PJ-Tertial Allgemeinchirurgie in Spital Wil (6/2025 bis 10/2025)

Station(en)
Allgemeinchirurgie
Einsatzbereiche
Station, OP, Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde, Notaufnahme, Diagnostik
Heimatuni
Nicht angegeben
Kommentar
Einmal und nie wieder!

Ich hatte mich sehr auf meine PJ-Zeit in der Schweiz gefreut und wurde - allen meinen Erwartungen nach- BITTERST ENTTÄUSCHT.
TUT EUCH DIESES SPITAL NICHT AN UND GEHT WOANDERS HIN!

Aber erst einmal zur Erklärung:

Der Tag begann zwischen 6.45 und 7.15 Uhr -je nachdem für welches chirurgische Fach (Allgemeinchirurgie oder Orthopädie/Unfallchirurgie) man täglich eingeteilt wurde. Offizieller Arbeitsbeginn war allerdings 7.30 Uhr (die Arbeitszeiten mit Beginn um 6.45 oder 7.15 Uhr bis 7.30 Uhr (durfte man im System als solche nicht notieren, da dies von der PJ-Koordinatorin als "selbstverständlich" galt und ansonsten sich die Arbeitszeiten mit Ruhezeiten überschritten hätten).

Morgenbesprechung:
Während der Morgenbesprechung wurde unter den Ärzten der Ablauf des Tages besprochen, bevor es auf Visite -oder- direkt in den OP ging. Als PJler war man für die Technik zuständig, d.h. den heutigen OP-Plan vorzutragen, die Not-OPs der vergangenen Nacht zu zeigen und durch Röntgenbilder zu scrollen. An sich nichts besonderes.

OP:
Im OP gab es häufig keine verfügbaren OP-Klamotten mit Standardgrößen S,M,L sowie passende OP-Schuhe ( verfügbar bis max. 39 in der Damenumkleide, bei den Herren war es 44). Die Umstände wurden an die Klinikleitung weitergeben, keine Reaktion:)
Es war jedes Mal ein Kampf sich überhaupt einkleiden zu können - was sich vor allem während Pikettdiensten als schwierig herauskristallisierte.
Das OP-Personal - das muss gesagt sein- war immer nett und höflich:) und demnach auch mein Zufluchtsort:)
Es gibt 3 OP-Säle, meist waren nur 2 in Betrieb. Zu Pikettzeiten nur einer.

Pikett:
Pikettdienste sind quasi Rufbereitschaftsdienste, die unter der Woche nachts, sowie an Wochenenden, Sonn- und Feiertagen größtenteils durch PJler, z.T. auch durch Assistenzärzte gedeckt werden müssen, da es so gut wie keine Pjler am Spital gab (warum nur ist hier die Frage ....:)).
Regelkonform sind 3-4 Dienste pro Monat. Ich hatte gemeinsam mit meinem anderen PJler (wir waren zeitweise nur zu zweit) 7-8 Dienste a 24h pro Monat zusätzlich zu meiner 48h/Woche. Ruhezeiten wurden seltenst eingehalten - das wurde mit einem "naja das Leben ist kein Wunschkonzert" von der PJ-Koordinatorin abgespeist und schlichtweg ignoriert.

Zeitausgleich für die Pikettdienste wurde wie folgt gehandhabt:
- wenn man gerufen wird, wird einem nur die reine Arbeitsszeit(d.h. die Zeit die man im OP stand) auf das Zeitkonto gutgeschrieben, nicht aber die gesamte Arbeitszeit von 12h/24h (ist in sonst keinem anderen Spital in der Schweiz so!!)
- wenn man nicht gerufen wird, wird nichts notiert und im System wird hinterlegt, dass man keine Dienst gehabt hätte

Übermüdung aufgrund von tagelangen Pikettdiensten plus reguläre Arbeitsszeiten sind hier an der Tagesordnung. Wie es einem geht wird schlichtweg - trotz Feedback durch die PJler- ignoriert.

Lehre:
gibt es keine:(

Studientage:
gibt es keine:(

Freizeit:
Aufgrund der Großzahl an Pikettdiensten und einer gängigen zusätzlichen 48h Woche hatte man so gut wie keine wirkliche Freizeit. Da Wil eine kleine Stadt ist waren die Freizeitmöglichkeiten sehr eingeschränkt. Es gab ein Schwimmbad, eine Marktstraße mit einer Bar und ein paar Restaurants ansonsten nicht viel.
Zum Wandern hätte man ein Auto benötigt.

Wohnen: DAS SCHLIMMSTE KOMMT ZUM SCHLUSS!!
Untergebracht werden kann man -sofern man das möchte- im Gebäude direkt neben dem Spital.

Kontra: Da das Gebäude der Stadt gehört werden dort allerlei Personen untergebracht. Die Hälfte der Personen sind asylsuchende Männer, die regelmäßig mit der Polizei im Konflikt stehen, daher war es an der Tagesordnung, dass die Polizei vor der Haustür stand.
Schlägereien, Drogenhandel, Diebstahl waren die üblichen Probleme. Auch mir wurde regelmäßig Gras oder ähnliches angeboten. Die Zustände dort sind schlimmer als sonst wo. Egal ob als Mann oder Frau alle Pjler haben sich dort mehr als unwohl gefühlt und würden es demnach niemandem empfehlen dort zu wohnen. Es gibt Gemeinschaftsduschen und -toiletten. Waschmaschinen gibt es im Keller, Wäsche wurde öfters geklaut, daher nicht zu empfehlen. Die Terrasse im oberen Stockwerk ist ganz schön und man hat einen Blick über die Berge.
Einziger Pro-Punkt: es ist günstig.

Nach dem Tertial Wechsel standen wir mit neuen PJlern in Kontakt, um uns zu erkundigen ob sich die Situation gebessert hätte und ob man sich unser Feedback zu Herzen genommen hätte, um es kurz zu machen. NEIN, es ist alles so geblieben wie es war.
Eine PJlerin hat daraufhin ihr Tertial in der Schweiz am Spital Wil abgebrochen, eine weitere hat an ein anderes Spital innerhalb der Schweiz gewechselt.

Laut Aussagen früherer PJler soll die PZ-Zeit in der Chirurgie bis vor einigen Jahren am Spital Wil echt schön gewesen sein, was sich auch mit den Aussagen früherer Bewertungen deckt, allerdings hat sich aufgrund vieler Wechsel, sei es der Krankenhausträger, die Geschäftsführer oder auch jegliches Personal enorm ins Negative entwickelt.

Ich würde aufgrund meiner negativen Erfahrungen es NIEMANDEM empfehlen ein Tertial am Spital Wil zu absolvieren.

Viele meiner Freunde hatten positive Erfahrungen an anderen Spitälern in der Schweiz und waren enorm glücklich, d.h. Schweiz ist nicht gleich Schweiz:)
Bewerbung
Ca. 1 Jahr
Unterricht
Kein Unterricht
Dienstbeginn
Vor 7:00 Uhr
Dienstende
nach 18:00 Uhr
Studientage
Gar nicht

Noten

Team/Station
6
Kontakt zur Pflege
6
Ansehen des PJlers
6
Klinik insgesamt
6
Unterricht
6
Betreuung
6
Freizeit
6
Station / Einrichtung
6
Gesamtnote
6

Durchschnitt 6