PJ-Tertial Neurologie in Caritas Krankenhaus Bad Mergentheim (11/2025 bis 3/2026)

Station(en)
E0, Stroke Unit, ZNA, Neurophysiologie
Einsatzbereiche
Notaufnahme, Station, Diagnostik
Heimatuni
Wuerzburg
Kommentar
Ich habe mich durch meine Zeit in der Neurologie am Caritas medizinisch sehr weiterentwickelt und viel nützliches gelernt:
- neurologische Patienten zu anamnestizieren, zu untersuchen und dies zu dokumentieren
- neurologisches Untersuchen: Am ersten Tag des PJ habe ich ein vom Chefarzt erstelltes Skript ausgehändigt bekommen, das die wichtigsten Punkte der neurologischen Untersuchung erklärt. Später habe ich in der Kleingruppe mit dem Chefarzt und weiteren Assistenten noch einmal geübt, systematisch eine gute neurologische Untersuchung durchzuführen. Vom Allgemeinen wie der Prüfung von Bewusstsein, Orientierung und Meningismus haben wir das Untersuchen von Hirnnerven, Motorik, Reflexe, Koordination und Sensibilität behandelt.
- ich habe meine Fähigkeiten verbessert Visiteneinträge zu schreiben und Patienten vorzustellen.
- mehrfach konnte ich unter Supervision eine erfolgreiche Lumbalpunktion vom Wirbeltasten bis zum Nadelziehen durchführen, natürlich habe ich dabei auch oft einfach assistiert
- ich habe ein breites Spektrum neurologischer Erkrankungen gesehen: Neben häufigen Krankheitsbildern wie Schlaganfall, Parkinson und MS habe ich Patienten gesehen mit Motoneuronerkrankungen, Myasthenie, peripheren und zentralen Ursachen von Schwindel, Fazialisparesen und faziale Paresen, TGAs, Hirn-Abszess, Meningokokken-Meningitis, Myositiden und vielem mehr. Sogar ein Patient mit Tuberkulose-Meningitis war für einige Zeit auf Station.
- in der Regel findet jeden Freitag am Mittag eine ca. 45 minütige Fortbildung statt. Bei Kaffee und belegten Brötchen schaut man gemeinsam aktuelle Vorträge der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und bespricht diese anschließend.
- ich habe mich auch beim Schreiben von Arztbriefen beteiligt und wertvolles Feedback bekommen.

Klinik:
Im Caritas wird allgemein ein sehr wertschätzender Umgang miteinander gepflegt - zum Beispiel ist es allgemein üblich sich über Berufsgruppen hinweg freundlich zu grüßen, wenn man sich auf dem Gang begegnet, auch wenn man sich nicht persönlich kennt. Das ist ein deutlicher Kontrast zu anderen Kliniken, wo das Personal oft mit verschlossener Mine demonstrativ an einem vorbeischaut, wenn man auf dem Gang "Hallo" sagt.
Das Krankenhaus in Bad Mergentheim ist eine Klinik der zweiten Versorgungsstufe (Schwerpunktversorgung), also von der Größe und Anzahl an Fachabteilungen zwischen den kleinen Krankenhäusern (Grund- und Regelversorgung) und den großen (Uni-)Kliniken (Maximalversorgung) angesiedelt. Ich finde das eine sehr gute Klinikgröße zum Lernen und Arbeiten, weil einerseits ein breites Spektrum medizinischer Leistungen angeboten wird, andererseits ist es klein genug um sich gegenseitig auch noch persönlich zu kennen. Das Caritas hat eine interdisziplinäre Notaufnahme, Ärzte anderer Fachabteilungen sind hier also meist nur ein PC oder ein Zimmer entfernt, was bei fachfremden Fragestellungen einen schnellen Austausch ermöglicht. Das kommt meiner Meinung nach der Qualität der Patientenversorgung zu Gute und ermöglicht auch interdisziplinäres Lernen.

Abteilung:
Es gibt einen guten Team-Zusammenhalt nicht nur zwischen den Assistenzärzten, sondern auch allgemein im Ärzte-Team. Man duzt sich vom Praktikanten bis zum Chefarzt und geht regelmäßig auch mittags gemeinsam als Abteilung in die Cafeteria. Dadurch entsteht eine sehr freundschaftliche Atmosphäre, was ich persönlich sehr schön fand. Außerdem wird von chefärztlicher bzw. oberärztlicher Seite oft nach dem Essen eine Runde Espresso spendiert :)
Mir ist recht schnell aufgefallen, dass die Assistenzärzte der Neurologie in Bad Mergentheim wirklich fachlich etwas können, also kompetent und souverän wirken bei dem was sie tun, selbst wenn sie erst ein paar Monate da sind. Ich habe vor einiger Zeit eine Famulatur an der Uniklinik gemacht und hier kamen mir zumindest die jüngeren Assistenten häufiger etwas überfordert vor und auch die Oberärzte waren nicht so greifbar bzw. es fand kein richtiges Teaching von oberärztlicher Seite statt. Auch die Stimmung unter den Assistenten war an der Uniklinik im Vergleich zwar nicht unfreundlich aber deutlich kühler und distanzierter als in Mergentheim.
Die Neurologie hat eine Normalstation mit ca. 25 Betten und eine Stroke Unit mit 6 Betten. Es gibt eine gut ausgestattete Neurophysiologie-Abteilung, in der Untersuchungen wie EEGs, EMGs und ENGs, aber auch Video-Kopfimpulstests, Optische Kohärenztomographie des Sehnerven, sowie Ableitungen von visuellen und magnetisch evozierten Potenzialen durchgeführt werden. Auch extra- und transkranieller Ultraschall wird bei Patienten regelhaft durchgeführt, wofür ich mich auch persönlich sehr begeistern konnte. Ehrlich gesagt war ich überrascht über die gute Ausstattung der Funktionsdiagnostik, die der an der Uniklinik, wo ich im Rahmen der Famulatur einmal kurz reingeschaut hatte, in nichts nachsteht.
Auch die Pflege der Station ist allgemein sehr nett. Auch Patienten haben mir mehrfach berichtet, dass sie noch nie einen stationären Aufenthalt hatten, in dem sie ohne Ausnahme von gesamten Personal so freundlich behandelt wurden.

Arbeitsalltag:
Vorneweg: Die Pflege übernimmt am Caritas die Blutentnahmen, ein Einsatz von PJlern als viermonatiger Blutentnahme-Dienst, wie man das zum Teil von anderen Kliniken hört, ist damit also ausgeschlossen :)
Ich habe mich für meine PJ-Anwesenheitszeit an der Arbeitszeit der Frühschicht bei den Assistenzärzten orientiert, also von 08:00 bis 16:30 Uhr montags bis freitags. Ich habe hin und wieder freiwillig Überstunden gemacht, dafür hatte ich dann freie Tage zum Zeitausgleich. An sich war es auch kein Problem, am ein oder anderen Tag etwas früher zu gehen.
Ein paar Mal kam ich abgesprochen erst zum Spätdienst - dieser geht von 12 Uhr bis 20 Uhr.
Ein typischer Arbeitstag beginnt um 08:15 Uhr mit der Frühbesprechung, in diese ist auch die Demo der Radiologie integriert, wo also die Bilder der am Vortag durchgeführten CTs und MRTs noch einmal kurz besprochen werden. Wenn man auf Station mitläuft startet anschließend die Visite, die meistens auch bis mittags geht. Nachmittags werden oft Lumbalpunktionen durchgeführt, oder Patienten aufgenommen die planmäßig zum Beispiel zur Parkinson-Komplexbehandlung kommen. Nachmittags ist jeden Donnerstag auch der PJ-Unterricht, in dem jede Woche eine andere Fachabteilung medizinische Themen bespricht. In den ersten Wochen des Tertials war zudem montags für alle PJler der Klinik ein allgemeiner Ultraschall-Kurs von Seiten der Inneren Medizin.

Zusammenfassung:
Ich habe mich in meinem ersten PJ-Tertial in der Neurologie in Bad Mergentheim sehr wohlgefühlt und viel gelernt, was mir auch unabhängig von meinem weiteren medizinischen Werdegang von Nutzen sein wird. Ich habe ein breites Spektrum neurologischer Erkrankungen gesehen und meine ärztlichen Kompetenzen verbessert. Das Ärzte-Team ist sehr freundlich und ich habe mich wertgeschätzt gefühlt. Ich würde für das Neurologie-Tertial wieder nach Mergentheim gehen bzw. die Abteilung weiterempfehlen. Bezüglich meiner Facharztwahl schwanke ich zwischen Neurologie und Kardiologie - sollte ich mich für die Neurologie entscheiden, kann ich mir sehr gut vorstellen meine ärztliche Weiterbildung in Bad Mergentheim zu beginnen.
Bewerbung
Anmeldung läuft ganz normal über das PJ-Portal
Unterricht
2x / Woche
Inhalte
Sonst. Fortbildung
Fallbesprechung
Repetitorien
Tätigkeiten
Untersuchungen anmelden
Patienten untersuchen
Notaufnahme
Rehas anmelden
Briefe schreiben
Punktionen
Patienten aufnehmen
Poliklinik
EKGs
Dienstbeginn
Nach 8:00 Uhr
Dienstende
16:00 bis 17:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Mittagessen regelmässig möglich
Kleidung gestellt
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Gehalt in EUR
784
Gebühren in EUR
10 EUR/Monat für Mitarbeiter-Parkkarte

Noten

Team/Station
1
Kontakt zur Pflege
2
Ansehen des PJlers
1
Klinik insgesamt
1
Unterricht
1
Betreuung
1
Freizeit
1
Station / Einrichtung
1
Gesamtnote
1

Durchschnitt 1.07