PJ-Tertial Chirurgie in Klinikum Bayreuth (9/2018 bis 12/2018)

Station(en)
12A, 12B, 34
Einsatzbereiche
OP, Station
Heimatuni
Erlangen
Kommentar
Vorab: in Bayreuth erwartet einen ein typisches Chirurgie-Tertial, bestehend aus Haken halten und Blut abnehmen!
Ich hatte zu Beginn meines Tertials überhaupt keine Lust auf Chirurgie, alles in allem ist es in Bayreuth jedoch echt auszuhalten. Den Großteil meines PJs habe ich in der Allgemeinchirurgie (Station 12A) verbracht. 2 Wochen lang war ich in der Unfallchirurgie (nicht zu empfehlen, s.u.) und 1 Woche in der Gefäßchirurgie. Die Abteilungen sind sehr unterschiedlich, deshalb bewerte ich sie getrennt.

Allgemeines:
- Wie stark die Arbeitsbelastung (bestehend aus Assistenz im OP und den zahlreichen Blutentnahmen) ist, hängt extrem stark von der Anzahl der PJler/Famulanten/Hospitanten ab! Zu Beginn meines Tertials waren wir teilweise zu 3. oder 4. auf Station, so dass man teilweise gar nicht im OP war und sich extrem gelangweilt hat. Zuletzt waren wir in der gesamten Chirurgie nur noch zu zweit, was teilweise etwas anstrengend war.
- Gehalt: 373 Euro pro vollem Monat
- kostenlose Kleidung
- kostenloses Essen (jtypisches Mensa-Essen)
- 1x in der Woche fächerübergreifende PJ-Fortbildung (Pflicht; man wird freigestellt; je nach Referenten mehr oder weniger gut)
- meist 1x in der Woche Radiologie-Fortbildung
- man kann sich völlig frei (in Absprache mit den anderen PJlern) auf den Stationen verteilen

Allgemeinchirurgie:
Pro:
+ TEAM: Insgesamt herrschen hier flache Hierarchien. Die Oberärzte sind bis auf eine Ausnahme alle super nett, locker drauf und lustig. Im OP wird man daher selten dumm angemacht. Eine Ausnahme hierbei stellt der Chefarzt dar, dessen Launen innerhalb einer OP abhängig von deren erfolgreichen Durchführung teilweise mehrmals von witzig-freundlich bis cholerisch-wütend wechseln. Dies darf man sich jedoch einfach nicht zu sehr zu Herzen nehmen, denn eigentlich ist der Chef außerhalb des OPs ganz nett. Die Assistenzärzte sind alle nett, jedoch meistens ziemlich im Stress und haben kein wirkliches Interesse einem Studenten etwas zu lehren. Wenn man jedoch mal vor lauter OPs nicht zum Blut abnehmen kommt, helfen alle zusammen, was ich als sehr positiv empfunden habe.
+ OP: wie oben bereits erwähnt ist die Stimmung im OP meistens gut. Das OP-Pflege-Team ist sehr jung und die meisten sind überaus freundlich und sorgen für ein angenehmes Klima - dafür ein dickes Plus! Das OP-Spektrum reicht von kleinen proktologischen Eingriffen bis hin zur Pankreaschirurgie. In der Regel hält man als 1. oder 2. Assistenz Haken, sieht relativ viel und darf ab und an mal zunähen oder klammern. Es gibt Tage, an denen man den kompletten Tag im OP eingeplant ist.

Kontra:
- auch wenn das Team nett ist, interessiert sich außerhalb vom OP wirklich KEINER für einen. Man kann also theoretisch außerhalb der OP-Zeit machen was man will, solange natürlich das Blut abgenommen ist ;)
- teilweise extrem viele Blutentnahmen (zwischen Minimum 10-30 pro Tag) und Nadeln (kann man definitiv nach dem Tertial)
- Krankenschwestern/-pfleger auf Station sprechen einen selbst nach mehreren Wochen nur mit "PJler" an (egal, wie freundlich man ist) und holen einen teilweise aus der Visite raus, weil Herr Müller gaaaanz dringend einen super wichtige BE/Zugang/sonst was braucht
- Visite ist wenig lehrreich (meist hat man eigentlich keinen Plan von den Patienten auf Station)

Unfallchirurgie:
Pro:
+ sehr nette Assistenzärzte (zumind. diejenigen, die auf meiner Station waren), allerdings auch hier keine Lehre
Kontra:
- Oberärzte interessieren sich wirklich NULL für einen (mit einer sehr netten Ausnahme)
- OP: teilweise wird man noch nicht mal für OPs eingeteilt, was ich nicht wirklich schlimm fand, weil ich ohnehin wenig Lust auf unfallchirurgische Operationen hatte; wenn man denn dann mal eingeteilt ist, hält man bspw. Haken bei einer Hüft-TEP in einer Art und Weise in der man wirklich NICHTS also ABSOLUT NICHTS vom OP-Gebiet sieht. OP-Pflege ist hier auch meiner Meinung nach weniger nett.
- es sind zwar insgesamt weniger Blutentnahmen als in der Allgemeinchirurgie, allerdings wird man täglich - trotz "Blutentnahmeschwester" auf der Station 14, die eigentlich alles andere macht außer Blut abnehmen - gebeten auf der anderen Station ebenfalls Blut abzunehmen; dies wird hier wirklich als selbstverständlich angesehen, auf ein Danke kann man also vergeblich warten

Gefäßchirurgie:
Pro:
+ Team ist hervorragend!!! Vom Assistenzarzt bis zum Chef sind alle super freundlich und erklären viel.
+ OP: Man darf sich jede OP anschauen, die man sehen will. Da in der Gefäßchirurgie so gut wie nie PJler sind, kommen sie im OP absolut ohne PJler aus. Folglich hält man nur ab und zu mal einen Haken, hat einen super Blick aufs OP-Gebiet, bekommt auf Nachfrage viel erklärt und darf am Ende auch noch zunähen. Hier durfte ich (obwohl ich insgesamt nur eine Woche dort war!) sogar zwei-/dreimal intrakutan nähen, was ich zuvor noch nie gemacht habe. Der Facharzt hat mich dies nach einer kurzen Anleitung in einer Engelsgeduld machen lassen.. außerdem durfte ich hier an meinem 3. Tag auch eine Zehe amputieren.
+ auf Station gibt es eine Blutentnahmeschwester, die alle Blutentnahmen erledigt
Kontra:
- teilweise fühlt man sich etwas Fehl am Platz, weil man eigentlich absolut keine Arbeitserleichterung darstellt sondern eher noch zusätzlichen Aufwand für das Team bedeutet.

Fazit:
Mir persönlich hat mein PJ hier gut gefallen, da es mir nichts ausmacht mehrere Stunden täglich Blut abzunehmen, die Stimmung im OP recht gut war und ich eine super liebe PJ-Leidensgenossin an meiner Seite hatte.
Unterricht
1x / Woche
Inhalte
Bildgebung
Sonst. Fortbildung
Tätigkeiten
Mitoperieren
Botengänge (Nichtärztl.)
Braunülen legen
Blut abnehmen
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
15:00 bis 16:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Essen frei / billiger
Kleidung gestellt
Mittagessen regelmässig möglich
Gehalt in EUR
373

Noten

Stimmung Station
2
Kontakt zur Pflege
3
PJler-Ansehen
2
Stimmung Klinik
2
Unterricht
1
Betreuung
3
Freizeit
2
Lehre auf Station
2
Insgesamt
2

Durchschnitt 2.07