A1 (Intensiv), 5 Ost (Psychotherapie), 3 West (Affektive Erkrankungen)
Einsatzbereiche
Station, Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde
Heimatuni
Wuerzburg
Kommentar
Ich hatte hier wirklich tolle dreieinhalb Monate. Das ganze Team ist super nett und man fühlt sich ab dem ersten Tag als Teil davon. Man fühlt sich von allen Berufsgruppen wertgeschätzt und arbeitet immer eng nicht nur mit den Assistenten, sondern auch den Psychologen, Oberärzten, Pflege, Sozialpädagogen, Physios, etc. zusammen.
Man rotiert normalerweise immer über die gleichen 3 Stationen, da bekommt man vorab einen Plan. Auch sonst mit Schlüsseln und EDV-Zugang ist alles top organisiert. Zum Anfang und Ende hatte ich ein kurzes Gespräch beim Chef über meine Vorstellungen sowie Fazit und hab da sogar jeweils ein Buch geschenkt bekommen. Als Kleidung braucht man nur einen Kittel über der Straßenkleidung, den man sich im Zentralgebäude einfach holen kann.
Der Tag startet immer gegen 8 Uhr, um 8:10 Uhr gibt's dann eine kurze Übergabe mit der Pflege auf Station und um 8:30 Uhr die Morgenbesprechung mit allen Beteiligten über die Aufnahmen etc. im Hörsaal. Mittags gehen meistens alle Assistenten, teils auch nette Oberärzte und andere Berufsgruppen, gemeinsam essen. Das ist wirklich immer ein Highlight des Tages und meistens super lustig. Wenn man will, wird man auch eingeladen, wenn sich davon Leute abends noch treffen. Also insgesamt ein sehr freundschaftliches Verhältnis, ich bin wirklich jeden Tag gerne in die Arbeit gekommen. Offiziell geht die Arbeitszeit bis 16:30 Uhr, das variiert aber auch sehr, wie interessiert man ist und wie viel los ist.
Jeden Dienstag gibt es eine Fortbildung für die Assistenten, bei der von EEG-Befundung über Psychopharmaka und Testdiagnostik alles ein bisschen dabei ist. Fand ich eine ganz gute Wiederholung. Freitags gibt es immer Supervision, bei der man Probleme mit Patienten oder Kollegen im kleinen Kreis mit einer Oberärztin bespricht. Hat mir persönlich super für die Zukunft weitergeholfen, wie man gut mit häufigen Problemen (die in allen Fachdisziplinen auftreten können) umgehen kann. Ab und zu gibt es dann noch Radiologiebesprechungen, Fallvorstellungen oder Konferenzen. Die Assistenten und Oberärzte versuchen aber immer zum jeweiligen Patientenfall möglichst viel beizubringen. Bei uns gab es außerdem noch die Möglichkeit eines Probeexamens, das war auch eine tolle Übung und hat schon mal ein bisschen Nervosität vor dem M3 genommen.
Jetzt noch ein kurzer Überblick zu den Stationen:
A1 (Intensiv, "Geschlossene" ): Hier ist sicherlich am meisten geboten. Hier arbeiten 3-4 Assistenten plus eine super coole Oberärztin. Frühs hab ich meistens 3-5 Blutentnahmen gemacht weil die MFA irgendwie langzeitkrank war. Falls es mal mehr sein sollte, kriegt man aber immer Hilfe plus die Patienten sind eher jung und haben meistens gute Venen, da geht das recht schnell und hat mir sogar Spaß gemacht weil es ein bisschen was "Praktisches" neben viel Reden war. Danach ist jeden Tag Visite, zweimal pro Woche mit OÄ, die auch oft bis Mittag dauert. Man kann dabei z. B. am Computer mit dokumentieren oder auch mal selbst mit Patienten sprechen. Ansonsten gibt es relativ viele Aufnahmen, die man teils auch selbst machen kann, wenn man möchte. Ab und zu hab ich Patienten in andere Häuser mit dem Taxi zum MRT oder Konsilen begleitet. Hin und wieder wird auch eine LP, Demenztestung oder andere Diagnostiken/Therapien gemacht. Im Verhältnis zu den anderen Stationen sind die Patienten natürlich im Schnitt kränker, letztlich ging es aber deutlich normaler und entspannter zu, als ich es von einer "geschlossenen Psychiatrie" erwartet hätte. Da trotzdem viel spannendes passiert, bin ich gerne auch mal länger geblieben, hätte ich aber mal früher weg gemusst, wäre das nie ein Problem gewesen.
5 Ost (Psychotherapie Station): Hier geht es deutlich ruhiger zu. Das Team ist kleiner und die Patienten bleiben teils monatelang, Visite ist nur dreimal pro Woche (1x mit OA). Dementsprechend gibt es hier nur wenige Aufnahmen und Vorgespräche, in dieser Rotation hat man also gut Gelegenheit in andere Bereiche zu schnuppern oder auch mal früher zu gehen. Mit ein bisschen Eigeninitiative (die Assistenten helfen und organisieren aber auch) war ich in der Mutter-Kind-Sprechstunde, in der Demenz-Ambulanz, Poliklinik, Neurogerontopsychiatrischen Tagesklinik und bin mal beim psychiatrischen Konsildienst in den somatischen Abteilungen mit gelaufen. Das ist auf jeden Fall empfehlenswert für eine noch breitere Übersicht!
3 West (Bipolar und Depression): Mittelding zwischen den anderen beiden Stationen, würde ich sagen. Eine OA- und eine normale Visite, dafür mehrere Aufnahmen pro Woche, von denen ich auch einige alleine gemacht hab. Heißt komplette ausführliche Anamnese, psychopathologischer Befund, körperliche Untersuchung und Besprechung des Falls mit dem OA. Danach schreibt man einen ausführlichen Befund, zu dem ich immer super genaues Feedback von einer Assistentin bekommen habe. Traut euch das auf jeden Fall, dadurch lernt man definitiv am meisten!
Abschließend kann ich ein Tertial hier wirklich nur empfehlen, wenn man gerne viel Kontakt zu Patienten hat und sich ein bisschen für Psychiatrie interessiert. Man kann vielleicht nicht ganz so viel praktisch machen, ehrlicherweise reden die Ärzte ja aber vor allem auch "nur". Ansonsten hat man aber einfach eine relativ entspannte Zeit mit super Leuten und nimmt trotzdem viel mit, egal ob Soft Skills zum Umgang mit Patienten, Diagnostik und Therapie ja wirklich häufiger psychischer Erkrankungen und auch viel zu guter Arbeit im Team. Ganz viel Spaß, falls ihr euch dafür entscheidet!
Bewerbung
Buchung über das PJ-Portal, bei mir keine Probleme einen Platz zu bekommen