Pro:
• Team:
o Unfassbar nettes Team, sowohl Assistenzärzte als auch OAs und Chefarzt. Mir ist noch NIE an einer Klinik ein so netter Chefarzt begegnet, der Studierende auf Augenhöhe behandelt, Kritik annimmt und versucht dieses umzusetzen, Lehre selbst in die Hand nimmt und selbst am Patienten mit einem mitarbeitet.
o Kritik darf im Team jederzeit angesprochen werden, Feedback wird sich eingeholt und umgesetzt
o Flache Hierarchien
o Teambuilding wird umgesetzt und gestärkt z.B. durch tägliches gemeinsames Mittagessen oder aber Treffen außerhalb der Klinik, wo die PJler ebenfalls eingeladen wurden. Wir waren z.B. beim Weihnachtsessen eingeladen oder aber bei kleineren Meetings/Feiern in der Klinik
o Guter bis sehr guter Kontakt / Zusammenarbeit zur Pflege
• Lehre:
o 1x die Woche fester Chefarztunterricht, zstl. bei Visiten Fallvorstellungen und -besprechungen, Prüfungsthemen besprechen, eine feste Prüfungssimulation
o Ca. 1-2x im Monat OA Unterricht der Gastroenterologie und Anästhesie
o 1x die Woche Neurologie Fortbildung, Möglichkeit bei den beiden hausinternen Neurologen mitzumachen, statt nur in der Inneren
o Täglich Radiologie Besprechung mit Fallvorstellungen und Erklärungen der Befunde
o Möglichkeit im Verlauf Pat. eigenständig zu übernehmen auf Station bzw. komplett selbst aufzunehmen in der ZNA
• Tätigkeiten:
o Im Verlauf Pat. auf Station eigenständig (trotzdem immer in Kontrolle) behandeln, Visiten selbst machen.
o Im Verlauf in der ZNA Pat. komplett alleine aufnehmen (Übergabe wird dann an den Arzt/Ärztin gemacht und besprochen, was man alles gemacht hat und auf welche Station man den Pat. aufnehmen will)
o Eigenständig ZVKs und Arterien legen
o Eigenständige Sonos und Befunde dazu schreiben
o Eigenständig kompletten Arztbrief schreiben (muss man aber nicht machen wenn man nicht will)
o Eigenständig Braunülen legen und Blut abnehmen, ABER in Maßen
• Aufwandsentschädigung:
o 370€ + Dienste + Frühstück und Mittagessen
o Neu renovierte Wohnung wird kostenlos ohne Probleme gegenüber der Klinik gestellt
o Kostenloser Parkplatz
• Zstl. Dienste: Möglichkeit Dienste zu machen für mehr Geld und mehr freie Tage.
o Dienst unter der Woche von 16:00 bis 24:00 = 50€ + ein freier Tag
o Dienst am Samstag / Sonntag von 08:00 bis 24:00 = 100€ + zwei freie Tage
• Freie Tage:
o Die gesammelten freie Tage wie auch die regulären Fehltage können jederzeit komplett frei genommen werden. Bei wichtigen Gründen wie Arzttermin oder familiärer Termin kann man ohne einen freien Tag zu nehmen immer früher gehen
o Kurzfristige Abwesenheiten aus nachvollziehbaren Gründen und Krankheit wirken sich nicht auf die gezählten Fehltage aus ;)
Contra:
• Vergleichsweise (gerade zum Chef der Inneren Medizin) schlechter geführte ZNA durch dortigen Chef, daher vermehrter Unmut in dem Bereich.
• „Nur“ ein Grundversorger, der nicht eine einzelne Abteilung für alle inneren Fächer hat.
• Aufwandsentschädigung von 370€ im Vergleich zu anderen Kliniken eher geringer.
• Es gibt leider keinen Blutentnahmedienst, man kommt also nicht ganz drum herum, auch wenn es sich in Maßen hält.
• Es gab leider kei PJ Telefon, was manchmal etwas nervig war. Zudem hatte man mit seinem IT-Zugang nur begrenzten Zugriff und keinen Zugriff auf die ZNA, was unverständlich war. Dies wurde im Feedbackgespräch allerdings auch weitergegeben.
Langfassung
In meinem 1. Tertial war ich in der Inneren in Frankenberg, da mir zu Ohren kam, dass seit dem Chefarztwechsel vor ca. zwei Jahren, es sich wohl lohnen soll dort hinzugehen. Also gab ich dem ganzen ohne große Erwartungen eine Chance und was soll ich sagen – ich kann es jedem nur wärmsten empfehlen dort hinzugehen, egal ob man Innere mag oder nicht.
Der Chefarzt hat sich gute Lehre auf die Fahne geschrieben und gibt nicht nur selbst einmal die Woche Unterricht, sondern fragt einen auch bei jeder Visite, die man macht, was man von dem Fall hält, was man selbst machen würde, bespricht Befunde und simuliert eigentlich mit ihm bei jeder Visite oder Patientenübergabe eine kleine mündliche Prüfung. Dabei ist es nicht schlimm, wenn man die Fragen nicht beantworten kann, er ist nicht nachtragend und schreit einen, wie vielleicht andere Fachärzte einen an oder ist genervt von einem. Ihm ist es selbst wichtig, dass man etwas mitnimmt, selbst wenn man nicht Internist werden will, da er auch einmal später von guten Ärzten behandelt werden will, was er mehrfach betont hat. Neben diesem eigentlich täglichen Unterricht durch ihn, gibt es zusätzlich etwa 1-2 x pro Monat Unterricht die Oas der Gastroenterologie und bei uns zstl. durch die Anästhesie dort. Man hat auch die Möglichkeit an dem wöchentlichen Chirurgieunterricht teilzunehmen.
Der Tag beginnt jeden Morgen mit der Nachtübergabe, wo bereits auch immer schon Radiologiebilder besprochen werden. Jeden Tag findet dann bei der Mittagsbesprechung die Radiologiebesprechung statt, d.h. im Verlauf bekommt man dutzenden Röntgenbilder, CTs, MRTs gezeigt und erklärt und man hat eine merkliche Lernkurve.
Während seines Tertials rotiert man in Absprache mit den anderen PJlern durch jeden Bereich (Station, Diagnostik, ZNA, Intensiv, Neurologie auf Wunsch). Die reguläre Arbeitszeit ist von 08:00 bis 16:12 Uhr.
Station:
Nach der Frühbesprechung um 08:00 Uhr beginnt man auf Station mit den Blutentnahmen, man kommt da nicht drum herum, aber es ist wirklich alles in Maßen, da die Assistenzärzte auch immer mit einem Blut abnehmen, man macht nie alles alleine. Wenn es mal nicht schafft, ist das auch kein Problem. Man begleitet die Assis zunächst auf Vistie, im Verlauf konnte ich Vistien selbst machen und auch durchgehen, was man mit dem Pat. an Diagnostik und Therapie selbst machen würde und meldet dies dann alleine an. Arztbriefe kann man im Verlauf komplett alleine schreiben, dies ist aber kein Muss, wenn man es absolut nicht mah. Ich persönlich fand dies jedoch eine sehr gute Übung. Zusätzlich ist 1x die Woche Chefarztvisite auf Station, wo man dann enstprechend die Pat. mit dem Chef durchspricht, auch als PJler.
Intensiv:
Nach der Frühbesprechung geht man auf der Intensiv erstmal Labor und Radiologiebefunde durch bevor dann die tägliche Chefarztvisite beginnt. Jeder Fall wird durchgesprochen, man lernt im Verlauf auch Basics zu Beatmungseinstellungen. Man legt hier zunächst unter Anleitung und dann eigenständig ZVKs und Arterien und macht selber Ultraschall.
Endoskopie / Sono:
Hier kann man bei den Gastros und Kolos jederzeit zusehen. Sonographien werden entweder selbst gemacht und der OA schaut dabei zu oder man schallt nach. Zusätzlich konnte ich hier mehrfach Pleura- und Aszitespunktionen selbst machen, sowie suprapubische DK-Wechsel. Gerade bei den Sonos hat man hier eine sehr hohe Lernkurve.
Neurologie:
Man hat freiwillig die Möglichkeit zu den hausinternen Neurologen zu gehen. Man geht dann mit auf Visite oder in die Sprechstunde und Diagnostik, was eine sehr gute Wiederholung ist, auch wenn man Neurologie vielleicht nicht mag.
ZNA:
Hier nimmt man im Verlauf Pat. vollständig alleine auf (Braunüle, KU, Diagnostik anmelden und Befunden, Aufnahme planen) und übergibt dies am Ende nur noch dem Arzt. Als Besonderheit nehmen die Internisten hier auch selbst die neurologischen Pat. auf und übergeben diese dann nur an die Neurologen.
Ich kann abschließend nur sagen, dass man im Kreiskrankenhaus Frankenberg wertgeschätzt wird und etwas lernt, egal man in einen inneren Bereich gehen will oder nicht. Ich könnte mir hier jederzeit vorstellen als Arzt/Ärztin zu arbeiten.