Normalstation 2B, Stroke Unit 2C, Notaufnahme, Reha Phase B
Einsatzbereiche
Notaufnahme, Station, Diagnostik
Heimatuni
LMU Muenchen
Kommentar
Ich habe mich recht spontan für mein Neurologie-Tertial in Tutzing/Feldafing entschieden. Da ich mir bezüglich meiner späteren Weiterbildung noch unsicher war, wollte ich im Wahltertial bewusst ein neues Fach kennenlernen. Neurologie erschien mir dafür besonders spannend – möglichst jedoch nicht an einem Universitätsklinikum, da mir die Arbeitsatmosphäre dort oft zu anonym ist. Zudem gefiel mir die Möglichkeit, einen Teil des Tertials in einer Rehabilitationsklinik zu absolvieren.
Das Neurologie-Tertial ist an den Standorten Tutzing und Feldafing organisiert und wird in zwei Abschnitte unterteilt. In der Regel verbringt man die ersten acht Wochen in der neurologischen Rehabilitationsklinik in Feldafing und die zweite Hälfte im Akutkrankenhaus in Tutzing. Beide Standorte sind gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar, wobei Tutzing etwas besser angebunden ist. In Feldafing steht dafür ein kostenloser Personalparkplatz zur Verfügung.
Ich begann mein Tertial in Feldafing und absolvierte dort die ersten acht Wochen in der neurologischen Rehabilitation der Phase B. Gegen eine Rotation in Phase C entschied ich mich bewusst, da diese laut Vorberichten durch einen höheren Anteil selbstständiger Patientinnen und vermehrte Dokumentationsarbeit etwas eintöniger sein kann. Die Phase B umfasst auch einen Weaning-Bereich für tracheotomierte, schwer neurologisch betroffene Patientinnen mit kontinuierlichem Überwachungsbedarf.
Ich wurde von Beginn an herzlich ins Team aufgenommen. Organisatorisch lief alles reibungslos: Alle notwendigen Unterlagen waren vorbereitet, inklusive eines Termins bei der Betriebsmedizin. Im Arbeitsalltag hatte ich einen eigenen PC-Arbeitsplatz sowie ein eigenes PJ-Telefon und konnte eigenständig Untersuchungen anmelden und Befunde schreiben – selbstverständlich unter Supervision. Besonders positiv war die Möglichkeit, eigenverantwortlich zu arbeiten. Ich betreute ein bis zwei eigene Patient*innen auf der Normalstation, stellte diese bei Visiten – inklusive Chefarztvisite – vor und führte Aufnahmen eigenständig durch, die ich anschließend in der Übergabe präsentierte. Dabei galt stets: Alles kann, nichts muss. Ich konnte mein Arbeitspensum und meine Verantwortung schrittweise steigern.
Sehr entlastend war, dass die Stationsassistentinnen den Großteil der Blutabnahmen übernehmen, sodass viel Zeit für ärztliche Tätigkeiten blieb. Unterstützung durch PJlerinnen wurde jedoch jederzeit dankbar angenommen. Die Zusammenarbeit im Team war durchweg angenehm. Der Umgang miteinander ist respektvoll und kollegial, und man wird als PJlerin klar als Teil des ärztlichen Teams wahrgenommen. Auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Atemtherapie funktionierte hervorragend.
Die Zeit in der Rehaklinik war insbesondere zu Beginn meines PJs sehr lehrreich. Neben neurologischen Krankheitsbildern spielten vor allem internistische Komplikationen wie Harnwegsinfekte oder Aspirationspneumonien eine wichtige Rolle. Klassische akutneurologische Diagnostik steht hier naturgemäß weniger im Vordergrund, was je nach Erwartung nicht für jeden ideal sein muss. Dafür erhält man einen sehr guten Einblick in rehabilitative Prozesse und interdisziplinäre Therapieansätze. Elektrophysiologische Untersuchungen wie EMG, ENG und evozierte Potenziale konnten mitverfolgt werden. Die Klinik ist zudem modern ausgestattet, und das Mittagessen ist zu einem moderaten Preis von 4,40€ erhältlich.
Nach acht Wochen wechselte ich in die Akutneurologie nach Tutzing. Auch dort blieb der hohe Grad an Eigenständigkeit erhalten. Ich betreute weiterhin eigenständig Patient*innen, verfasste Entlassbriefe und meldete diagnostische Untersuchungen an. Besonders wertvoll war, dass ich die Durchführung von Lumbalpunktionen erlernen und unter Supervision selbstständig durchführen konnte. Während meiner Zeit auf der Stroke Unit war ich zudem in die Notaufnahme eingebunden und übernahm Aufgaben wie die Durchführung von NIHSS-Untersuchungen über 24 beziehungsweise 72 Stunden. Auf der Normalstation setzte ich die bereits aus Feldafing bekannten Tätigkeiten fort.
In Tutzing liegt der Fokus deutlich stärker auf klassischen neurologischen Erkrankungsbildern wie Kopfschmerzen, Schwindel, Schlaganfällen (ischämisch und hämorrhagisch) sowie der Abklärung von Polyneuropathien. Dies war insbesondere für die Differenzialdiagnostik sowie das Erlernen diagnostischer und therapeutischer Abläufe äußerst lehrreich.
Auch das Team in Tutzing ist sehr freundlich, was sicherlich auch daran liegt, dass viele Ärzt*innen zwischen beiden Standorten rotieren. Ein besonderes Highlight war der wöchentliche PJ-Unterricht bei Herrn Dr. Werle, der jeden Donnerstag stattfand. Dort wurden gezielt die wichtigsten neurologischen Themen im Hinblick auf das Examen besprochen. Besonders hervorzuheben ist sein Engagement: Auch während meiner Zeit in Feldafing nahm er sich regelmäßig Zeit für den PJ-Unterricht. Da ich die einzige PJlerin war, konnte der Unterricht sehr individuell gestaltet werden – häufig anhand von Fallbeispielen meist im Setting eines kollegialen Gespräches. Dies half mir sehr, die Inhalte strukturiert zu wiederholen und zu festigen. Darüber hinaus war er jederzeit ein verlässlicher Ansprechpartner.
Eine Kantine gibt es in Tutzing nicht, jedoch eine schöne Cafeteria. Kostenlose Parkmöglichkeiten sind leider begrenzt, weshalb ich überwiegend mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs war.
Zusammenfassend kann ich mein Neurologie-Tertial in Tutzing/Feldafing uneingeschränkt empfehlen. Die Kombination aus rehabilitativer und akutneurologischer Versorgung bietet ein breites und abwechslungsreiches Spektrum, das sowohl fachlich als auch praktisch sehr lehrreich ist. Besonders hervorzuheben sind die frühe und konsequente Einbindung in ärztliche Tätigkeiten, die Möglichkeit zum eigenständigen Arbeiten, die wertschätzende Teamkultur sowie die sehr gute individuelle Betreuung und Lehre. Trotz der eher kleinen Klinikgröße erwartet einen ein offenes, engagiertes und unterstützendes Team, in dem man von allen Berufsgruppen als vollwertiges Mitglied wahrgenommen und für die eigene Mitarbeit geschätzt wird. Für alle, die ein praxisnahes, persönliches und vielseitiges PJ-Tertial in der Neurologie suchen, ist dieser Standort eine klare Empfehlung.