Mein Tertial in Worms war insgesamt wirklich gut und ich würde es weiterempfehlen, der einzige echte Nachteil war für mich die lange Fahrtzeit aus Mainz (ca. 45 Minuten mit dem Auto).
Kurz zum Aufbau: Man ist grundsätzlich 8 Wochen in der Kardio (davon 2 Wochen Notaufnahme) und 8 Wochen in der Gastro (davon eine Woche Intensiv oder Endoskopie und eine Woche freie Wahl aus allen, auch nicht-internistischen, Fachbereichen).
Die Betreuung ist hervorragend, Ulrike, die PJ-Betreuerin, ist einfach nur lieb und kümmert sich um alle Anliegen. Generell gilt, dass man eigentlich alles machen/ausprobieren und überall mal reinschauen darf. Ich war zum Beispiel auch eine Woche auf Intensiv und eine Woche in der Endoskopie, obwohl man sich eigentlich dazwischen entscheiden muss. Generell hatte ich das Gefühl, dass man sich überall freut, dass wir da sind und dass versucht wird, uns alles möglich zu machen.
Unterricht ist immer mittwochs von 10:10-15:50, 6 Studen à 45 Minuten plus Mittagspause. Der Lerneffekt hat je nach Dozent*in stark geschwankt, aber meistens war es interessant und abwechslungsreich. Wenn man in Worms geprüft wird, kann man hier auch schonmal die Prüfer*innen kennenlernen. Donnerstagsnachmittags findet für 30-45 Minuten auch ein freiwilliger Sono-Kurs statt, bei dem man sich jedoch nur Bilder anschaut und interaktiv Fälle bespricht. Trotzdem lohnenswert.
Studientag ist offiziell 1x/Woche freitags 4 Stunden, aber es gibt die inoffizielle Regel, dass man sich alle zwei Wochen den ganzen Freitag frei nehmen und den Studientag auch mal auf einen anderen Tag legen darf. So kann man ein paar Fehltage einsparen.
Auf Normalstation kommt man um 7:45 und geht spätestens um 16:15.
Sonstige Vorteile: 675€ Gehalt, kostenlose Parkplätze, abgeschlossene Fahrradstellplätze, Frühstück und Mittagessen kostenlos.
Kardio: Meine Zeit in der Kardio war leider etwas enttäuschend, ich hatte gehofft, dass ich mehr EKG und Echo lerne, das hab ich leider fast gar nicht gemacht. Hauptsächlich lag es an der schlechten Personalsituation, die Assistenärzt*innen haben teilweise mehrere Stationen gleichzeitig betreut, sodass kaum Zeit für Erklärungen/Anleitungen/eigenständige Patient*innenbetreuung blieb. Bei ein paar erfahrenen Leuten konnte ich echt was mitnehmen, aber davon gab es leider zu wenige, dafür sagt keiner was, wenn man um 14:00 schon geht. Oft bin ich nachmittags ins Echo oder Herzkatheter gegangen, allerdings durfte ich im Echo nur selten selbst schallen. Sehr zu empfehlen ist der Schrittmacher-OP einmal die Woche, der Oberarzt ist nett, kompetent und erklärt sehr gerne alles.
Notaufnahme: Definitiv mein Highlight! Man sieht richtig viel, darf ab dem ersten Tag selbst Patient*innen betreuen, einen Bericht schreiben und dann einer*m Ärzt*in eine kleine Übergabe machen. Auch die komplette Diagnostig, die in der NA gemacht wird, darf man unter Anleitung selber machen, ich hab jeden Tag mindestens ein Sono Abdomen gemacht. Und die Leute sind einfach alle super nett.
Gastro: Ich war auf der Onkologie, da hatte ich am Anfang ein bisschen Respekt, weil vor allem die Hämato-Onko nie mein Steckenpferd war. Am Anfang war ich auch ein bisschen überfordert, aber ich bin schnell reingekommen und dann hats auch echt Spaß gemacht. Hier darf man sehr viel praktisch machen, es werden jede Woche mehrere Aszites-, Pleura- und Knochenmarkpunktionen gemacht und nach einmal zuschauen durfte ich alles selber machen. Ich habe auch eigene Patient*innen betreut, inkl. Visite, Brief schreiben und diagnostisches und therapeutisches Prozedere überlegen. Großer Vorteil auf dieser Station war, dass es zwei feste Stationsärzte gibt, davon ist einer ein sehr erfahrener Assistenzarzt, der viel und gerne erklärt. Nachteil war, dass meistens so viel los war, dass ich es kaum geschafft habe, mal in die Endoskopie zu gehen und dass man nie früher heim geschickt wird.
Intensiv: War nur eine Woche aber ich hab trotzdem viel gesehen. Durfte leider nicht so viel praktisch machen, weil zeitgleich eine Ärztin eingearbeitet wurde, aber fand ich nicht schlimm. Auch hier alle sehr nett.
Endoskopie: Sehr interessant, man darf sich alles anschauen und wenn man sich sehr interessiert zeigt wohl auch mal das Gastroskop zurückziehen, hab ich von anderen gehört. Mir hats gereicht einfach zuzuschauen und Fragen zu stellen.
Palliativ: Eine sehr interessante Woche. Die Ärztinnen dort sind alle sehr lieb und man darf zum Konsildienst oder auf Visite mitgehen. Wie das in der Palliativmedizin nun mal so ist, ist es hauptsächlich sitzen und reden/zuhören, aber meiner Meinung nach kann man da total viel über Geprächsführung lernen. Außerdem ist es mal ein anderes, ganz ruhiges Tempo, im Gegensatz zum sonst eher stressigen Klinikalltag. Ich war dort in meiner Wunschwoche und kann es nur empfehlen! Man wird auch meistens früh heimgeschickt.