Diagnostik, Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde, Station, OP
Heimatuni
Nicht angegeben
Kommentar
Zum Haus:
Das PJ am Hetzelstift habe ich insgesamt als sehr positiv erlebt. Die Bewerbung über das PJ-Portal verlief unkompliziert und reibungslos. Neustadt selbst bietet eine hohe Lebensqualität mit schöner Innenstadt, vielen Freizeitmöglichkeiten in der Umgebung (z. B. Ausflüge in die Pfalz, Weinfeste, sowie gute Anbindung an Städte wie Landau, Mannheim oder Karlsruhe) und eignet sich damit gut für ein entspanntes PJ außerhalb der Großstadt.
Das Krankenhaus ist eher klein und zeichnet sich durch eine sehr familiäre Atmosphäre aus – man kennt sich nach kurzer Zeit, grüßt sich auf den Gängen und wird schnell ins Team integriert. Gerade wenn man länger im Haus ist und mehrere Abteilungen durchläuft, ergeben sich dadurch immer wieder spontan Möglichkeiten, bei interessanten Untersuchungen oder Eingriffen dabei zu sein.
Organisatorisch war das PJ gut strukturiert: Es gab feste Rotationspläne, die zentral koordiniert wurden, mit etwas Spielraum für individuelle Wünsche. Die Betreuung durch den PJ-Beauftragten, den Chefarzt der Anästhesie, war engagiert und zuverlässig, inklusive regelmäßig organisiertem Unterricht (mindestens 2-3×/Woche, allerdings haben wir eigeninitiativ viel Unterricht spontan bei den Oberärzten organisiert - auch hier sind die vergleichsweise niedrigen Hierarchien positiv hervorzuheben). Wichtig zu wissen ist außerdem, dass es einen (meist) funktionierenden Blutentnahmedienst gibt, sodass man nicht den Großteil des Tages mit Blutabnahmen verbringt. Überstunden wurden nicht erwartet.
Die Rahmenbedingungen sind insgesamt sehr gut: Die Aufwandsentschädigung liegt mit 934 €/Monat beinahe beim deutschlandweiten Höchstsatz, Dienstkleidung wird gestellt und es gibt ein Wohnheim (darüber kann ich leider nichts sagen, da zu meinem Start keine Zimmer verfügbar waren). Ein kleines Manko bildet das Essen, da die noch in alten Bewertungen versprochene Kantine nicht mehr existiert. Es gibt allerdings noch ein kleines Café, in dem es belegte Brötchen und ähnliches gibt. Man kann sich allerdings am Vortag Essen bestellen, das dann mittags in einem Essenswagen gebracht wird. Mitarbeiter bekommen einen kleinen Rabatt.
Insgesamt bietet das Haus ein sehr angenehmes PJ mit guter Betreuung, fairen Arbeitsbedingungen und einem kollegialen, unterstützenden Umfeld, das ich jederzeit weiterempfehlen würde.
Zur Gynäkologie:
Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass sich seit meinem Tertial sehr große personelle Veränderungen in der Abteilung ergeben haben. Inwieweit meine Erfahrungen auf die aktuelle Situation übertragbar sind, kann ich daher nicht sicher beurteilen.
Mein Tertial in der Gynäkologie habe ich insgesamt als sehr schön und lehrreich erlebt. Ich habe mich im Team ausgesprochen wohlgefühlt – sowohl das ärztliche Team als auch die Hebammen und die Pflege haben sehr harmonisch zusammengearbeitet, was sich auch im Arbeitsalltag deutlich widerspiegelte.
Der Arbeitstag begann um 7:45 Uhr mit der Übergabe sowie der Besprechung der anstehenden Operationen inklusive Einteilung der Assistenzärztinnen. Im Anschluss folgte meist eine gemeinsame Visite. Danach konnte man sich in der Regel relativ frei einteilen: Ob im Kreißsaal, in einer der Sprechstunden (Dysplasie-, Endometriose-, Mamma- oder Urogynäkologie), im OP oder auf Station.
Das operative Spektrum war stark geprägt durch Mamma- und urogynäkologische Eingriffe. Das Haus verfügt zudem über einen Da Vinci-Roboter, der auch in der Gynäkologie zum Einsatz kommt. Je nach Operateur variierte der praktische Anteil: Während man bei einigen Oberärzt:innen aktiv mitarbeiten durfte (z. B. Nähen, Kauterisieren, Drainagen legen oder Kamera führen), beschränkte sich die Tätigkeit bei anderen eher auf Assistenz im Sinne von Hakenhalten. Mit etwas Eigeninitiative ließ sich hier jedoch oft mehr praktische Beteiligung erreichen. Erklärungen erfolgten meist leider erst auf Nachfrage, dann aber durchaus ausführlich.
Ein großer Teil des Alltags spielte sich im Kreißsaal ab, der gleichzeitig zentraler Ort für die Stationsarbeit war. Dadurch entstand eine enge Zusammenarbeit mit den Hebammen und eine insgesamt sehr angenehme, fast schon familiäre Atmosphäre.
Zur Geburtshilfe: Da das Haus keine eigene Pädiatrie hat, werden ausschließlich Schwangere ab der 36+0 SSW ohne zu erwartende Komplikationen betreut. Dadurch ist die Geburtenzahl insgesamt eher gering und komplexe Verläufe bekommt man nicht zu sehen. Gleichzeitig ermöglicht dies aber fast immer eine 1:1-Betreuung durch Hebamme und Ärztin. Gerade für den Einstieg ins PJ bietet dieses (meist) ruhigere Arbeiten im Kreißsaal eine gute Gelegenheit, Patientinnen enger zu begleiten und viele Erklärungen von den Ärzten und Hebammen zu bekommen. Notfälle kommen dennoch manchmal vor, bei denen man auch nie ausgeschlossen wurde. Die Versorgung von Neugeborenen wird durch die dementsprechend ausgebildete Anästhesie sichergestellt. Wer jedoch viele Geburten oder komplexe geburtshilfliche Fälle sehen möchte, ist hier nicht optimal aufgehoben.
Auf Station konnte ich nach einiger Zeit eigene Patientinnen betreuen. Meist waren das Patientinnen, bei deren Aufnahme, Geburt oder OP ich schon dabei war. Ich durfte sie (selbst, unter Beobachtung) visitieren, irgendwann eigenständig die Abschlussuntersuchung machen und den Arztbrief schreiben. Natürlich wurde alles, was ich gemacht habe, kontrolliert und auch viel verbessert, was hilfreich war.
Die meisten Ärzte und Ärztinnen nahmen sich keine Mittagspause. Als PJlerin hatte man jedoch grundsätzlich die Möglichkeit, essen zu gehen, wenn man dies aktiv einforderte.
Insgesamt waren vor allem einige der Assistenzärztinnen sehr engagiert und bemüht, Wissen zu vermitteln und einen aktiv einzubinden, was maßgeblich zu dem positiven Eindruck des Tertials beigetragen hat.