PJ-Tertial Neurologie in Neurologische Akutklinik Bad Zwesten (6/2021 bis 10/2021)

Station(en)
NAK, Station 8 (Reha)
Einsatzbereiche
Station
Heimatuni
Marburg
Kommentar
Es gibt im Grunde nicht viel zu den Vorbewertungen zu ergänzen.
Fangen wir mit den wenigen Contras an:

Contra:
- Einsatz auf der Reha: die 3 Wochen auf der Reha waren leider recht langweilig. Man hat wenig Aufnahmen, in den Visiten macht man nicht so viel, Therapie wird rehatypisch vor allem von den anderen Berufsgruppen gemacht (was natürlich richtig und gut ist, aber man selber lernt diesbezüglich jetzt nicht so viel).
Ich habe auf der Reha die Tage runtergezählt, bis ich endlich auf die NAK konnte, weil es einfach so langweilig war, aber vielleicht ist es auch einfach eine Typsache, ob einem der EInsatz dort gefällt. Positiv ist das Team und der leitende Arzt, der einem wirklich viel erklärt und mit dem man sehr interessante Gespräche über Gott und die Welt halten kann.
Ich verstehe es zwar vom PJ-Konzept durchaus, dass man jemandem auch die Aspekte der Reha zeigen möchte und deshalb dort eingesetzt wird, aber es ist trotzdem ein zäher Einsatz dort gewesen.
- in der Selbstbeschreibung auf der Seite der Uni-Marburg steht "entsprechend dem Berufsausbildungsförderungsgesetz", was so nicht stimmt.
Meines Wissen darf die PJ-Höchstvergütung dem Bafög-Höchstsatz entsprechen (also aktuell ca. 850 € meines Wissens). Für mich suggerierte die Aussage, dass man eben jenen bekommt.
Man kriegt aber "nur" 415€. Wenn man Bad Zwesten googlet, stößt man auch auf Tabellen mit den Top Lehrkrankenhäusern bezüglich der PJ-Vergütung, wo Bad Zwesten eben mit jenem Höchstbetrag vertreten ist (was fairerweise gesagt natürlich keine offizielle Quelle ist).
Lasst euch also nicht des vermeintlich hohen Geldes wegen nach Bad Zwesten locken (um somit direkt auf die Pros zu kommen)

Pro:
- man betreut von Anfang an Patienten allein (ca. 3-4, bei mir waren es auch mal 5, letztlich setzt man selber die Grenze).
Allein natürlich nicht wirklich, weil man jeden Tag OA-Visite mit dem ltd. OA Dr. Eckardt macht und die Patienten ausführlich bespricht, aber denkt nicht, dass die Assistenzärzte auch noch eure Patienten mitbetreuen. Es sind ganz klar eure Patienten und seid somit komplett für diese zuständig, bei Fragen der Pflege werdet ihr gefragt, bei Angehörigengespräche müsst ihr diese führen.
In Famulaturen und anderen Tertialen hat sich für mich die Betreung von eigenen Zimmern immer mehr wie eine "Simulation" angefühlt, häufig haben dann doch die Assis oder Fachärzte mehr die Patienten betreut als man selber (sei es durch eine schnelle Kurvenvisite, die man dann nicht mitbekommen hat oder weil man selber grad irgendwo anders eingebunden ist). Hier ist das definitiv nicht der Fall, so dass man auch an viele Sachen nicht denkt, die teilweise banal oder eigentlich selbstverständlich erscheinen (z.B. sich mal genau die Medikamentenliste anschauen, passen die Medis, wird Thrombosprophylaxe gebraucht, wie ist die häusliche Weiterversorgung geplant...).
Man arbeitet also im Grunde wie ein Arzt, aber trotzdem keine Sorge, mit Dr. Eckardt habt ihr immer jemanden, der euch auf wichtige Sachen hinweist, falls ihr was vergessen habt.
Die Visiten macht ihr auch "alleine", Dr. Eckardt stellt sich an die Wand und interveniert nur, wenn ihr Schwachsinn redet oder nicht mehr weiter wisst.
Es kann durchaus frustriend sein zu merken, wie wenig man dann doch teilweise weiß, aber man wird besser!
Bad Zwesten hat wirklich verstanden, wozu das PJ da sein sollte (nämlich Arzt zu sein, kein Hakenhalter, Blutentnahmedienst oder ähnliches).
- eine unglaubliche Flut an Wissen: Dr. Eckardt haut wirklich viel an Neurologie (und als ehemaliger Kardiologe auch immer etwas Innere) raus. Ich empfehle euch, die Neuroanatomie zu wiederholen, ihr werdet immer wieder damit konfrontiert, vor allem in den wirklich lehrreichen Radiologiebesprechungen. Man lernt auch mal endlich, was es genau mit den ganzen Wichtungen im MRT auf sich hat.
- man lernt Lumbalpunktionen durchzuführen! Man schaut am besten mal einmal zu, wie genau diese funktioniert, danach kann man dann auch direkt seine Patienten, wenn erforderlich ist, punktieren. Es stellt sich auch garnicht die Frage, ob man es bereits gemacht hat und kann (was ja leider in Deutschland häufig der Fall ist, ein typischer Catch-22, wie kann man Sachen lernen, die man nicht machen darf, weil man sie nie gemacht hat und somit auch nicht lernen kann...).
Die Assistenzärzte assistieren euch und helfen euch auch gerne, wenns dann doch mal nicht so gut klappt. Beim nächsten Mal macht probiert ihr es dann wieder.
- die Pflege ist wirklich super, sie hilft euch bei Fragen, wirklich nie jemand war unfreundlich, ganz im Gegenteil, hat mir sehr viel Spaß mit der Pflege gemacht, als Dankeschön gab es sogar eine nette Karte
-ihr kriegt ein Zeugnis (automatisch, muss man nicht hinterherrennen), was ich sehr vorbildhaft finde

weitere Infos:
- Unterkunft ist klein, aber fein, es gibt Küchenzeile, Fernseher, Bad, Schreibtisch, Stuhl (Unterkunft ist umsonst, Putzfrau kommt 2mal im Monat, für die ihr monatlich aber 24€ bezahlen müsst, was allerdings doch etwas frech ist, weil die Putzfrau bei mir immer nur gesaugt hat, nie geputzt)
- Essen in Cafeteria ist umsonst, schmeckt eigentlich sogar recht gut, es gibt immer nur ein Gericht und eine vegetarische Alternative; ihr müsst euch dafür Essensmarken holen
- ihr habt ein PJ-Zimmer oder könnt euch auf Station, weil das PJ-Zimmer etwas weiter weg ist, im Stationsarbeitsplatz des Iso-Bereichs einquartieren
- Arztbriefschreiben über Diktieren, am Anfang ungewohnt, aber auch hier macht Übung den Meister
- Bad Zwesten ist sehr ländlich, es gibt aber ausreichend Supermärkte, einen guten Italiener zum Essen und auch eine sehr gute Eisdiele, Bus fährt stündlich nach Borken bzw. Bad Wildungen
- Arbeitszeit ist offiziell von 8 Uhr bis 16:30Uhr, es gibt aber einen guten Deal: Wenn ihr schon um 7:30 Uhr anfangt und schonmal Blutentnahmen macht, könnt ihr schon um 16 Uhr gehen (ist aber keine Pflicht um 7:30 Uhr anzufangen und strenggenommen ist jeder für seine eigenen BEs zuständig, das wird auch so kommuniziert vom OA)

Fazit:
Die wenigen Contras fallen in meiner Bewertung eigentlich nicht ins Gewicht (und sollten euch auch nicht von Bad Zwesten abhalten), denn Bad Zwesten hat wirklich verstanden, worum es im PJ geht und nimmt seinen Auftrag ernst, euch Neurologie und das Dasein als Arzt beizubringen!
So geht Medizinerausbildung!
Unterricht
1x / Woche
Inhalte
Bildgebung
Fallbesprechung
Prüfungsvorbereitung
EKG
Patientenvorstellung
Sonst. Fortbildung
Tätigkeiten
Eigene Patienten betreuen
Untersuchungen anmelden
Röntgenbesprechung
Braunülen legen
Patienten aufnehmen
EKGs
Briefe schreiben
Patienten untersuchen
Blut abnehmen
Punktionen
Rehas anmelden
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
16:00 bis 17:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Kleidung gestellt
Mittagessen regelmässig möglich
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Unterkunft gestellt
Essen frei / billiger
Gehalt in EUR
415

Noten

Team/Station
1
Kontakt zur Pflege
1
Ansehen des PJlers
1
Klinik insgesamt
1
Unterricht
1
Betreuung
1
Freizeit
1
Station / Einrichtung
1
Gesamtnote
1

Durchschnitt 1