PJ-Tertial Neurochirurgie in Klinikum Klagenfurt am Wörthersee (9/2025 bis 11/2025)

Station(en)
H
Einsatzbereiche
OP, Station
Heimatuni
Wien (Oesterreich)
Kommentar
Zusammenfassend: Es war ein großartig kompetentes Team und das Tertial als KPJler ist sehr lehrreich, wenn auch fordernd.
Die häufigsten Krankheitsbilder bzw. Operationen sind mikrochirurgische Wirbelsäulenoperationen zur Dekompression bei Spinalkanalstenose, interlaminäre Fensterung und Sequestrektomie bei Bandscheibenvorfall.
Weiters wird ein großes Spektrum an neurochirurgischen Krankheitsbildern operiert: Kraniotomien bei Tumoren des Gehirns oder der Meningen, Resektion von Hypophysentumoren durch sphenoidalen Zugang, Clipping von zerebralen Aneurysmen sowie Zusammenarbeit bei Coiling durch die Interventionelle Radiologie in Embolisationsbereitschaft, Ventrikulo-peritoneale Shuntanlage bei Normaldruckhydrozephalus sowie vorhergehende Austestung mittels Lumbalpunktion und Ablassversuch, Dekompression von intrakraniellen Blutungen, Stabilisierung bei Spondylolisthese von dorsal oder von ventral, Diskektomien und Cage-Implantation, Austestung und Implantation von Schmerzpumpen und Spinal-Cord-Stimulator-Sonden, etc.
Einen Schwerpunkt an der Abteilung gibt es zum Gebiet der peripheren Nerven und Plexus-Chirurgie, da es das wissenschaftliche Steckenpferd von Prim. Prof. Kretschmer ist. Somit finden verhältnismäßig oft Dekompressionen z.B. bei Sulcus ulnaris Syndrom, Peroneus Läsion, CTS oder Rekonstruktionen mittels Suralis-Interponat statt.
Einige Operationen finden unter Monitoring der Nervenfunktion statt. Dies bedeutet, dass der periphere Nerv bzw. bei Gehirntumor-Operationen der Cortex elektrisch stimuliert wird. Bei letzterem soll hiermit intraoperativ entschieden werden können, welche Bereiche reseziert und welche erhalten werden, wobei auch trotz Monitoring ein SMA-Syndrom auftreten kann.
Operationen bei Hirntumoren oder Spondylolisthese finden mit CT-gezielter Navigation statt, sodass während der Operation auf einem Bildschirm die Lokalisation und das Vorgehen exakt bestimmt werden kann.
Selten werden auch Operationen an Kindern (z.B. Shunt-Implantationen, Rückenmarksmalformationen) durchgeführt. Obwohl Erfahrung und Expertise an der Abteilung bestehen, finden die meisten Operationen an Kindern nur noch in Graz oder Wien statt.
Die Abteilung betreut auch eine eigene, neurochirurgische Intensivstation mit. Dort werden kritische und vigilanzgeminderte Patienten behandelt, kurzfristig postoperativ zur Überwachung oder über längere Zeit z.B. bei schweren SABs, SHTs oder Meningitiden.
NCh OPs, die nicht an dieser Abteilung stattfinden, sind tiefe Hirnstimulation bei Parkinson oder Epilepsie.

Man kommt in Kontakt mit mehreren komplett oder imkomplett querschnittsgelähmten Patienten und hat die Aufgabe, zur Verlaufsbeurteilung, die sehr ausführliche Austestung von Motorik und Sensibilität der einzelnen Dermatome mittels ASIA Score durchzuführen. Eindrucksvoll ist die unterschiedliche Resilienz bzw. empfundene Belastung durch die teils akute und je nach Ursache reversible bzw. irreversible Behinderung. Logischerweise belastender, wenn die Ursache eine maligne Raumforderung oder die Durchtrennung komplett und daher irreversibel ist.
Generell wird es trotzdem spannend, wie sich die therapeutischen Möglichkeiten hierfür innerhalb des Fachgebietes in den nächsten Jahrzehnten weiterentwickeln werden (FES-Radfahren, Exoskelette, Brain-Machine-Interfaces).

Ein üblicher Tagesablauf startet mit der Morgenbesprechung um 7 Uhr. Hier erfolgt die Vorstellung der Patienten aus dem Nachtdienst. Darauf folgt meist eine Chefvisite auf der Intensivstation.
An den meisten Tagen ist man als KPJ-Student an der Station eingeteilt und übernimmt die geplanten Aufnahmen von Patienten, die meist einen Tag präoperativ erscheinen.
Hierfür liest man sich die Ambulanzprotokolle bzw. Vorbefunde durch um die OP-Indikation nachzuvollziehen, führt dann Anamnese und Neurostatus mit den Patienten durch und verfasst schlussendlich einen Aufnahmedekurs, der auch Teil des Entlassungsbriefes sein wird.
Das Erste, das man erfragt ist immer ob die Medikamente wie vorgeschrieben rechtzeitig präoperativ pausiert wurden und das Wichtigste ist, ob die Beschwerden zur OP-Indikation sowie zum Bild passen und ob es Veränderungen der Symptome gab. Es kam vor, dass Patienten die Medikamente nicht abgesetzt haben oder dass die Indikation präoperativ nochmals hinterfragt bzw. die Höhe/ Seite geändert wurde. Weiters hat man als KPJler auch einen Zugang um Medikamente anzuordnen.
Für den Aufnahmestatus gibt es zwar einen Papier-Bogen, aber sonst findet im Klinikum sämtliche Dokumentation elektronisch statt, inkl. Fieberkurven.
An aufnahmestarken Tagen (Mo, Di, Mi) ist hiermit viel zu tun und dann ist „Kampftag“.
Mit niemandem würde man aber lieber kämpfen als mit Oberärztin Dr. Aspernig, die penibel genau und multitaskingfähig alles im Blick behält. Genauigkeit geht über Geschwindigkeit. Mit der Zeit wird man schneller, routinierter und weiß, welche Fragen bzw. Untersuchungen notwendig sind.
Ich würde empfehlen, wenn die Möglichkeit besteht, dass man sich an der Abteilung zu zweit bewirbt – dann kann man sich die Arbeit besser aufteilen. Da ich der einzige KPJler war, habe ich selten auch Überstunden gemacht um die bis zu 7 Aufnahmen fertig zu machen, konnte diese Zeit aber in gleichem Maße als Ausgleich nehmen. Die reguläre Arbeitszeit war meist bis 14:30/15 Uhr.
Wem im KPJ das Bedürfnis nach möglichst kurzer Arbeitszeit für ein ausführliches Freizeitprogramm wichtiger ist, würde ich eher die Ortho, Unfall, HTGC oder Anästhesie im Klinikum Klagenfurt empfehlen.
Das Mittagessen im Speisesaal bekommt man vergünstigt. Man muss sich dafür aber bewusst Zeit nehmen, da es auf der Station immer noch etwas zu tun gäbe.


Generell war man gut eingebunden ins gesamte Team, und wenn ich Fragen hatte, auch während der OP, wurden mir diese meist ausführlich beantwortet, sodass ein Teaching immanent stattgefunden hat.
In der Morgenbesprechung werden die Bildgebungen der Patienten präsentiert und bei komplexen Fällen findet eine Diskussion im Team statt und Primarius Kretschmer stellt Fragen in den Raum an die jungen Kollegen wie sie vorgehen würden oder fragt nach der Expertise von Oberärzten.

Darüber hinaus gibt es abteilungsinterne Fortbildungen freitags, aber unregelmäßig (ca. 1/Monat während meines KPJs) und abteilungsübergreifende Turnus-Fortbildungen fürs gesamte Klinikum jeden Mittwoch.
Für die Dokumentation der Aufnahmedekurse sowie den Neurostatus erhält man auch regelmäßig konstruktives Feedback, bei Fragen ist fast immer eine der Stationsärztinnen nebenbei und es gibt einen ausbildungsverantwortlichen Oberarzt als Ansprechpartner.
Wenn im OP-Plan als Assistenz „Gastarzt“ eingetragen ist, bedeutet das, dass man sich einwaschen und im OP am Tisch stehen kann, wobei man die OP durchs Mikroskop mitverfolgen und kleine Handgriffe (Spülen) oder beim Nähen assistieren darf. Ich war circa 1-2x pro Woche im OP eingeteilt.
Es wurde darauf geachtet, dass ich im Laufe meines Tertials bei den verschiedensten OPs eingeteilt wurde, um so das breite Spektrum kennenzulernen, ebenso war ich einige Male auf der Intensivstation eingeteilt oder konnte bei Visite oder auf der Ambulanz mitgehen.
Es besteht auch die Möglichkeit Dienste mitzumachen und im Haus zu übernachten.
Unterricht
1x / Woche
Inhalte
Sonst. Fortbildung
Bildgebung
Patientenvorstellung
Tätigkeiten
Rehas anmelden
Briefe schreiben
Patienten aufnehmen
Patienten untersuchen
Mitoperieren
Dienstbeginn
Vor 7:00 Uhr
Dienstende
15:00 bis 16:00 Uhr
Studientage
Gesammelt am Ende
Tätigkeiten
Mittagessen regelmässig möglich
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Kleidung gestellt
Essen frei / billiger

Noten

Team/Station
1
Kontakt zur Pflege
2
Ansehen des PJlers
1
Klinik insgesamt
1
Unterricht
3
Betreuung
1
Freizeit
3
Station / Einrichtung
1
Gesamtnote
2

Durchschnitt 1.67