Mein Quartal in der Inneren Medizin in Crailsheim war alles in allem gut. Man bekommt im Vorfeld schon Emails und Post, um alle relevanten Daten auszutauschen, sodass vor Ort eigentlich alles vororganisiert war. Man bekommt einen eigenen Zugang und sogar eine Schulung zu allen Dokumentationssystemen und ist somit nicht auf irgendwelche Arztzugänge angewiesen um Patienten aufzunehmen/zu dokumentieren. Einzig in der ersten Woche hat mein Zugang noch nicht vollständig funktioniert weil er von der IT noch nicht freigeschaltet war, nach 2-3 charmanten anrufen war aber auch das erledigt.
Die Arbeit beginnt um 7.45 zur Frühbesprechung, hier werden alle Patienten des Spät- und Nachtdienstes besprochen. Danach hat man in der Regel erstmal Zeit für ein entspanntes (kostenfreies) Frühstück in der Kantine. Wenn das erledigt ist, kann man sich eigentlich relativ frei heraussuchen was man tun möchte. Zur Wahl stehen die Notaufnahme, in der morgens aber eigentlich meistens noch nicht viel los ist, die Stationen und die Funktionsdiagnostik (HKL, Endo). Man ist überall herzlich willkommen, sowohl die Ärzteschaft, als auch alle von der Pflege waren sehr freundlich und aufgeschlossen, ich bin aber auch zu jedem einzeln hin und habe mich vorgestellt, was glaube ich gut ankam. Man kann mit den diensthabenden Ärzten relativ flexibel besprechen was man machen möchte. In der Anfangszeit habe ich erstmal viel zugeschaut, nach und nach dann mehr eigenverantwortliches gemacht. Man kann z.B. auf Station jederzeit viel Ultraschall üben, wenn man Lust hat Viggos legen und Blut abnehmen (offiziell gibt es einen Blutabnahmedienst der das erledigt, der ist zwar nicht immer verfügbar, meistens aber schon, sodass man selten Blut abnehmen muss, aber jederzeit kann.) In der Notaufnahme kann man mit der Zeit Patienten alleine versorgen, hier kommt es aber sehr drauf an, wer Dienst hat, da häufig auch eher noch unerfahrene Assistenten in der ZNA sind und manchmal Fragen und Anliegen selbst nicht richtig erklären können. Im Zweifel kann man aber auch immer einen Oberarzt anrufen der dann vorbei kommt oder Fragen am Telefon beantwortet (Man hat als PJler übrigens auch ein eigenes Telefon mit allen eingespeicherten Nummern).
Das Wochenhighlight war für mich Mittwoch zur Chefarztvisite. Der Chef der Gastro ist super freundlich und extrem wertschätzend gegenüber Studenten. Jeden Mittwoch hat er persönlich bei den Pjlern angerufen und zu seiner Visite eingeladen. Die Visite geht meistens den gesamten Vormittag und manchmal auch noch am Nachmittag weiter, hier wird sich super viel Zeit genommen um Krankheitsbilder und alles mögliche drumherum zu erklären. Der Chef fragt einen selbst auch sehr viel, aber nie auf eine herablassende Art wie man das sonst manchmal kennt. Hier steht wirklich die Lehre und Ausbildung im Mittelpunkt, die dem Chef offensichtlich sehr am Herzen liegt, Mittwochs hat man immer super super viel dazu gelernt und wiederholen können.
Es findet außerdem fast jeden Tag PJ-Unterricht aus verschiedenen Fachbereichen statt, zu dem man immer eingeladen ist, man bekommt anfangs einen Terminplan mit allen relevanten Informationen. Es wurde auch von Seiten der Inneren Medizin nie infrage gestellt wenn man zum Unterricht gegangen ist und keine Zeit für andere Dinge hatte.
Grundsätzlich kann man auch seine Arbeitszeiten sehr flexibel gestalten, ich habe auch sowohl Spät- und Nachtdienste mit gemacht, was auch eine coole Erfahrung war.
Mit der Zeit kann man auf Station eigene Patienten übernehmen, die man mit den diensthabenden Oberärzten ausführlich besprechen kann, um gemeinsam einen Behandlungsplan zu erstellen. Man macht dann auch Eigenverantwortlich die Ultraschalluntersuchungen und schreibt den Arztbrief, ich fand das super, denn so konnte man tatsächlich sehr eigenständig arbeiten, hatte aber trotzdem immer jemand in der Hinterhand, falls es Fragen oder Probleme gab. Wenn man eigene Patienten hat, stellt man diese auch Eigenständig bei der Chef-Visite am Mittwoch vor, da hat sich der Chef jedes mal richtig gefreut wenn man als PJler seine Patienten vorgestellt hat.
Alles in allem ist man in der Inneren in Crailsheim echt super gut aufgehoben.
Das Einzige was ich wirklich kritisieren muss ist die Stadt selbst. Crailsheim ist eine Saustadt, man kann dort fast garnichts machen, deshalb auch die schlechte Freizeit-Note. Ich war im Winter dort und da werden um 18 Uhr gefühlt die Bordsteine hochgeklappt. Es gibt ein Hallenbad und ein Kino. Sonst nichts. Ich war irgendwann aus Langeweile in allen Baumärkten und Fahrradläden die es dort im Umkreis gibt und habe mir manchmal 2 Stunden lang die neusten Modelle von Makita angeschaut und mir irgendwann aus Jux eine Oberfräse gekauft, die ich eigentlich garnicht brauche. Der Weinachtsmarkt hatte zu unserer Bestürzung unter der Woche geschlossen sodass man sich nicht mal gepflegt einen rein stellen konnte.
Das Kino kann ich aber tatsächlich empfehlen, die Crailsheimer sind so scheu und langweilig, dass ich völlig alleine in einem neuen Blockbuster saß, der einzige der manchmal rein geschaut hat war ein Service-Mitarbeiter. Popcorn und Getränk zu einem vernünftigen Preis. Die meisten Abende wurden aber daheim verbracht, was mich zu meinem letzten Punkt bringt, der Unterkunft:
Es gibt mehrere Unterkünfte für Studierende und Pflegeazubis. Ich habe in 2 davon gelebt, die eine war direkt neben dem Krankenhaus im sogenannten Telekomgebäude, sehr gepflegt, man hatte ein eigenes Bad mit großer Dusche, eine gemeinsame Küche mit einem weiteren PJler und meistens seine Ruhe, wobei manchmal ein Techniker des Krankenhauses rein gestiefelt kam und irgendwas an einem Serverraum machen musste. Irgendwann lag mal ein ganzer Backstein bei uns in der Küche im Mülleimer und keiner wusste wo der her kommt. Die andere Unterkunft in der ich war, befindet sich am Bahnhof, dort hat es mir persönlich nicht gefallen, die Fenster waren extrem dünn, sodass man jedes Geräusch von draußen gehört hat, direkt gegenüber ist der Hintereingang zu einer Pizzeria oder einem türkischen Schnellimbiss (kann mich nicht mehr genau erinnern). Man hat den Besitzer immer mit seiner Ehefrau streiten hören und wie er seine Bestellungen durch den Raum gebrüllt hat. Ich hab deshalb nicht gut schlafen können, wer also geräuschempfindlich ist sollte Ohrenstöpsel mitnehmen, damit war es erträglich. Auch diese Unterkunft war aber sauber und gut ausgestattet, wobei man sich das Bad hier mit seinem Mitbewohner teilen muss.
Parken kann man kostenlos am Klinikum.
Alles in Allem kann ich das Klinikum Crailsheim für das Innere Quartal/Tertial weiterempfehlen, man muss aber ein paar Abstriche in der B-Note machen aufgrund der aufgelisteten Skurrilitäten.
Bewerbung
Bewerbung über das Studiendekanat der Med. Fakultät Mannheim