PJ-Tertial Herz-/Gefäßchirurgie in Staedtisches Klinikum St. Georg (6/2015 bis 8/2015)

Station(en)
Gefäßchirurgie 1/I
Einsatzbereiche
Station, OP
Heimatuni
Leipzig
Kommentar
Insgesamt habe ich mein PJ-Tertial auf der Gefäßchirurgie sehr ähnlich erlebt wie der Bericht von 2012, der auf dieser Seite zu finden ist ( http://www.pj-ranking.de/review/read/12010/ )

Erstmal zum Ablauf:
Morgens kurz nach 7 Visite, welche für chirurgische Verhältnisse sehr gründlich ist. Sie dauert meist über eine Stunde, die Chefvisite (2x/Woche) auch mal über 2 Stunden. Hierbei muss man eventuell in einem Buch eine Art To-Do-Liste mitschreiben (z.B. dass bei Patient XY noch Konsil angemeldet werden muss).
Darauf folgt die Frühbesprechung, im Anschluss erfolgen Blutabnahmen/Flexülen (sind nicht viele) und eventuell ABI-Drücke messen.
Danach ist man mit seiner quasi Hauptaufgabe beschäftigt: Patienten aufnehmen.
Der PJler füllt den Anamnesebogen aus und macht die körperliche Untersuchung, natürlich meist mit starkem Fokus auf gefäßchirurgische Aspekte (Pulsstatus, ABI-Drücke messen).
Etwas nervig ist dabei, dass man dann Diagnosen und Befunde auch noch auf einem Extrazettel der Aufnahmen des Tages aufschreibt, dann ggf. auch auf einem Zettel für CT-A-Untersuchungen und nochmal in die Kurve, also bis 4x pro Patient. Jedenfalls ist man viel am Schreiben.
Für die OP-Aufklärung wird dann der auf Station anwesende Arzt geholt, mit dem man dann noch kurz das Procedere bespricht und Untersuchungen anmeldet.
Ab ca. 14:45-15.15 beginnt die Nachmittagsbesprechung, bei welcher der PJler kurz von den Patientenaufnahmen berichtet. Danach folgt noch eine Nachmittagsvisite, bei der die Aufnahmen und die operierten Patienten noch kurz angeschaut werden.
So geht man dann theoretisch ca. 15:30 nach Hause.
Manchmal dauern aber z.B. die OPs etwas länger und so fängt auch die Nachmittagsbesprechung erst später an. Andererseits kann man, wenn man das möchte, an Tagen, an denen keine Aufgaben mehr anfallen (sprich keine/wenige Patienten aufzunehmen waren, vor allem freitags) auch mal eher nach Hause gehen.
Die äußerst freundliche Gefäßassistentin steht einem bei allen Tätigkeiten zu Hilfe, so fühlt man sich auch in der Anfangszeit nicht überfordert / allein gelassen.

Auch die 5 Ärzte sind stets sehr freundlich und beantworten stets alle Fragen, obwohl sie ständig im Dauerstress sind. (Der Chefarzt hat zwar so seine Eigenarten, aber welcher hat das nicht ;))
Da man mit den Aufnahmen viel zu tun hat, ist es leider schwierig zu den vom Sankt Georg angebotenen Weiterbildungen zu gehen. Die Ärzte meinen zwar, dass man bloß bescheid sagen soll und stets gehen kann, allerdings tut man das doch nur ungern wenn man eigentlich noch Patienten aufzunehmen hat.
Auch zum Mittagessen ließ ich mir ungern viel Zeit.
Wenn man das wünscht kann man jedoch sicher deutlich mehr Zeit im OP verbringen als ich das getan habe.



Alles mal kurz zusammengefasst:

Pro:
- Enge Einbindung in kleines, freundliches ärztliches Team, viel Kontakt auch mit Oberärzten und Chefarzt
- Unterstützung durch Gefäßassistentin
- Durch die vielen Patientenaufnahmen- und Kontakte erhält man auch ohne spezielle Weiterbildungen ein sehr gutes Bild von den gefäßchirurgischen Krankheiten (vor allem pAVK, pAVK, Diabetisches Fußsyndrom, Carotisstenosen, Bauchaortaaneurysma, chronisch venöse Insuffizienz, und pAVK)
- Man lernt Wunden zu reinigen, Verbände zu wechseln, und gründlich Pulse zu tasten

Kontra:
- Wenig Zeit für Weiterbildungen
- Ärzte meist im Dauerstress, Station manchmal etwas chaotisch
- Viel Schreibarbeit

Leuten, die an der Gefäßchirurgie interessiert sind, kann ich die Station auf jeden Fall empfehlen, ich bin zuversichtlich, dass es dann auch möglich ist sich deutlich mehr im OP zu betätigen und zu lernen.
Für Nichtchirurgen ist der Nachteil wohl am ehesten einfach der, dass die gefäßchirurgischen Krankheitsbilder halt relativ begrenzt sind, und es mit großem Abstand eben um kaputte Füße, bedingt durch pAVK und Diabetes, geht.
Andererseits ist z.b. die pAVK eben auch ein häufiges Krankheitsbild und ich bin zuversichtlich, dass ich als Arzt die Krankheit nicht so leicht übersehen werde wie andere. (Ich hatte z.B. selbst im Herzzentrum bei den Kardiologen das Gefühl, das sich viele nicht mal für den Pulsstatus eines Patienten interessiert haben, trotz gleicher Pathogenese, Risikofaktoren etc. der KHK).

Insgesamt hat es mir jedenfalls gut gefallen.
Unterricht
Kein Unterricht
Inhalte
Patientenvorstellung
Tätigkeiten
Blut abnehmen
Patienten aufnehmen
Untersuchungen anmelden
Mitoperieren
Braunülen legen
Patienten untersuchen
Dienstbeginn
Vor 7:00 Uhr
Dienstende
15:00 bis 16:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Gehalt in EUR
200

Noten

Stimmung Station
2
Kontakt zur Pflege
3
PJler-Ansehen
1
Stimmung Klinik
2
Unterricht
3
Betreuung
2
Freizeit
3
Lehre auf Station
2
Insgesamt
2

Durchschnitt 2.13