Meine Zeit in der Berit Klinik in Speicher war rundum eine äußerst bereichernde und positive Erfahrung, die ich jedem nur wärmstens empfehlen kann. Es war mein erster Einblick in das Schweizer Gesundheitssystem – und er hätte nicht besser sein können.
Den Großteil meiner Zeit habe ich im OP verbracht. Dort merkt man schnell: Wer vorbereitet ist, Interesse zeigt und sich aktiv einbringt, darf Schritt für Schritt mehr Verantwortung übernehmen und auch selbst Tätigkeiten ausführen. So konnte ich in kurzer Zeit unglaublich viel lernen. Ergänzend dazu hatte ich auch die Möglichkeit, ein paar Mal in der Sportklinik bei Sprechstunden sowie im Silberturm in St. Gallen bei Dr. Med. Jacobi von der Orthopädie Rosenberg Einblicke zu gewinnen.
Die operierenden Ärzte in der Berit Klinik sind überwiegend Belegärzte – vor allem von der Orthopädie Rosenberg – und absolute Spezialisten auf ihrem Gebiet. Von außen wirkt die Klinik klein und überschaubar, doch dahinter verbergen sich sechs Operationssäle, in denen nahezu ausschließlich orthopädische Eingriffe stattfinden. Das Spektrum ist sehr groß: Von Hand- und Fußchirurgie über Knie-, Hüft- und Schulteroperationen bis hin zur Wirbelsäulenchirurgie ist alles vertreten – und das auf einem durchgehend sehr hohen fachlichen Niveau. Für alle, die sich für orthopädische Chirurgie begeistern, ist dies zweifellos der ideale Ort, um praktische Erfahrungen zu sammeln und einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Teilbereiche zu erhalten.
Als PJ-Student – oder wie man hier sagt: UHU – profitiert man zudem von einer sehr strukturierten Ausbildung. Unter der Woche beginnt der Tag um 6:50 Uhr mit dem Morgenrapport, an Wochenenden hat man frei. Es gibt ein zweijähriges Curriculum, das im Rahmen der Rapporte und der wöchentlichen Abendweiterbildung systematisch durchgearbeitet wird. In meiner Zeit lag der Fokus auf dem Knie sowie auf OSG, USG und Fuß. Der Morgenrapport selbst dauert etwa eine halbe Stunde und ist abwechslungsreich gestaltet – mal gibt es Fallvorstellungen, mal Vorträge, Quizfragen oder Lernvideos. Die längeren Fortbildungen am Mittwoch vertiefen die Wochenthemen, manchmal auch mit praktischen Einheiten wie etwa einem Nähkurs, der kurz vor meinem Aufenthalt angeboten wurde.
Da ich im Sommer dort war, war die Arbeitsbelastung eher entspannt – wie mir berichtet wurde, sieht das im Winter deutlich anders aus. An manchen Tagen war das OP-Programm schon gegen 16 Uhr beendet, an anderen zog es sich bis 19 Uhr.
Was die Berit Klinik besonders macht, ist das familiäre Klima. Man begegnet sich auf Augenhöhe, ist mit nahezu allen – sogar den meisten Ärzten – per Du, was für mich anfangs sehr ungewohnt war. Die Atmosphäre ist kollegial, wertschätzend und gleichzeitig professionell. Die Ärzte sind durchweg kompetent und hervorragende Operateure. Manche nehmen sich mehr Zeit zum Erklären, andere etwas weniger – insgesamt habe ich aber viel gelernt und wertvolle Einblicke gewonnen. Besonders hervorheben möchte ich Dr. med. Felsch und PD Dr. med. Lattig, die sich mit großem Engagement um die Weiterbildung kümmern und jederzeit ansprechbar sind.
Auch abseits der Klinik war die Zeit sehr schön. Untergebracht war ich in einer WG mit drei weiteren UHUs, mit denen ich eine tolle Gemeinschaft hatte. Gemeinsam haben wir die Umgebung erkundet, waren Baden, Wandern oder haben kleine Ausflüge unternommen. Nicht unerwähnt bleiben darf außerdem das Mittagessen, das man bestellen kann: Es ist wirklich außergewöhnlich gut – eher Restaurantqualität als klassisches Klinikessen.
Alles in allem blicke ich auf eine sehr lehrreiche, abwechslungsreiche und angenehme Zeit zurück. Wer sich für orthopädische Chirurgie interessiert, ist in der Berit Klinik genau richtig. Eine gute Vorbereitung – insbesondere das Wiederholen der Anatomie – sowie aktives Interesse lohnen sich sehr und eröffnen einem zusätzliche Möglichkeiten.
Ein herzliches Dankeschön an das gesamte Team der Berit Klinik für die schöne, lehrreiche und unvergessliche Zeit!
Bewerbung
Was die Bewerbung betrifft, hatte ich persönlich großes Glück: Ich habe meine Stelle nach einem Bewerbungsgespräch im Mai erhalten, da sich die Berit Klinik kurzfristig entschlossen hatte, mehr UHUs aufzunehmen. Normalerweise sind die Plätze jedoch sehr gefragt – mir wurde erzählt, dass sie teilweise bereits bis Ende 2027 ausgebucht sein sollen. Daher gilt, wie in der gesamten Schweiz: Je früher man sich bewirbt, desto besser.