PJ-Tertial Anästhesiologie in Marienhospital (3/2025 bis 7/2025)
Station(en)
OP, Intensivstation, Palliativ/Schmerzstation
Einsatzbereiche
OP, Station
Heimatuni
Bochum
Kommentar
Kein schlechtes Tertial, aber retrospektiv hätte ich das Anästhesiologie-Tertial lieber an einem anderen Haus machen sollen. Von Kommilitonen aus anderen Häusern habe ich mitbekommen, dass sie mehr oder weniger als Fast-Assistenzärzte behandelt wurden und dementsprechend am Ende sogar (supervidiert) eigene Säle übernommen haben. In Herne ist das nicht so vorgesehen - man darf natürlich intubieren, TAP-Blockaden stechen, die Beatmung selber einstellen und auch mal einen ZVK legen, aber meist läuft man dann doch eher mit, schaut zu oder übernimmt Aufgaben der Anästhesie-Pflege. Wer später Anästhesie machen möchte und sich vom PJ erhofft, bestmöglich darauf vorbereitet zu werden, dem würde ich eher ein anderes Haus empfehlen.
Das Tertial gliedert sich in drei Abschnitte: Zentral-OP, Intensiv, Palli/Schmerzstation. Was die Lernkurve angeht, fand ich die Intensivstation am besten, da man dort einigermaßen selbstständig arbeiten darf (je nachdem, welche Ärzte-Konstellation gerade dort ist). Auf der Palli übernimmt man eher die PJ-typischen Aufgaben: Blutentnahmen, Aufnahmen, Briefe schreiben. Angenehm fand ich hier, dass man einigermaßen ins Team integriert wird und auch gewünscht wird, dass man eigene Einschätzungen äußert (auch hier kommt es aber auf die Ärzte-Konstellation an). Ob man im OP etwas lernt, hängt sehr davon ab, mit welchem Arzt man mitläuft - hier lernt man recht schnell, wer einem etwas beibringen möchte, und wer eher genervt von einem ist. Ich würde euch raten, bei der Frühbesprechung zuzuhören, wenn die Saalverteilung verkündet wird, und euch danach dann einen Saal für den Tag auszusuchen. Man kann auch "Saal-Hopping" betreiben - das war meine Strategie, allerdings war ich dadurch eher "überall und nirgends" und habe auch nicht nennenswert mehr Einleitungen mitgestalten dürfen. Im Nachhinein würde ich mich eher fest an einen Arzt/eine Ärztin heften, damit diese/r meine Lernkurve aktiv mitbekommt und mich nach und nach mehr machen lässt.
Das Team ist größtenteils nett, ein paar Ausfälle gibt es natürlich immer. Ich fand nur leider, dass die vordergründig gute Stimmung im Team oft auch ein bisschen Fassade ist - im Hintergund bekommt man dann doch nicht selten giftige Lästereien über Kollegen mit, mit denen in ihrer Anwesenheit gerade noch gelacht und gescherzt wurde. Ich empfand das als unangenehm, da man in so einer Umgebung ja mehr oder weniger sicher sein kann, dass hinter dem eigenen Rücken ebenfalls schlecht gesprochen wird.
Dadurch, dass die Ärzte ständig zwischen OP, Intensiv und Palli/Schmerz rotieren, hat man selten an mehreren Tagen hintereinander das selbe Team um sich. Das hat zur Folge, dass man auf der Intensiv und der Palli dann plötzlich derjenige ist, der die Patienten am besten kennt, und dementsprechend geschätzt wird. Für die Patientenversorgung fand ich das eher suboptimal, da durch den ständigen Wechsel auch mal wichtige Infos untergehen, z.B. darüber, wie lange ein ZVK schon liegt.
Die Frühbesprechung ist um 7:15, donnerstags findet immer eine Frühfortbildung um 6:30 statt, bei der auch die Anwesenheit der PJler gewünscht ist. Für alle PJler finden jede Woche Mittwoch nachmittags Seminare statt (Teilnahmepflicht für PJler!), deren Qualität stark vom jeweiligen Dozenten abhängt - es kommt auch nicht selten vor, dass die Seminare kurzfristig ausfallen. Generell fand ich die Lehrveranstaltungen im Vergleich zu anderen Kliniken enttäuschend; fürs M3 oder auch für die spätere Tätigkeit als Arzt/Ärztin hatten die wenigsten Seminare irgendeinen Mehrwert.
Studientage gibt es nicht, es ist aber kein Problem, wenn man z.B. mal wegen eines Termins früher gehen muss. Jeder PJler hat einen eigenen Spind in einem Nachbargebäude - manchmal etwas kalt, wenn man im Winter dann zum Haupthaus rüberlaufen muss (;-)), aber praktisch allemal. Achtung, wenn ihr im OP seid: lasst in der dortigen (viel zu kleinen) Umkleide keine Wertsachen liegen, wenn ihr sie nochmal wiedersehen wollt - auch nicht in der Jackentasche. Auch neue Sneaker o.ä. würde ich dort nicht stehen lassen.
Es werden sechs Dienste gefordert - vier unter der Woche, zwei am Wochenende. Wie an den meisten Häusern muss man aber nicht über Nacht bleiben.
Die Vergütung von 400€ finde ich sehr mickrig im Vergleich zu anderen Häusern, zumal man weder Mittagessen noch einen Parkplatz bekommt (beides ist z.B. im Knappschaftskrankenhaus der Fall).
Positiv ist, dass man von Anfang an einen Zugang zum Doku-System erhält, sodass man nicht darauf angewiesen ist, dass ein Assistenzarzt einem seinen Zugang überlässt. Insbesondere auf der Intensiv, wo man viel selbst dokumentieren darf, ist das wirklich Gold wert.
Alles in allem war das Tertial in Ordnung, aber das schwächste Tertial meines PJs. Wenn man eigentlich etwas anderes machen möchte und nur ein Anästhesie-Tertial macht, um mal einen Intubationsspatel in der Hand gehabt zu haben, kann ich Herne eigentlich schon empfehlen. Allen, die wirklich Anästhesiologie machen wollen, würde ich eher eine der Bochumer Unikliniken ans Herz legen.