PJ-Tertial Innere in Klinikum Muehldorf am Inn (8/2020 bis 11/2020)

Station(en)
Notaufnahme/Pneumologie
Einsatzbereiche
Notaufnahme, Diagnostik, Station
Heimatuni
TU Muenchen
Kommentar
Zu meinen Rahmenbedingungen, die natürlich die Beurteilung beeinflussen:
- Vorzeitiges PJ/Hammerexamen 2021
- Mühldorf als Coronazentrum der Landkreise

Warum habe ich Mühldorf gewählt:
Ich wollte für Innere an ein kleines Haus, fernab von stupiden Blutabnahmen und ausgefallenen Krankheitsbildern an der Uniklinik, hin zu schöner Umgebung, nettem Personal und einer Bezahlung/Wohnung gestellt-Kombination. Von den wenigen, dafür recht aktuellen und durch die Bank sehr guten Bewertungen und der Nähe zu München bin ich dann auf Mühldorf gestoßen.

Corona-Vorwort:
Mühldorf ist bei der ersten Welle schon in den Medien gewesen, da sie eine gewisse Vorreiterrolle in der Umgebung hatten, sich mit anderen Kliniken abgesprochen hatten und für mehrere Wochen reine Corona-Klinik waren. Da vor kurzem eine Fusion der Kliniken Haag, Mühldorf, Altötting und Burghausen beschlossen wurde, kam es nun in der zweiten Welle dazu, dass es Stand jetzt (Anfang November 2020) wieder die Anlaufstelle für die Landkreise im Umkreis war.
Dadurch wurde wieder der normale, elektive Betrieb heruntergefahren, was auf allen Ebenen von der Pflege bis zum Vorstand zu viel Unmut und politischen Entscheidungen führte.

Positives:
Man ist sehr, sehr frei in seiner PJ-Gestaltung. Mir spielte in die Karten, dass wir in meinem Tertial nur zwei, nach der Hälfte ich nur noch alleine als PJler war. Ich habe mehrere Stunden auf meinem Rennrad in der Gegend verbracht, hatte sehr oft am frühen Nachmittag frei, konnte ohne Probleme auch mal kurzfristig frei nehmen.
Davon abgesehen, lernt man selbstständiges Arbeiten sehr gut, vor allem wenn man in der Notaufnahme ist. Dort untersucht man (nach perfekter pflegerischer Vorbereitung inkl. EKG, Zugang, Blutabnahme, bB. Blutabnahmen und ggf. erster Medikation) den Patienten, entscheidet über weitere Untersuchungen und das Procedere und lernt einen guten Zugang und Routine bei Patientenkontakten. Grundlegend dafür sind OÄ Diyaroglu (oder einfach Arzu) und die erstklassige Pflege der Notaufnahme, die aber mit jeder Covid-Woche mehr und mehr dekompensierte. Ich habe persönlich etwa 70% meines Tertials in der ZNA verbracht, war drei Wochen auf Station (Pulmo), noch bevor die zweite Welle kam, also ohne Covid-Patienten. Hier ist OA Witzig positiv zu erwähnen, der einem gerne bei der Befundung von Röntgenbildern und LuFus half.
Abgesehen von der regelmäßigen, freiwilligen Röntgenbesprechung war die Fortbildungsarbeit aber gleich null, auch auf mehrere Rückfragen.
Ansonsten konnte ich jederzeit bei diversen Funktionsuntersuchungen (Bronchioskopie, EBUS, Pleura-/Aszitespunktionen, Echokardio, ...) zusehen. Mit mehr Eigeninitiative hätte ich sicher auch selbst mal selbst Hand anlegen dürfen, erklärt wurde leider sehr wenig.
Da ich mit meiner Aufteilung mit viel ZNA zufrieden war, hab ich es dabei belassen. Möglich wären aber auch noch Kardio, Stroke, Intensiv und auf Anfrage auch Geriatrie im Partnerklinikum in Haag gewesen.
Ein anderer Punkt: Man kann auch, wer wie ich selten Mittag isst oder einfach kein Fan von Krankenhausmensen ist, anstelle der monatlichen 400€ + Essensmarken auf 450€ ohne Marken aufstocken.

Negatives:
Das, worunter das Klinikum meiner Meinung nach am meisten leidet, ist der stete Wandel. Und natürlich aktuell Covid-Klinik für einen großen Bereich zu sein. Über die Hälfte der Assistenzärzte haben im Ausland studiert und sind des Deutschen oft nur in Ansätzen mächtig. Das per se ist kein Problem, da alle stets sehr nett waren. Allerdings war oft die Patienten-Arzt-, aber auch Arzt-Arzt-Komunikation beeinträchtigt, und das im tiefen ober-niederbayrischen Grenzgebiet... Nachdem Mühldorf außer einer wunderschönen Umgebung aber auch nicht viel zu bieten hat und auch medizinisch sehr begrenzt bleibt, wandern meistens die guten Assistenten und Oberärzte nach wenigen Jahren ab. Das ist wohl auch ein Grund für die mäßige Fortbildungslage, da einfach keine guten Strukturen geschaffen werden können, wenn sich jedes Jahr die Belegschaft ändert. Von daher fällt auch meine Bewertung schlechter als noch vor zwei Jahren aus, weil es bespielsweise den sehr engagierten PJ-Beauftragten von damals nicht mehr gibt.
Darüber hinaus waren immer sehr viele innerpolitische Streitigkeiten an der Tagesordnung. Die Morgenbesprechung stellt eine Aufzählung diverser Fehler und Probleme dar, für die aber stets keine zufriedenstellenden Lösungen gefunden werden und die nur minütlich von Dr. Rupp (CA der Notaufnahme) unterbrochen wird, der hinter einer netten Fassade nach außen eine sehr antiquierte Ansicht des Chef-Daseins und der Arbeitsverteilung hat (sehr, sehr viel Reden über eigene Leistungen, neue Erwerbschaften und Herziehen über Kollegen vs. sehr, sehr wenig selbst anpacken und umsetzen, sowie eine sehr beschränkte Kompetenz abseits der Notfallmedizin). Ich persönlich bin immer ziemlich desillusioniert und genervt in den Tag gestartet, vllt. bin ich da aber auch einfach anfälliger, was sowas betrifft.
Ganz abgesehen vom medizinischen: das Wohnheim ist ein Heim zum wohnen und mehr auch nicht. Direkt über einem griechischen Restaurant, ausgestattet mit schrägen Zimmern (no kidding, mein Zimmer war stellenweise einfach schräg) und einer dürftigen Küche hab ich mich dort selten wohl gefühlt, und das bei einer Auslastung von gerade einmal 50%. Wer kann, sollte pendeln oder sich an sehr einfache Zimmer und dünne Wände einstellen.

Nun also das Fazit (hier rechne ich Corona wieder raus):
Wer sich ein entspanntes "Urlaubstertial" sucht mit mäßigem Arbeitsaufwand und bestenfalls aus der Gegend kommt, ist hier genau richtig.
So sehr gut wie vor zwei Jahren ist es meiner Meinung nach leider nicht mehr, aufgrund der angesprochenen Personalwechsel und ob die anstehende Fusion die Lage hier verbessert oder stabilere Strukturen schafft, wage ich für die nächsten paar Jahre zu bezweifeln.
Mit genug Eigenmotivation, schnellem Kontaktaufbau zur Pflege und Orierentierung an den guten Oberärzten kann es trotzdem ein gutes Tertial sein. Und einfach in die schöne bayerische Provinz abzutauchen, hat defitiv auch seine Vorzüge.

Bewerbung
Sehr netter Kontakt, wird alles automatisch von der Personalabteilung im Vorfeld organisiert.
Unterricht
Kein Unterricht
Inhalte
EKG
Patientenvorstellung
Fallbesprechung
Bildgebung
Tätigkeiten
Patienten aufnehmen
Eigene Patienten betreuen
Notaufnahme
Briefe schreiben
Untersuchungen anmelden
Röntgenbesprechung
Patienten untersuchen
EKGs
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
Vor 15:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Unterkunft gestellt
Kleidung gestellt
Mittagessen regelmässig möglich
Essen frei / billiger
Gehalt in EUR
450

Noten

Team/Station
3
Kontakt zur Pflege
1
Ansehen des PJlers
2
Klinik insgesamt
2
Unterricht
4
Betreuung
3
Freizeit
1
Station / Einrichtung
2
Gesamtnote
2

Durchschnitt 2.13