Ich habe eine Hälfte des Tertials, Innere, am KSW gemacht, also 8 Wochen.
Ich hatte den Platz relativ spontan bekommen, ca. 6 Wochen im Voraus. Hatte einfach eine Email an die CA-Sekretärin geschrieben und den Platz bekommen. In der Regel bewirbt man sich aber 1-2 Jahre vorher (ebenfalls per Mail an das CA-Sekretariat der Inneren).
Pro:
1. wirklich sehr nettes Team in der Inneren. Sowohl die OAs als auch AAs waren alle sehr nett und haben einen von Anfang in das Team integriert. Man ist am KSW bzw in der Schweiz als UHU, Unterassistent, angestellt. Das Ansehen ist hier schon relativ hoch, im Gegensatz zu Deutschland. Man ist ,,Arzt in Ausbildung“, darf dadurch wirklich viel machen. Eigene Patienten betreuten, Untersuchungen anmelden und wenn man sich sicher fühlt, auch viele ärztliche Tätigkeiten übernehmen. Es herrscht eine Du-Kultur. Vom CA bis zum Sekretariat werden alle geduzt und mit Vornamen abgesprochen. Das hat mir echt gut gefallen.
2. Man rotiert auf verschiedene Stationen, ich war 4 Wochen auf der Inneren S1 und die restlichen 4 Wochen (davon 1 Woche Urlaub) auf der ZNA, Notfall. Der Notfall ist spannend, man geht hier als UHU aber unter. Die AAs sind auch dort alle wirklich nett. Jedoch sind die alle mit sich selbst beschäftigt sodass man sich die Arbeit hier aktiv suchen muss. Ansonsten gammelt man
In der Regel am Rechner herum und liest Amboss Artikel, im Zweifel fällt das nicht mal auf wenn man fehlt.
3. Es gibt mehrfach wöchentlich Fortbildungen, speziell für UHUs und auch für AAs. An allen Fortbildungen ist man gerne gesehen und man lernt hier, im Gegensatz zu Deutschland, wirklich viele Dinge. Klar, das eine oder andere kennt man, auffrischen schadet aber nie.
4. Winterthur ist schön. Man ist schnell in Zürich und in den Schweizer Alpen. Die Natur ist atemberaubend.
Cons:
1. Größter negativer Punkt war definitiv die Unterkunft. Man bekommt ein Zimmer im Personalwohnheim, liegt direkt neben dem KSW. Die Ausstattung ist katastrophal, altes Bett und alte Möbel im Zimmer. Außerdem riechen die Zimmer echt unangenehm. Duschen (2x) , Toilette (2x) und Küche teilt man sich mit bis zu 9 Bewohnern auf einem Flur. Toiletten und Duschen werden gereinigt, was echt von Vorteil ist. Die angebliche Ausstattung in der Küche ist echt ein Witz, keine Teller oder wenn dann nur alte und schmutzige, gleiches gilt für Besteck und Becher, Pfannen etc. Ich musste tatsächlich erstmal in die Stadt und mir einen Kaffeebecher kaufen, Kaffeemaschine hatte ich zum Glück mitgebracht. Ansonsten ist nicht wirklich was in der Küche. Kühlschrank hat man auf seinem Zimmer.
Um 22:00 gilt abends Nachtruhe, auch am Wochenende. Total nervig wenn man am Freitag/Samstag Abend mit anderen UHUs was trinken oder spielen möchte. Der ein oder andere kommt dann genervt aus dem Zimmer und macht auf die Nachtruhe aufmerksam. Es gibt keinen Gruppenraum in dem man sich aufhalten kann. Die UHUs, viele deutsche, sind eher in kleineren Grüppchen. Dadurch ist man nicht so krass connected und man verbringt viel Zeit mit sich selber oder mit seinem engeren Kreis.
2. Parkplätze in Winterthur. Wenn ihr, wie ich und einige andere, mit dem Auto anreisen wollt, habt ihr echt Schwierigkeiten. Man darf im gesamten Raum Winterthur nur mit Parkberechtigung parken, diese kostet 60 Franken im Monat. Dafür stellt man über ParkingPay (App) einen Antrag für das Innere Lind (nennt sich so) schickt dieses Formular dann an den Personalverantwortlichen der Unterkunft vom KSW. Dieser füllt das aus und leitet das an die Stadt weiter und dann bekommt ihr eine Mail, dass ihr in dem Bereich parken dürft. Alles Mega umständlich und wenn man am Wochenende ankommt weiß man das natürlich alles nicht.
3. Die PJ Bescheinigung plus Äquivalenzbescheinigung bekommt ihr nachhause geschickt. Dafür müsst ihr erstmal 50 Franken an die Uni Zürich überweisen. Irgendwann soll man dass dann nach Deutschland geschickt bekommen, bleibt abzuwarten ob das alles so klappt.
4. Urlaub:
Unsere Urlaubstage bzw. Fehltage aus Deutschland zählen in der Schweiz nicht (10 für die ersten 2 Tertiale und 20 für das letzte). Ihr bekommt pro Monat 2 Urlaubstage, also in meinem Falle 4 Tage und bei vollen 16 Wochen 8 Tage. Diese könnt ihr am Ende nehmen. War schon ziemlich nervig.
Ich weiß nicht, ob ich das Tertial dort nochmal wiederholen würde. War eine Erfahrung wert, habe Freunde kennengelernt, bin aber auch irgendwie maximal enttäuscht.