistenz im OP eignete.
Ich war sechs Wochen lang jeden einzelnen Tag von ca. 7:50 bis 16:00 (manchmal auch später) im OP als 1. Assistenz eingeteilt. Es fanden täglich 3-5 OPs statt. Vor allem Brusterhaltende Therapien bei Tumorentfernungen mit/ohne Sentinel/Axilladissektionen und Mastektomien (auch mit Implantateinlagen). Grundsätzlich bin ich gerne im OP und hätte auch einen 2-3-wöchigen reinen Einsatz nicht schlimm gefunden, aber das war definitiv zu viel. Ich habe mich schnell sehr ausgenutzt und wortwörtlich wie ein dressiertes Äffchen gefühlt. Es wurde keinen Tag gefragt, ob ich mir vielleicht mal etwas anderes anschauen möchte, sondern pünktlich um 7:45 wurde ich in der Frühbesprechung von der Chefin in den OP geschickt. Dort wurde von mir erwartet, dass ich alles vorbereite, die Patient*innen lagere und schließlich abwasche und gemeinsam mit der OTA das Operationsgebiet steril abklebe. Und dann habe ich gewartet, bis die Operateurinnen teils mit gewaschenen Händen reinmarschiert sind, um dann stundenlang bei immer wieder der gleichen OP die Haken zu halten. Hinterher habe ich die Patient*innen immer mit der Anästhesie ausgeleitet und umgelagert.
Nähen durfte ich ab und zu, aber bis zum Ende nur, wenn ich aktiv gefragt habe und des Öfteren wurde ich auch auf einen anderen Tag vertröstet. Und so zogen die Tage ins Land. Ich habe in meiner Zeit im Brustzentrum ca. zwei Stunden insgesamt auf Station verbracht, ca. eine Aufnahme mitbegleitet, bei sage und schreibe einem Brustultraschall zugesehen, zwei Briefe geschrieben, eine Post-OP-Tuko über Zoom mitangeschaut. Ich habe bei wahrscheinlich über 60 OPs als 1. Assistenz assistiert, hingegen nur maximal fünf Patient*innen überhaupt wach gesehen.
Mein Lernzuwachs im OP war bei den ersten zehn Ops noch ganz okay, dann ging es jedoch steil bergab und schlug immer mehr in Frust um.
Ich habe auch die ganze Zeit im BZ über keine Mittagspause machen können, mehr als ein paar Bissen essen zwischen den OPs war nicht drin.
Ich habe wirklich so viel mehr erwartet. Zwar beherrsche ich das Assistieren bei einer Tumorentfernung mittlerweile gut, aber über mehr Aspekte der Mammaonkologie habe ich wirklich absolut gar nichts gelernt. Wie gerne hätte ich auch mal Patient*innen-/Angehörigengespräche miterlebt und wäre mal bei einer Chemo mit dabei gewesen. Wie funktioniert eigentlich ein Brustultraschall, eine Stanze, eine Mammografie, eine Vakuumbiopsie? Wie sieht das Ergebnis nach einer brusterhaltenden Therapie, einer Mastektomie oder einer Implantateinlage aus? Keine Ahnung, ich habe nichts davon gesehen.
Mein kleines Highlight, das meine Zeit perfekt beschreibt, gab es am Ende: Zwei Tage vor Tertialende meinte eine Operateurin im OP zu mir, dass ich ja bald mal in der Radiologie/Pathologie hospitieren könne, weil ihr aufgefallen sei, dass ich bisher nur im OP war… Daraufhin habe ich erwidert, dass es leider mein vorletzter Tag sei. „Na, dann geh doch heute Mittag zumindest mal für ein paar Stunden auf Station“. Ich bin gerade mit dem Fahrstuhl oben angekommen, da hat mich dort eine andere OÄ abgefangen: Ich werde im OP benötigt.
Natürlich gibt es nicht nur Schlechtes zu berichten und ich gehe ganz stark davon aus, dass die Zeiten sich auch wieder ändern werden. Trotzdem möchte ich gerne vorwarnen, dass es so kommen kann wie bei mir. Wer Lust auf OP all day long hat und möglichst wenig Patient*innenkontakt: GO!
Positiv hervorzuheben ist auf jeden Fall das sehr nette Team der Pflege auf Station gewesen. Auch das OP-Personal war sehr nett, allerdings wurden im Mammasaal meistens Leasing-Kräfte eingesetzt, sodass ich zum festen Bestand nicht so viel sagen kann. Auch die Ärztinnen des Brustzentrums waren trotz der stressigen Umstände fast alle sehr nett, ich wurde nie wegen irgendetwas angemeckert o.ä.. Einige waren natürlich gestresster und daher eher ruppiger als andere, aber das hat man ja immer. Es war aber auf keinen Fall eine stereotype Chirurgierfahrung, sondern eher ein netteres Miteinander. Besonders eine Oberärztin möchte ich hervorheben, die wirklich immer wieder versucht hat, sich für mich einzusetzen und der es ehrlich leidtat. Auch zwei andere Ärztinnen haben sich Mühe gegeben, mir zumindest etwas im OP zu zeigen.
Die Organisation, was Studien- und Urlaubstage anging, war auch problemlos.
Vielleicht war ich einfach zur falschen Zeit dort und jemand anderes macht eine ganz andere Erfahrung. Ich hoffe sehr, dass es in Zukunft ein klareres Konzept gibt, was für PJ-Studierende vorgesehen ist und dass diese in Zukunft nicht mehr nur als billige OP-Assistenz eingesetzt werden. Auch hätte ich mir auf jeden Fall mehr Teaching gewünscht. 😊
Bewerbung
Über das PJ-Portal relativ spontan im Januar
Unterricht
1x / Woche
Tätigkeiten
Mitoperieren
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
15:00 bis 16:00 Uhr
Studientage
1x / Woche frei
Tätigkeiten
Kleidung gestellt
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Gehalt in EUR
450

Noten

Team/Station
2
Kontakt zur Pflege
2
Ansehen des PJlers
4
Klinik insgesamt
3
Unterricht
1
Betreuung
4
Freizeit
3
Station / Einrichtung
2
Gesamtnote
4

Durchschnitt 3.13