Das Tertial in der MKG-Chirurgie in Basel war insgesamt sehr ernüchternd für mich. Als approbierter Zahnarzt mit Berufserfahrung hatte ich anfangs hohe Erwartungen, wo aber schon in den ersten Wochen klar wurde, dass diese nicht erfüllt werden würden.
Zu den Aufgaben eines PJlers gehörten morgens dem Beiwohnen der Frühbesprechung, anschliessend die Dokumentation der Visite mit dem mobilen Laptop-Wagen (die Visite war nicht gut strukturiert, man wusste häufig nicht, was man dokumentieren soll, Stations-Oberarzt war selten dabei) und die Durchführung der Aufnahmevisiten der Patienten. Die Patienten werden meist am Tag der OP aufgenommen, sodass sie in der Theorie vorher vom PJler abgefangen, kurz körperlich untersucht, die Aufnahmemedikation, Allergien etc. abfragt werden sollten. Das war jedoch leider selten möglich, da die Patienten meist schon während der Frühbesprechung (startet um 07:45 Uhr) in den OP kamen. Daher hat man sie meist postoperative erst gesehen. Darüber hinaus musste man eine AU und ein Medikamentenrezept für den Stationsarzt vorbereiten und einen Nachkontrolltermin in der Sprechstunde mit dem Sekretariat vereinbaren.
Zu den Aufgaben eines PJlers gehörten weiterhin Botengänge, wie z.B. Patienten in die Ambulanz bringen, wegen etwaigen Problemen zur IT gehen, Schienen aus dem 3D-Drucker abholen und zum Zahntechniker bringen usw. Zudem wurde immer Freitags eine Präsentation über die anstehenden OPs der kommenden Woche gehalten, die der PJler vorbereiten musste. Die Präsentation selber hat dann der Stationsarzt gehalten. Ausserdem sollte der PJler alle Patienten, die in der kommenden Woche geplant aufgenommen wurden, vorbereiten, d.h. die elektronische Akte eröffnen, Textbausteine in die entsprechenden Felder einfügen und dann anpassen. In meiner gesamten Zeit in der MKG-Chirurgie konnte ich darüber hinaus einige, wenige Male (immer dann, wenn zu wenige Leute da waren) bei einer OP assistieren. Das ist im gesamten Tertial drei mal vorgekommen, also ziemlich selten. Falls auf Station wenig zu tun war, hätte man jedoch bestimmt häufiger in den OP gehen können, um dort zuzuschauen. Ich habe das aber nicht gemacht, da ich darin keinen Sinn für mich gesehen habe - mir hätte das direkte assistieren bei einer OP viel mehr genützt. Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass die OP-Zeiten auch für die Assistenten eher gering waren, was am besonderen Teamaufbau liegt.
Es gab während meiner Zeit in Basel immer mindestens eine Person aus dem Ausland, die ein Fellowship gemacht hat. Diese Person war aufgrund der Sprachbarriere verständlicherweise fix für den OP eingeteilt. Zusätzlich gab es durchgehend zwei Militärzahnärzte, die jeweils fest für den OP und die Ambulanz eingeteilt waren. Meist war auch noch ein Assistenzarzt im OP, wodurch insgesamt viel Personal schon im OP eingeteilt war, sodass PJler dort wenig/gar nicht gebraucht wurden.
Insgesamt waren die vollzeitangestellten, doppelapprobierten Assistenten noch nicht lange in dieser Funktion, wobei diese meist schon zuvor parallel zum Zweitstudium in der Abteilung gejobbt haben. Insgesamt waren die Abläufe aber noch nicht klar strukturiert - es gab keine festen, verlässlichen Rotationen für die Assistenten und schon gar nicht für die Unterassistenten (PJler). Eingeteilt war man als Unterassistent nur auf Station. Zusätzlich zu den zwei Militärzahnärzten gab es noch eine Stelle für einen Zahnarzt/Zahnärztin, die sich zum Oralchirurgen ausbilden ließ. Auch diese Person ist entweder in OP oder in der Sprechstunde eingeteilt. Darüber hinaus gab es noch monoapprobierte Ärzte/Zahnärzte, die sich noch im Zweitstudium befanden und aber ausschliesslich Dienste übernommen haben oder manchmal in den Semesterferien zum Aushelfen reingekommen sind.
Das Team ist im Grossen und Ganzen ganz nett. Regelmässig hat man sich beim gemeinsamen Mittagessen getroffen und unterhalten. Typisch Chirurgie hatte ich aber auch das Gefühl, dass die Ellenbogen unter den Assistenten, zumindest einige Male, ausgefahren wurden und der Ton rauer werden konnte. Insbesondere, wenn es um die raren OP-Zeiten ging, hatte ich das Gefühl, dass eine Missgunst gegenüber anderen bestand. Häufig wurde auch in der Abwesenheit anderer über diese gelästert, was insgesamt zu keinem harmonischen Klima beigetragen hat.
Als PJler wurde man nicht als lernendes Teil des Teams, sondern eher als Hilfskraft für anfallende Aufgaben gesehen. Von den gesamten Oberärzten einschliesslich Chef wussten auch nach einem Tertial evtl. einige wenige meinen Namen - ein Umstand, den ich aus meinem Chirurgie-/ Inneretertial ganz anders in Erinnerung habe. Wenn man allerdings in den Genuss einer OP-Assistenz kam, gab es auch Oberärzte, die gerne und gutes Teaching für die Eingriffe gegeben haben. Die selbstständige Durchführung von OPs(-Schritten) (z.B. nähen, extrahieren o.ä.) war in meiner gesamten Zeit nicht möglich. Regelmässig war jedoch das Spülen von Drainagen oder auch mal die Entfernung einer solchen Drainage auf Station möglich.
Alles in allem kann ich das Tertial in dieser Abteilung (besonders für Zahnärzte) nicht empfehlen. Auch als Medizinstudent ohne Vorerfahrungen in diesem Bereich gibt es sicherlich andere Adressen, in denen man mehr praktische Aufgaben und dafür weniger Administrations-/nicht-ärztliche/Sekretariatsaufgaben übernehmen kann.
Bewerbung
Mehrere Jahre zuvor per Mail. Sehr kurzfristige Zusagen sind wohl aber auch möglich.