Allgemeines:
In der Schweiz ist man nicht PJler/in, sondern Unterassistent/in, was sich, zumindest am KSA, in sehr guter Organisation und Anteilnahme widerspiegelt. Am ersten Tag wusste ich genau wohin ich muss, habe alle nötigen Zugänge, Badges und sogar ein eigenes Telefon bekommen. Insgesamt einfach top organisiert, auch
alle Beteiligten sind total unkompliziert zu erreichen und gewillt einem zu helfen. Die Unterkunft konnte ich problemlos auch vorher beziehen.
Klinik:
Es war mein erstes Tertial und ich hatte recht wenig Lust auf innere Medizin. Zum Glück verlief mein Tertial jedoch sehr gut und ich konnte viele Skills mitnehmen.
Ungefähr die Hälfte der Zeit war ich auf der Notaufnahme eingeteilt und konnte hier sehr viel selbstständig machen wie bspw.: Pat. untersuchen, Labor/Bildgebung verordnen, Besprechen mit OAs, Aufnahmen/Entlasspapiere vorbereiten. Wenn man sich engagiert anstellt darf man hier fast wie ein AA/AÄ arbeiten, was natürlich mit Vor-, aber auch mit Nachteilen einhergeht (Dokumentation, Verantwortung...). Die Notaufnahme war sehr bereichernd und hat bei dem tollen Team sehr viel Spass gemacht. Tägliche kleine Teachings (am Patientin) oder die Donnerstags-Fortbildung als einzelne Weiterbildungsmöglichkeiten.
Die andere Hälfte verbringt man auf einer von vier Stationen. Hier muss ich ehrlicherweise sagen, war es insgesamt etwas zäher. Dadurch, dass ich nur ca. 1 Woche am Stück auf einer Station war, konnte man mich schwieriger einarbeiten und ich konnte insgesamt weniger machen, hatte aber vereinzelt auch eigene Patienten. Die Station ist sehr abhängig von den AÄ/AA und deren Kapazitäten. Der normale Tagesablauf ist wie folgt: Morgenbesprechung mit Fortbildung für alle, Morgen-Huddle mit Pflege, Visiten, Besprechung mit OÄ/OAs, Stationsarbeit. Wenn ein Pat. eine spezielle Diagnostik/Therapie bekommen hat, durfte man als UÄ/UA problemlos mitgehen und zuschauen. Bei den Pulmologen durfte ich sogar selber Bronchoskopieren.
Für UÄ/UA der Inneren gibt es mittwochs eine feste Fortbildung die durch das oberärztliche Team der Inneren durchgeführt wird sowie eine Radiologie-Fortbildung für alle UÄ/UAs des Klinikums.
Wenn nichts für mich zu tun war, bin ich teilweise auch einfach früher gegangen bzw. durfte früher gehen (ca. 15:30 Uhr).
Gehalt:
Als UÄ/UA bekommt man 1500 CHF. Davon gehen rund 600 CHF für die Miete und <20 CHF Sozialabgaben weg. Das Geld war vollkommend ausreichend und ich konnte sogar was ansparen. Ich empfehle die Yuh-App, ein Konto da zu eröffnen, den Gehalt darauf auszahlen zu lassen und auch alles damit zu bezahlen, um etwaige Wechselgebühren o.ä. zu umgehen.
Soziales:
Da wir Deutschen oft mitten im Monat und die Schweizer Student immer am Monatsanfang beginnen, kann es etwas dauern bis man mit anderen Studierenden
in Kontakt und auch mal ins Gespräch kommt. Über die Notaufnahme oder die Fortbildungen kann man aber gut Leute kennenlernen.
Da Aarau an und für sich, zumindest im Winter, nicht allzu viel zu bieten hat, hab ich als Freizeit-Ausgleich viel Sport getrieben. Gyms (Empfehlung Puregym) und Runclubs gibt es zu genüge. Das positive an Aarau ist die Anbindung zu den grossen Städten (Zürich, Bern, Basel, Luzern, ...). Diese sind innert 1,5 h maximal erreichbar und bieten tolle Tagesausflüge. Wer schlau ist, holt sich die Schnupper-Halbtax und erkundet in den zwei Monaten möglichst viel. Bars und Restaurants habe ich nicht weiter erkundet, jedoch einige nette Kaffes gefunden.
Unterkunft:
Ich habe in einer WG mit theoretisch 3 weiteren Personen gelebt. Dies war eine ganz normale Wohnung in einem Wohnblock, welche zum Personalwohnheim umfunktioniert wurde und in 10 min Gehreichweite der Klinik lag. Glücklicherweise habe ich die meiste Zeit mit nur einem Mitbewohner (war tatsächlich OA) gelebt. Die Küche war solide ausgerüstet und wir hatten zwei Bäder, das war traumhaft. Es wird einmal pro Woche der gemeinsame Wohnraum geputzt sowie Geschirrtücher/Handhandtücher im Bad gewechselt.
Die Miete war 680 CHF, jedoch habe ich 100 CHF Rabatt bekommen. Sprich am Ende wurden mir 580 CHF vom Gehalt abgezogen. Ein Fahrrad wurde nicht gestellt. Einkaufsmöglichkeiten in 10-15min Reichweite zu Fuss.
Fazit:
Super lehrreiche Zeit, fühlte mich gut aufgehoben und alles war top organisiert. Man bekommt genug Geld zum Leben in der Schweiz und ich würde eigentlich alles genauso wieder machen.
Bewerbung
Ich habe mich genau ein Jahr im voraus beworben, jedoch laut den Schweizer Studierenden Glück gehabt.
Wer sicher sein will, bewirbt sich generell für die Schweiz 2 Jahre im Voraus.