Anästhesie im OP
Hier habe ich den GroÃteil meines Tertials verbracht und kann zusammenfassend sagen, dass ich eine groÃartige Zeit hatte. Nach der Teilnahme an der Frühbesprechung durfte ich mir morgens selbstständig einen freien OP-Saal aussuchen und war bei allen Ãrzt:innen stets willkommen â ganz egal, ob Assistent:innen im 2. Jahr oder leitender Oberarzt. Zur Auswahl standen mir unfallchirurgische/orthopädische, viszeral-/gefäÃchirurgische, gynäkologische, urologische, HNO- und zeitweise auch kinderchirurgische OPs. Dazu existieren auch noch ein Da Vinci-Saal, der Kreissaal und die Angio. Nur gröÃere kardiochirugische und neurochirurgische Eingriffe werden hier nicht durchgeführt.
Im Verlauf des Tertials durfte ich zunehmend mehr ausprobieren und zuletzt auch (unter Supervision) die Narkosen selbst einleiten, überwachen und ausleiten. GefäÃzugänge jeglicher Art gehörten ebenfalls dazu, sowie ein ACLS-Kurs, an dem ich teilnehmen durfte.
Die Pflege war durchweg freundlich, aufgeschlossen und geduldig. Eigeninitiative, Interesse und Fragen waren immer erwünscht und wurden mit kleinen theoretischen oder praktischen Teaching-Einheiten zwischendurch belohnt. Mit Oberarzt Damian Torka hatte ich zudem einen engagierten Ansprechpartner, der immer ein offenes Ohr für meine Wünsche und einen Ãberblick über meinen Lernfortschritt hatte. Insgesamt habe ich mich im Team sehr aufgehoben gefühlt.
Intensivstation
Auf der Intensivstation begann der Tag um 7 Uhr mit der Ãbergabe, anschlieÃend wurde man mehr oder weniger einem der Assistenz- oder Fachärzt:innen zugeteilt. Zu sehen gibt es dort sehr viel: Impella & ECMO, Dialyse, Plasmapherese und natürlich alle Stufen von Beatmung und Weaning.
Wie stark man in die täglichen Aufgaben integriert wird, variiert je nachdem, wer gerade Dienst hat und wie hoch die Arbeitsbelastung an diesem Tag ist. Es gibt Ãrzt:innen, die sich über die Anwesenheit von PJler:innen durchauà freuen und ihr Bestes geben, einen mitzunehmen; aber auch solche, bei denen ich mich eher als zusätzliche Belastung gefühlt habe. Während meiner Zeit wurde zudem von Papier- auf digitale Akten umgestellt und gleichzeitig waren mehrere neu einzuarbeitende Assistent:innen und zusätzlich PJ-Studierende aus der Inneren auf Station, sodass ich leider auch sagen muss, dass ich in dieser Phase auch teilweise auf der Strecke geblieben bin.
Der Tagesablauf ist zwar grundsätzlich in jeder Schicht ähnlich, doch was oder wie viel man selbst übernehmen darf, hängt davon ab, was die jeweils anwesenden Ãrzt:innen zulassen. In meinen insgesamt etwa vier Wochen habe ich unzählige EKGs geschrieben und Status erhoben, ein paar ZVKs und Arterien gelegt bzw. dies versuchen dürfen sowie einmal bronchoskopiert. Eigene Patient:innen hatte ich nicht wirklich; auch das Briefe Schreiben und Untersuchungen Anmelden wurde meist von den Ãrzt:innen selbst erledigt. Zwischendurch gab es gelegentlich Teaching-Einheiten, wenn den Oberärzten Zeit dafür blieb.
Auf meinen Wunsch hin durfte ich bei Angehörigengesprächen dabei sein und habe einen NEF-Dienst organisiert bekommen. Letzteres ist aber keine Garantie, da das Notarztwesen in Stralsund getrennt von der Klinik organisiert ist, ich eigene Stiefel hatte und nur vereinzelte Ãrzt:innen im Hanseklinikum nebenbei im Rettungsdienst fahren.
Mein Feedback und meine Kritik wurden jedoch angehört und Besserung für die Zukunft versprochen. Wer auf die Stralsunder Intensivstation möchte, kann also damit rechnen, viel zu sehen, sollte jedoch bereit sein, proaktiv gegenzuwirken, wenn man droht, in den Hintergrund zu rutschen.
Unterkunft
Leider kann ich zur Unterkunft wenig Positives berichten, auÃer, dass sie kostenfrei zur Verfügung gestellt wird. Man wohnt ein gutes Stück auÃerhalb auf dem Gelände der Psychiatrie in einem Haus, das definitiv schon bessere Zeiten gesehen hat.
Zur Klinik gelangt man mit dem Fahrrad in etwa 15â20 Minuten oder mit dem Bus in ungefähr 30 Minuten (Haltestelle Lübecker Allee; Fahrplan über die App âMV fährt gutâ). Immerhin gibt es für alle â egal, ob man mit Fahrrad, Bus oder Auto unterwegs ist â eine Fahrtkostenpauschale. Für unsere Strecke vom Krankenhaus West waren das etwa 80 ⬠zusätzlich pro Monat.
Es gibt 2er- und 3er-WGs, in denen man gemeinsam mit anderen PJ-Studierenden oder neu zugezogenen Ãrzt:innen wohnt. Im Winter hatten wir eine nur mäÃig funktionierende Heizung und ich war die ersten 2 Wochen krank, da ich nachts so gefroren habe. Wer in der kalten Jahreszeit hierher zieht, bringt sich also besser noch eine Decke extra und eine Wärmeflasche mit. Unsere Küche war mit dem absolut Nötigsten ausgestattet; einen Backofen gab es bei uns nicht (wohl aber einen in einer anderen WG), und der Kühlschrank war für drei Personen deutlich zu klein. Immerhin gab es neben dem Bad noch ein zusätzliches WC, sodass wir uns morgens etwas verteilen konnten. Besonders vermisst habe ich eine Waschmaschine â meine Wäsche habe ich entweder per Hand oder im Waschsalon (6 ⬠pro Maschine) gewaschen. Eine alte Waschmaschine einer PJlerin aus einer anderen WG, die zwischendurch auszog, durften wir auch nicht übernehmen.
Bewerbung
Einschreibung über PJ-Portal. Der Einstieg wird vor allem über das Sekretariat des Chefarztes der Anästhesie sowie über die Personalabteilung organisiert. Der erste Tag endet nach Ausgabe von Schlüssel, Namensschild usw. und einer Hygieneschulung bereits vormittags; am 2. Tag beginnt dann der reguläre Arbeitsalltag. Offizielle Studientage gibt es zwar nicht, aber der Chefarzt ist sehr kulant und studentenfreundlich, wenn doch mal ein Fehltag durch zB. Krankheit entsteht.