PJ-Tertial Visceralchirurgie in Royal Victoria Infirmary (1/2023 bis 3/2023)

Station(en)
Colorectal surgery
Einsatzbereiche
Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde, Station, OP, Diagnostik
Heimatuni
Nicht angegeben
Kommentar
Hatte ne super Zeit am RVI in Newcastle auf der colorectal surgery! Kann ich sehr empfehlen...

Gleich zu Beginn fiel mir auf, wie gut die Stimmung insb. im OP war. Wertschätzende Atmosphäre, super lernfreundlich, echter Team-Spirit - ein echter Kontrast zu den meisten deutschen OPs. Man stellt sich einmal vor und fühlt sich schon wie aufgenommen, traut sich jederzeit zu fragen ob man da und dort zuschauen kann - weil die Leute halt wirklich fast immer cool damit sind. Deutlich flachere Hierarchien - in UK gibt es nur (sehr lang und gut ausgebildete) Consultants = FachärztInnen (und quasi keine Ober-/ChefärztInnen), die im Team miteinander arbeiten. Die sind natürlich auch oft busy aber wenn es zeitlich reinpasst immer motiviert zu erklären! Teaching ist mehr Normalität als Ausnahme, auch von den AssistenzärztInnen, von denen es wiederum verschiedene "Lernstufen" mit unterschiedlichen Kompetenzen und Aufgabengebieten gibt.
Man ist einem Supervisor zugeteilt, welche(r) gleichzeitig eine Art Mentorrolle einnimmt. Legt auch den groben Rahmen fest, zB Arbeits- und ggf. auch Fehlzeiten (meiner hat mich zB motiviert, auch mal ne Woche sein schönes Land zu erkunden), wann es was zu sehen gibt und ggf. auch ein Research project (meist ein überschaubares Audit, dachte anfangs das ist eher Ausbeute, konnte meines aber tatsächlich mit nen bisschen Initiative auf einem Kongress als Poster veröffentlichen, mega). Konnte mich aber recht frei bewegen und das machen, was mir akademisch was bringt (Zitat meines Lieblings-Chirurgen dort).


Mein Alltag sah in etwa so aus:

- Morgens 8.00 Visite (ward round): Nicht der allerbeste Part da meist wenig Zeit für viele Patienten, aber ganz gut, um in den Tag reinzukommen - hier lohnt auch, mal über Kontakte zu den AssistentInnen auf andere Stationen zu schauen - Visite der endocrine surgery war zB auch interessant
- Dann auf den Online OP-Plan schauen und meist in den OP/in die Endoskopie (in UK werden Gastros/Colos auch von den Chirurgen gemacht): Konnte mich fast immer einwaschen (und wenn nicht dann eher weil schon zu viele Leute am Tisch standen) und je nach Team auch ziemlich viel assistieren und am Ende nähen. Wie gesagt super Stimmung bei gleichzeitig hoher Qualität der Versorgung! Hier erlebt man sicherlich keine fliegenden Instrumente, auch blödes zwischenmenschliches Verhalten hab ich tatsächlich nur 1x erlebt.
- Man weiss irgendwann mit wem es sich besonders lohnt, in die OPs mitzugehen - muss nicht unbedingt der Supervisor sein
- 1x/Woche ist noch Team Meeting mit allen Consultants, 2x/Woche ist Tumorboard und 1x/Woche interne Fortbildung der AssistenzärztInnen, die einen da auch gerne mitnehmen
- Sprechstunde/Aufnahmegespräche: Wird ebenfalls von den Consultants an manchen Wochentagen erledigt - gibt in UK keine niedergelassenen FachärztInnen, läuft also alles über die Klinik
- Dienste: Kann man, wenn man will, mit jemandem vom Assistenzarztteam mitmachen: Prinzipiell coole Sache, gibt Zeit für Teaching in den Pausen, man kommt in die Notaufnahme und macht ggf. bei Not-OPs mit - bin in meinem einzigen Dienst allerdings um 3 Uhr heim, da wenig los war
- Stationsarbeit: Kann man sicher auf Eigeninitiative machen - Visite mitschreiben, Patienten übernehmen, Viggos legen, Briefe schreiben - wird aber nicht erwartet, mir hat das restliche Angebot mehr als gereicht, hab aber auch schon von Studierenden gehört, die da aktiv wurden
- ein paar kurze Worte zum NHS: Man hört ja viel negatives und ja, die Notfallversorgung etwa ist echt chronisch überlastet. Auch der Komfort in den Patientenzimmern ist ein ganz anderer als bei uns in D - manche Zimmer der Normalstation erinnern eher, abgegrenzt mit Vorhängen, an ein Zimmer auf der Intensiv. Zwischen den OPs teils längere Wartezeiten aufgrund von Personalmangel. Qualität der medizinischen Versorgung und Ausbildung wird aber hochgehalten, und darauf kommt`s für uns PJler an - man arbeitet eben ohne den Druck, Gewinn machen zu müssen.

Also insgesamt viele Freiheiten, die man super nutzen kann! Wollte persönlich eigentlich nie Chirurgie machen, mir hat die Zeit dort und auch die chir. Arbeit großen Spaß gemacht. Super Stimmung, lernfreundliche Umgebung - das beste Arbeitsklima, in dem ich bisher arbeiten durfte. Teamwork und gegenseitige Wertschätzung mit Ziel einer guten Versorgung statt Ego und Machospielchen - ein Genuss!

Auch die Freizeit kam nicht zu kurz, man kann mit dem Zug super viel in der nahen und etwas weiteren Umgebung erkunden - zB mit den anderen Medical electives, welche bei mir aus Deutschland, Australien, dem mittleren Osten und Asien kamen. Gibt auch coole organisierte Ausflüge/Partys mit ESN (Erasmus Student Network).

Wohnung: Leider nicht ganz easy, da Wohnheime meist für das ganze Jahr vermietet werden, ausser man hat großes Glück und es wird spontan was frei. Ansonsten am besten über spareroom.co.uk nach ner WG schauen - aufgepasst, gibt manchmal dubiose Angebote mit teuren aber ziemlich dreckingen Unterkünften. Hatte großes Glück mit meinem Vermieter, sind dann auch noch 2 weitere PJler eingezogen. Hat immer wieder freie Zimmer, könnt ihr gerne kontaktieren (er weiss Bescheid): +44 7934 910933 (whatsapp)
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Bewerbung
Über die Newcastle University ("Medical elective"....). Gab ne Frist von 6 Monaten vor Beginn des Tertials, um alle Unterlagen einzureichen:
- Sprachtest (am besten frühzeitig über Uni über den DAAD, der anerkannt wird, ansonsten TOEFL/IELTS)
- Zusage eines Consultants - geht ziemlich unkompliziert, einfach beim Sekretariat anrufen und nach der Mail fragen

... das war's!

Schreibt mir gerne über das Kontaktformular bei weiteren Fragen jeglicher Art, und dann nichts wie los nach Newcastle!
Unterricht
Kein Unterricht
Inhalte
Bildgebung
Fallbesprechung
Sonst. Fortbildung
Tätigkeiten
Röntgenbesprechung
Patienten untersuchen
Poliklinik
Mitoperieren
Punktionen
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
15:00 bis 16:00 Uhr
Studientage
Frei verfügbar
Tätigkeiten
Mittagessen regelmässig möglich
Gebühren in EUR
200

Noten

Team/Station
1
Kontakt zur Pflege
1
Ansehen des PJlers
2
Klinik insgesamt
1
Unterricht
2
Betreuung
1
Freizeit
1
Station / Einrichtung
1
Gesamtnote
1

Durchschnitt 1.13