PJ-Tertial Allgemeinchirurgie in Kantonsspital Muensterlingen (9/2009 bis 11/2009)

Station(en)
Chirurgie/Orthopädie
Einsatzbereiche
Station, OP
Heimatuni
Heidelberg - Fakultaet Heidelberg
Kommentar
Ich habe mein Chirurgie Tertial als letztes absolviert und bin eigentlich mit viel Motivation und hohen Erwartungen gestartet.

Die Schweiz gilt ja gemeinhin als gelobtes Land nter PJ-Studenten, weil man ja eigenständig Patienten betreuen darf und überhaupt viel besser gestellt ist als in Deutschland.

Kurzum, hätte ich die vollen vier Monate in Münsterlingen angeplant gehabt, ich hätte mein Tertial nach 8 Wochen gesplittet und wäre woanders hingegangen.

Positiv:
- Recht breites Spektrum (theoretisch) mit Allgemeinchirurgie, Ortho/Unfall, Uro, Handchirurgie
- ab und an hat man auch die Chance mal einen Tag im OP bei den Handchiurgen oder der Kinderchirurgin dabei zu sein
- viel Orthopädie: wirklich empfehlen kann ich Münsterlingen solchen, die ein Interesse an Ortho haben und neben ihrem Wahltertial noch ein bisschen Extra abbekommen wollen. Man arbeitet fast mehr für die Orthos als für die Chirurgen.

- die Assistenten sind eigentlich alle nettt. Bei den Orthopäden ist man mehr eingebunden, weil man dort die Patienten auch am Nachmittag immer noch einmal vorstellt. Die Oberärzte sind auch (bis auf eine Ausnahme) echt in Ordnung-

Negativ:
- man erledigt nur Idiotenjobs. Die Aufgaben für PJ-ler sind folgende: stationäre Patienten aufnehmen und Haken halten Mehr nicht und weniger auch nicht. Dies gilt für orthopädische und chirurgische Patienten.
Die Patienten sind samt und sonders kurz vorher in der Sprechstunde gesehen worden, sodass man lediglich den Brief von dort lesen muss und nochmal den dort beschriebenen Status überprüft.
Blutabnahme macht die Pflege, ebenso Nadeln legen usw. Im OP darf man wirklich nur Haken halten bzw. Beine. Man ist immer die dritte oder gar vierte Person am Tisch und ist einfach da um Dinge festzuhalten. Wirklich beitragen kann man sonst nichts und überhaupt kommt man sich ziemlich nutzlos vor.
Der einzige Kontakt zu den Chirurgen ist der Morgenrapport und das Haken halten. Zwischendurch sieht man sich eigentlich nicht. Eine Teamintegration fehlt völlig.

- Kontakt zur Pflege. Bisher hatte ich vom Pflegepraktikum bis zu den zwei Tertialen vorher durchgehend immer einen guten Draht zur Pflege, aber in Münsterlingen gelingt mir das ganze nicht. Die Pflege behandelt Studenten so, als hätten Sie noch nie einen Patienten oder einen OP gesehen. Weisen einen immer barsch zurecht, erwarten dass man sich hinten anstellt (auch wenn man selber mal wenig Zeit hat). Unter den Op-Pflegern gelten Studenten gemeinhin als Störenfriede. Teilweise muss man sich blöde Kommentare anhören. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass die Schweizer Studenten ja keine Famulaturen machen und wirklich erts zum "PJ" ins Krankenhaus gehen, aber ich fühle mich regelmäßig wie ein Kind behandelt. Im OP wird man auch mal gerne vond er Pflege zu pflegerischen Tätigkeiten verdonnert und dann blöd angemacht, dass man es ja nicht perfekt mache ....

- Fehlendes Teaching: Es gibt einmal pro Woche eine Fortbildung, bei der einer der Assistenten ein Thema präsentiert. M&M besteht darin, dass die Patienten, bei denen es nicht ideal gelaufen ist, vorgestellt werden und der Chef seinen Kommentar nochmal dazu abgibt. Während der OPs wird eigentlich sehr wenig erklärt (man sieht ja oft ohnehin nix - Haken halten). Große Ausnahme ist der Chef der Orthopädie, der wirklich sehr viel erzählt und auch mal Späße macht. Der Abstand zwischen dem Chef der Chirurgie und den Oberärzten ist recht groß, sodass auch diese eher "einfache" Operationen durchführen. Die Sonderstellung des Chefs führt aber dazu, dass man eher bei einfachen OPs am Tisch steht und die interessanten Sachen nicht sieht und dass er eigentlich nicht persönlich mit Studenten spricht. Auf Visite geht man nicht mit. Die findet ohnehin immer irgendwann statt. So nimmt man Patienten auf und trifft sie unter Umständen eine Woche später im Spital und denkt sich "das Gesicht kommt dir doch bekannt vor". Man bekommt also nicht mit was aus den Patienten wird, was ich sehr traurig finde.

- Arbeitszeiten. Man macht regelmäßig Wochenend- und Nachtdienste. Wird allerdings nur dazugerufen, wenn man im OP "gebraucht" wird - also Haken halten muss. Prinzipiell ganz ok, jedoch gibt es nach Wochenenden und Nachtdiensten KEINERLEi Kompensation. Man arbeitet einfach weiter bis der nächste Tag vorbei ist. Übrigens sind (laut den Schweizer Studenten) gesetzlich pro Monat anderthalb Urlaubstage vorgesehen (was wiederum laut den Schweizer Studenten in anderen Spitälern auch umgesetzt wird). DIESE URLAUBSTAGE GIBT ES IN MÜNSTERLINGEN NICHT. Gesetz hin oder her.

- Unterkunft: Das Personalwohnheim ist recht ok, die Zimmer und noch mehr die Betten sehr klein (1,80x80cm). Küche und Bad auf dem Flur. Gut ist, dass es WLAN kostenlos gibt (aber nicht jeder Rechner findet das Netzwerk...) und dass man kostenfrei das Schwimmbad gleich neben dem Wohnheim benutzen kann. Mit 330 Franken ist das Wohnheim mittelmäßig teuer. Münsterlingen selber besteht nur aus dem Spital. Die umliegenden Dörfer weisen einen Supermarkt auf. Konstanz ist ca 8km entfernt und nett anzuschauen. Außerdem gibt es dort Zivilisation. Bodensee im Winter ist eher trist. Mit Auto im Sommer hat die Region sicher hohen Freizeitwert. Im Winter ist es furchtbar dort.

- Arbeitsgestaltung: Die Zahl der Studenten auf der Chirurgie variiert immer, sodass mal sehr viel oder sehr wenig zu tun ist. Nervig ist, dass wenn man zu zweit ist, oftmals beide im OP stehen und gleichzeitig bis 15.45Uhr 10 oder mehr Patienten aufgenommen werden müssen. Man hetzt u.U. aus dem Op auf Station um Patienten zu starten und dann blockt die Pflege ab, dass man den Patienten jetzt nciht aufnehmen kann, oder dass die Akte gerade unterwegs ist .... so steht man oft innerlich angespannt schon wieder in der nächsten OP und hat nur die noch zu machenden Eintritte im Kopf. Effizient ist dieses System wirklich nicht. Zum Mittagessen kommt man selten. Die Kantine ist eher simpel, dafür aber recht teuer (9-10,5 Franken). Im OP gibt es einen Aufenthaltsraum, in dem es Suppe und trockenes Brot gibt.

- Notfallstation: Nach dictum des Chefs der Chirurgen sind Studenten auf der Notfallstation "nicht gerne gesehen". Daher arbeitet man dort nicht (d.h. man kann auch selbst keine Patienten evaluieren und eigenständig untersuchen und behandeln) - Ausnahme ist, wenn der Assistent in Arbeit ertränkt und Hilfe braucht. Dann sind Studenten offenbar doch gern gesehen.

Insgesamt kann ich Münsterlingen also in keinster Weise empfehle, wenn man wie ich spät im PJ dran ist und folgende Ansprüche hat:
- eigenständiges Arbeiten
- anspruchsvolle Tätigkeiten mit und um den Patienten
- Teamintegration
- Teaching.

Wie erwähnt ist es eventuell eine Überlegung wert, für Leute, die Interesse an Ortho haben, da man prozentual mehr mit den Orthopäden als mit den Chirurgen arbeitet. Gut ist das Spital auch für Famulanten, die noch wenig klinische Erfahrung haben und gerne Anamnese üben wollen.

Für jemanden, der sein Wahltertial zuvor ebenfalls in einem chirurgischen Fach absolviert hat und dort mehr aber erfüllender (da eigenständig und respektiert) gearbeitet hat und eigentlich ärztliche Tätigkeiten ausüben will, ist es einfach nur frustrierend nicht gefordert zu werden und bei den stupiden Aufgaben, die zu erfüllen sind auch noch von allen Seiten angegangen zu werden.

Daher habe ich leider die Note 5 vergeben müssen.
Bewerbung
1 Jahr per Email Anfrage auf der Homepage bei der Chefsekretärin der chrirurgischen Abteilung mit Lebenslauf.
Unterricht
Kein Unterricht
Inhalte
Sonst. Fortbildung
Tätigkeiten
Röntgenbesprechung
Blut abnehmen
Patienten untersuchen
Mitoperieren
Botengänge (Nichtärztl.)
Patienten aufnehmen
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
16:00 bis 17:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Kleidung gestellt
Gehalt in EUR
750
Gebühren in EUR
245

Noten

Stimmung Station
3
Kontakt zur Pflege
6
PJler-Ansehen
5
Stimmung Klinik
5
Unterricht
6
Betreuung
5
Freizeit
4
Lehre auf Station
5
Insgesamt
5

Durchschnitt 4.93