PJ-Tertial Neurologie in Kurpfalzkrankenhaus Wieblingen (3/2024 bis 5/2024)

Station(en)
1 (Frühreha Phase B), 2 (Parkinsonkomplextherapie), 4 (Intensivstation)
Einsatzbereiche
Station
Heimatuni
Nicht angegeben
Kommentar
Ich habe ein halbes Tertial in der Neurologie des SRH Kurpfalzkrankenhauses verbracht und kann aus vollem Herzen sagen, dass man ein PJ dieser Art nur schwer woanders findet!

Die Organisation über das Chefarztsekretariat verlief vor Tertial-Beginn einwandfrei. Als ich noch darüber nachdachte, wann ich mich dort mal erkundigen sollte, hatte ich schon eine Mail von der Chefsekretärin mit allen notwendigen Infos. Ich meinte mich verlesen zu haben, als dort stand, ich solle zur Wäscheanprobe kommen; man beteuerte mir jedoch, dass dies notwendig sein. Das SRH hat eigene Dienstkleidung und vorab wird nicht nur notiert, welche Größen für einen bereitgelegt, sondern auch um wie viele Zentimeter beispielsweise die Hosen gekürzt werden sollen. Und in der Tat passten mir die vormals viel zu langen Hosen zu Tertial-Beginn…

Am ersten Tag stellte der Chefarzt persönlich einen weiteren Neuro-PJler und mich in den kurzen Morgenbesprechungen auf allen drei Stationen vor. So was hatte ich noch nie im PJ erlebt. Und am Nachmittag ließ er es sich nicht nehmen, uns noch einmal mehrere Stunden durchs ganze Haus zu führen; von der Intensivstation über den Gymnastikraum der Physios bis zur Apotheke zeigte er uns alles.

Für mich begann das PJ auf Station 1, die auf die Frührehabilitation Phase B nach Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, GBS, usw. spezialisiert ist. Hier konnte ich nicht nur die Auswirkungen der großen Schlaganfall-Syndrome kennenlernen und ihre Entwicklung im Verlauf beobachten, sondern auch einiges über den Umgang mit Trachealkanülen lernen (Welche Arten gibt es? Vor-/Nachteile, Absaugen, Trachealkanülenwechsel). Auf der Station erhalten die Patient*innen Physio-, Ergo-, Logotherapie und Neuropsychologie. Das Team arbeitet sehr eng zusammen und alle freuen sich, wenn man Interesse zeigt. Es lohnt sich, in die Arbeit der Therapeut*innen hineinzuschnuppern. Morgens gab es ein paar Blutabnahmen zu erledigen, die sich jedoch immer sehr in Grenzen hielten. Waren es mal mehr als nur drei bis vier, eilte mir immer eine Assistsenzärztin wie selbstverständlich zu Hilfe (wo gibt es so was sonst?). Danach ging es auf Visite, die meist den Großteil des Vormittags in Anspruch nahm. Nach etwas Einarbeitungszeit durfte ich selbstständig einen der beiden Stationsflure visitieren und betreuen. Selbstverständlich konnte ich dabei nicht eigenständige Medikamente an- oder absetzen, aber mir gefiel die Herausforderung trotzdem sehr. Ich versuchte die Probleme, die ich nicht selbst lösen konnte, zu bündeln und mit Lösungsvorschlägen an die Oberärztin weiterzugeben. Allein durch diese Überlegungen lernte ich mehr als in so manchem anderen Tertial. Um 12:30 Uhr ist Mittagsbesprechung mit dem gesamten Team der Neurologie; im Anschluss gehen alle gemeinsam in der Kantine (Cube) Mittagessen. Als PJlerin erhielt ich eine Essenskarte, über die man mehr Essen abrufen konnte, als ein Mensch auf einmal essen kann. Mir hat es immer sehr gut geschmeckt. Nachmittags standen die Aufnahmen, Besprechungen im Team oder Angehörigen-Gespräche an. Insbesondere letztere waren oftmals aus menschlicher Sicht sehr spannend mitzuerleben.

Als zweites rotierte ich auf die Intensivstation und obwohl ich bis dahin keine Person war, die gerne invasive Prozeduren durchführte, hat mir die Zeit ausgesprochen gut gefallen. Die Station ist auf Weaning spezialisiert und stellt oftmals die erste Station für Patient*innen der Phase B Reha dar, aber auch hausinterne Notfälle kommen dorthin. Der Oberarzt hat eine Engelsgeduld und leitet einen bereitwillig zum Legen von Arterien und ZVKs an. Die Station ist zwar vermutlich weniger „intensiv“ als Intensivstationen größerer Häuser, aber für mich war es die ideale Chance, mich in netter Atmosphäre und im Beisein wohlwollender Menschen vorsichtig der Intensivmedizin zu nähern. Es hat mir viel mehr Spaß gemacht, als ich je von mir gedacht hätte.

Als letztes rotierte ich auf die Station 2, die fast ausschließlich Patient*innen zur Parkinsonkomplex-Therapie aufnimmt. Hier waren die Abläufe ähnlich zur Station 1. Mir machte es Freude, die Patient*innen ausgiebig neurologisch untersuchen zu dürfen und mit den Ärzt*innen über mögliche atypischen Parkinson-Syndromen zu brüten. Wie in alten Berichten zu lesen ist, wurde früher auf dieser Station noch sehr viel lumbalpunktiert. Leider (und das ist das einzige, was mir in meiner Zeit am SRH wirklich gefehlt hat) finden Lumbalpunktionen im gesamten Haus nur noch sehr selten statt. Ich habe in meiner Zeit einmal eine Lumbalpunktion gesehen und eine Lumbaldrainage legen dürfen, ansonsten gab es keine einzige Punktion.
Ganz allgemein wird man im SRH überall äußerst herzlich empfangen und sofort mit ins Team eingebunden. Alle Mitarbeitenden sind motiviert, Dinge zu erklären und einen anzuleiten. Da sitzt man dann auch mal mit dem Chef persönlich im Sono und er erklärt einem ausführlich die Grundlagen des Hirnparenchymschalls, man befundet mit dem Oberarzt die Elektrophysiologie oder diskutiert mit dem Neuroradiologen das soeben gefahrene cCT. Die kurzen Dienstwege und das familiäre Arbeitsverhältnis lassen einem viele Freiheiten und bieten Chancen. Alle kennen sich untereinander; auch der internistische Chefarzt weiß, wer man ist, und hält im Zweifelsfall den internistischen PJ-Unterricht auch mal alleine mit der Neuro-PJlerin, wenn sonst niemand da ist. Das SRH deckt zwar nicht die gesamte Bandbreite der Neurologie ab, aber man lernt einige spannende Bereiche sehr gut kennen und wird zum eigenständigen Arbeiten unter Supervision angeregt. Zu keinem Zeitpunkt war ich die PJlerin, an die ätzende Aufgaben abgedrückt wurden, sondern immer Teil des Teams. Ich bin jeden Tag mit guter Laune hin und abends zufrieden nach Hause gegangen. Und das ist viel wert!

Allgemein:
Kleidung (maßgeschneidert 😉), Spint und Essenskarte werden gestellt. Außerdem ist es möglich, die Sportangebote der SRH zu nutzen, was ich jedoch nie ausprobiert habe. Aufwandsentschädigung 400€/Monat. PJ-Unterricht der Inneren ist immer mittwochs um 16 Uhr, gesonderten Neurologie-Unterricht gibt es nicht, aber man lernt im Stationsalltag ausreichend viel, dass das überhaupt nicht ins Gewicht fällt.
Bewerbung
Ãœber die Heidelberger PJ-Anmeldung ein halbes Jahr vor dem M2.
Unterricht
1x / Woche
Inhalte
EKG
Repetitorien
Fallbesprechung
Tätigkeiten
Patienten untersuchen
Eigene Patienten betreuen
Patienten aufnehmen
Briefe schreiben
EKGs
Punktionen
Braunülen legen
Untersuchungen anmelden
Blut abnehmen
Röntgenbesprechung
Dienstbeginn
Nach 8:00 Uhr
Dienstende
17:00 bis 18:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Essen frei / billiger
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Mittagessen regelmässig möglich
Kleidung gestellt
Gehalt in EUR
400

Noten

Team/Station
1
Kontakt zur Pflege
2
Ansehen des PJlers
1
Klinik insgesamt
1
Unterricht
1
Betreuung
1
Freizeit
1
Station / Einrichtung
1
Gesamtnote
1

Durchschnitt 1.07