Ich habe mein Augenheilkunde-Tertial am Klinikum Karlsruhe absolviert.
Der Tag beginnt immer um 8 mit einer kurzen Frühbesprechung. Danach schaut man bei der Oberarztvisite auf Station zu, die ca. eine Stunde geht. Leider gibt es in der gesamten Augenklinik keine Spaltlampen mit Spion/drittem Okular, sodass man meistens einfach danebensteht und zuhört, was gesagt wird. In seltenen Fällen darf man auch mal kurz durch die Spaltlampe schauen. Danach verbringt man den Tag entweder auf der Station oder in der Ambulanz.
Ich war die ersten vier Wochen auf der Station, um ein bisschen die Abläufe zu lernen. Man hilft meistens morgens bei den stationären Aufnahmen, dabei kann man auch selbst voruntersuchen und dokumentieren sowie Anamnese machen und Medikamente eintragen. Die Augenklinik hatte zu meiner Zeit dort noch Papierakten, was für mich eine ungekannte Rarität war.
Später bin ich dann meistens in die Ambulanz gegangen. Dort kann man entweder mit einem der Ärzte mitlaufen und zuschauen, wenn man Glück hat bekommt man dabei etwas gezeigt oder erklärt. Das ist leider nicht selbstverständlich und oft hatte man das Gefühl, dass sich keiner für einen interessiert und die Motivation, mir etwas beizubringen war insgesamt sehr gering. Wohl auch, weil viele der Assistenten sehr mit sich selbst beschäftigt waren. Ich habe dann meistens einfach eigenständig Patienten voruntersucht und dann jemandem gezeigt. Dazu musste aber ein Untersuchungszimmer frei sein, was leider auch nicht immer der Fall war. Ab und zu war ich auch im OP und habe mir Operationen angeschaut, das nie ein Problem und mir wurde auch gerne etwas erklärt. Im OP haben die Mikroskope auch jeweils ein zweites Okular, sodass man gut zuschauen kann.
Gegen Ende wurde ich dann wieder auf die Station geschickt, weil die MFA die sonst bei den Aufnahmen hilft länger ausgefallen war. Insgesamt habe ich schon einiges an Arbeit abgenommen, mein Lernzuwachs in Augenheilkunde war aber insgesamt eher gering.
Insgesamt konnte ich mich sehr frei bewegen und machen worauf ich Lust hatte. Es war auch kein Problem, mal für zwei Stunden zu verschwinden und später wiederzukommen wenn man etwas erledigen musste. Oft bin ich lange mit den anderen PJlern Mittag essen gewesen und nachmittags in die PJ-Seminare gegangen. So war ich meistens ziemlich früh zu Hause.
Das Team ist insgesamt okay, es gibt aber eine sehr hohe Fluktuation. Die Chefs sind beide super nett, unkompliziert und zugänglich und erklären gerne. Allerdings sind sie oft anderweitig beschäftigt. Die Klinik ist allgemein nicht so richtig darauf ausgelegt, Studenten etwas beizubringen. Ich habe beispielsweise am letzten (!!!) Tag meines PJ erst gelernt, dass man mit der 5er-Vergrößerung an der Spaltlampe viel besser funduskopieren kann, nachdem ich mich 4 Monate gewundert habe warum das so mühsam ist :/
Wer gerne viel lernen und sehen möchte, ist wahrscheinlich an der Uni besser aufgehoben. Ansonsten ist das Miteinander mit den anderen PJlern in Karlsruhe ziemlich cool, man unternimmt oft gemeinsam Sachen und hat oft viel Freiheit in der eigenen Zeitplanung. Und die günstige Unterkunft direkt neben der Klinik hat auch ihr gutes.
Noch ein Hinweis: Wenn man tatsächlich Augenarzt werden möchte und auf ein Stellenangebot aus ist, lohnt es sich hier eventuell trotzdem PJ zu machen. Mir wurde am Ende eine Stelle angeboten und meine Vorgängerin wurde auch übernommen.