-Organisation. Das meiste hat organisatorisch gut geklappt. Die Sekretärinnen wussten Bescheid, dass man kommt, man hat am ersten Tag eigene Stimmgabeln bekommen, Kasacks wurden für einen gestellt, es gab ein PJ-Telefon und man bekam einen eigenen Spind, sowie einen Schlüssel für den OP Bereich. Es gab einen Rotationsplan, sodass man Poliklinik, Hörzentrum und die beiden Stationen kennenlernen konnte. Für den OP wurde man nach Bedarf angerufen.
-Verantwortung ohne Überforderung. Wenn man will kann man in der Poliklinik quasi ab Tag 1 selbstständig Patienten untersuchen und Anamnese erheben. Dabei wurde von den Ärzten aber immer betont, dass man sich bei Fragen/Schwierigkeiten jederzeit an sie wenden kann. Auch die meisten Fachärzte/Oberärzte waren bei Patientenvorstellungen geduldig und hatten Verständnis dafür wenn gerade am Anfang Vorstellungen noch nicht perfekt geklappt haben oder man etwas vergessen hatte. Durch das eigenständige Arbeiten hat man sehr schnell Sicherheit und Routine gewonnen und konnte fachlich und praktisch sehr viel mitnehmen.
- Wenn man im OP eingeteilt war dann auch immer als erste Assistenz. Wie viel erklärt wurde war auch immer ein wenig vom jeweiligen Operateur abhängig, aber die meisten haben sich schon die Zeit genommen zu erklären was sie da eigentlich tun und einem die anatomischen Strukturen im Situs gezeigt. Natürlich wurde auch von einem selbst erwartet Fragen beantworten zu können, wenn man im OP Plan für den nächsten Tag schon sieht, dass man für einen Eingriff eingeplant ist lohnt es sich die entsprechende Anatomie nochmal zu wiederholen.
Hier wurde mir außerdem von 0 auf Nähen beigebracht. Solange es nicht gerade super stressig zugeht/das Ergebnis ultra ästhetisch ansprechend sein muss darf man wenn man als PJler eingeteilt war eigentlich auch immer zunähen. Ich persönlich fand das sehr angenehm, ich hatte davor gar keinen Bezug zum chirurgischen Nähen und habe wirklich Routine darin gewinnen können. Am Anfang bleibt der Operateur natürlich auch noch dabei und schaut drüber ob alles klappt.
- Manche von den OPs sind einfach wirklich sehr spannend. Klar, man sieht auch viel 0815 Zeug, aber es wird viel mit der (im selben Haus gelegenen) Augenklinik kooperiert, sodass man auch OPs sieht, die über die reine HNO teilweise auch hinausgehen.
- Die Stimmung im Team war wirklich super. Man bekommt als PJler natürlich auch nicht alles mit, aber die Ärzte schienen alle gut miteinander klarzukommen, Probleme/konstruktive Kritik wurden offen angesprochen. Über alle Hierarchieebenen waren die Ärzte uns PJlern gegenüber auch wirklich nett und immer für uns ansprechbar, insbesondere die Assistenten. PJler wurden hier nicht als Selbstverständlichkeit angesehen, man hatte das Gefühl wirklich Teil des Teams zu sein.
Contra:
-Fehlender PJ Unterricht. Fällt wohl aus Personalmangel aus. Das fand ich persönlich sehr schade, es gab immer wieder doch Krankheitsbilder, die ich gerne in Ruhe nochmal durchgesprochen hätte oder Untersuchungstechniken, die ich gerne nochmal vertieft geübt hätte.
- Lange Arbeitstage. Der Tag beginnt morgens um 7:45 mit der Frühbesprechung und endet von Mo-Do am späten Nachmittag um 17:15, Freitags um 13:45. De facto ist man dann aber doch immer wieder länger geblieben, gerade während des Poliklinik Rotation. Die Tage sind sowieso schon lang, täglich 15-20 Minuten extra läppern sich da schon.
-Die Pflege war zwar insgesamt nett, hat einen aber schon ein bisschen als pVK-Knecht angesehen. Das ist wahrscheinlich überall so und im PJ auch weitestgehend normal, aber manche der Pflegekräfte hatten wirklich einen Umgangston drauf auf den auch ein Drillsergeant stolz gewesen wäre. Das war teilweise vielleicht auch einfach der manchmal bestehenden Sprachbarriere geschuldet, aber oft hat man wenn man fürs Nadel legen angerufen wurde weder ein Bitte noch ein Danke zu hören bekommen.
-Organisation. Vieles war gut, manches leider auch schlecht. Die Chefsekretärinnen sind teilweise echt verpeilt und haben uns teilweise Dinge gesagt, die einfach nicht stimmten, z.B. dass man keinen halben Studientag pro Woche hätte. Den hat man allerdings sehr wohl. Im Zweifel sollte man sich lieber nochmal an den Lehrbeauftragten wenden wenn man sich unsicher ist.
Fazit:
Wenn man sich für die HNO-Heilkunde interessiert und sich vorstellen kann später in dem Fachbereich anzufangen würde ich das Tertial hier auf jeden Fall empfehlen. Man kann wirklich unglaublich viel Sehen und Lernen und durch das eigenständige Arbeiten eine Menge Fähigkeiten für den Start als Assistenzarzt mitnehmen. Wenn man sehr viel Wert auf Freizeit legt/parallel arbeiten muss/seine Doktorarbeit unbedingt noch in diesem Tertial zu Ende schreiben will wird es aber schwierig, da man schon echt viel Zeit in der Klinik verbringt.