Ich habe ein halbes Tertial in Cartagena absolviert und schreibe die schlechte Bewertung vor allem, weil mich die vielen mittelmäßigen nicht genug "abgeschreckt" haben. Ich hatte insgesamt eine sehr tolle Zeit und Erfahrung, was aber insbesondere an den Menschen und der Freizeit vor Ort und sehr viel weniger an der Erfahrung mit der Klinik lag.
Ich kann aus meiner Erfahrung nur jedem ans Herz legen, hier nicht mehr als ein halbes Tertial zu machen. Es ist ein bisschen the worst of all PJ-worlds - eine Mischung aus: man darf sehr wenig selbst machen und hat gleichzeitig trotzdem sehr lange Arbeitszeiten (meist 7-17h).
ORGA:
Insgesamt ist das Ganze mit einem enorm hohen organisatorischen Aufwand sowohl im Vorhinein sowie vor Ort verbunden:
- Man muss (auch bei kürzeren Aufenthalten) ein Studentenvisum beantragen (ca. 40€)
- Bei Einreise muss man einen Termin bei der Migración Colombia vereinbaren und dort eine Cédula de Extranjería beantragen (ca. 60€)
- Studiengebühren (ca. 350€)
- Uniform schneidern mit eingesticktem Namen (30€ pro Uniform)
Im Verlauf des Aufenthalts hat man v.a. Kontakt mit:
1) der medizinischen Fakultät (Luzmilla Chamorro, Dr. Juan Lozano): [email protected] 2) mit der Uni Cartagena (Paola Schotborgh): [email protected] 3) mit dem Hospital Universitario: Ana Santos ist vor Ort verantwortlich für alle Internos / PJler*innen
Die ersten 2 Wochen muss man - wie ja aus allen Berichten hervorgeht - erstmal sehr viel organisieren. Wenn man Glück hat, kann man alles schnell in die Wege leiten und dann von vornherein die zwei Wochen zum Reisen nutzen. Daran hat aber die medizinische Fakultät gar nicht so ein großes Interesse und es kann auch sein, dass sie einen jeden Tag aufs Neue antanzen lassen, man wirklich Stunden (!) bei Ihnen im Büro sitzt, wartet (worauf genau ist nicht ganz klar) und irgendwann mit der Bitte, am nächsten Morgen wiederzukommen, geht.
To Dos für die ersten Tage, um möglichst schnell alles in die Wege zu leiten:
1. Einreisestempel im Pass an Paola Schotborgh schicken
2. bei der Migracion Colombia einen Termin für die Erstellung der Cédula de Extranjería abmachen, vorher folgendes Dokument ausfüllen https://apps.migracioncolombia.gov.co/registro/public/formularioRegistro.jsf (die Erstellung kann bis zu 10 Tage dauern, daher sollte man sich direkt beim ersten Termin die Nummer der Cédula notieren, um damit dann die Arbeitsversicherung ARL und Matricula etc in die Wege leiten zu können)
2. bei Luzmilla Chamorro und Dr. Juan Lozano im Dekanat melden und denen die Nummer der Cédula nennen
3. Uniform schneidern lassen
4. Wenn Paola/das Dekanat die Matricula beantragt haben, bekommt man irgendwann per Mail die Rechnung: ausdrucken und bei der Bank bar oder in der Fakultät der Zahnmedizin mit Karte bezahlen. Den Nachweis der Zahlung muss man wieder an Paola Schotborgh schicken.
--> ARL = Arbeitsversicherung hängt vom Dekanat und Nirva Cabarcas (Licenciada aus der Klinik selbst) ab; sobald die erteilt wird, kriegt man nochmal einen Link für eine "online inducción", wo man einen MC Test (ca. 1h) machen muss
--> wenn von Seiten der Fakultät/Klinik alles bereit ist, kann man ein bisschen selbst steuern, wann man anfängt, je nachdem, wann halt die Uniform fertig ist
Unterschriften am Ende:
Bei uns wurde super das Ding aus den Unterschriften und Stempeln gemacht, weil wir sowohl die von Ana Santos (Klinik) als auch die vom Dekanat brauchten. Ana Santos ist ziemlich streng, was die Fehltage und Zeiten angeht, das heißt, man sollte sich nicht darauf verlassen, hier früher eine Unterschrift zu bekommen. Luzmilla Chamorro vom Dekanat scheint gar keinen Bock auf Austauschstudis und ihre Arbeit generell zu haben. Sie ist nur leider die einzige mit dem Stempel der Fakultät, den sie sicher verschlossen bei sich im Büro hat. Man sollte sich also gut mit ihr stellen.
Insgesamt muss man sich bei der Orga darauf einstellen, dass alles ewig dauert, super viel verlangt wird und aufgrund ständiger Feiertage oÄ das Dekanat selbst nur sehr schleppend arbeitet und antwortet.
KLINIK
Ich persönlich fand mit Abstand am spannendsten die Consultorios der Allgemeinmediziner in der ZNA, die die Ersteinschätzung machen. Diese sind super nett, hier kann man Nähen, Anamnesen und KU machen, Magensonden und Blasenkatheter legen usw. Das hängt natürlich sehr vom individuellen Interesse ab.
In allen anderen Bereichen muss man entweder mit eigenem Laptop mitdokumentieren und wird dann wahrscheinlich wenig anderes machen können als dokumentieren oder sich auf sehr viel herumsitzen und warten einstellen.
WOHNEN
Die meisten Studis wohnen in Manga (relativ sicher, vor allem Locals, nah an Getsemaní und Zentrum). Wir haben alle so 350-400€ für ein Zimmer oder etwas mehr für ein Studio gezahlt.
LEBEN
Cartagena selbst ist eine super schöne Stadt und man kann auf jeden Fall was aus der Freizeit machen (Reisen, die Stadt erkunden).
Im Vergleich mit anderen Auslandstertialen nicht die offenste Stadt und es ist insgesamt eher schwierig, mit Locals in Kontakt zu kommen. Wie ja in vielen Berichten steht, erst einmal mit den Internos, weil diese so enorm viel arbeiten und oft etwas weiter außerhalb wohnen. Aber auch darüber hinaus ist es nicht ganz so sozial, wie wir es alle aus anderen Städten gewohnt waren.
Man muss sich zudem darauf einstellen, dass man nicht so enorm viel Freizeit hat durch die langen Arbeitszeiten und auch gerne mal Wochenend/Nachtdienste (außer man sagt von vornherein, man will das auf keinen Fall). Auch die Orte an der Küste sind alle mit dem Bus nicht so mega schnell erreichbar (nach Palomino zB können es schon so 8h im Bus sein), sodass man sich das für einen Wochenendtrip auch gut überlegen muss. Man kann aber auf jeden Fall unter der Hand mal nen Montag / Freitag frei machen, um wegzufahren.
SICHERHEIT
Ich habe mich insgesamt meist sicher gefühlt. Es wird einem aber ganz klar davon abgeraten, nachts als Frau alleine herumzulaufen (wir haben es irgendwann in Manga / Getsemaní / Centro mit etwas gesundem Menschenverstand trotzdem gemacht, wenn noch andere Leute auf der Straße unterwegs waren).
Zur Klinik haben wir uns einen InDrive (ca. 3-5€) geteilt. Theoretisch fährt auch der Bus (TransCaribe), hier muss man nur insb. nachmittags wohl mit Taschendiebstählen aufpassen. Zaragocilla, der Stadtteil, in dem die Klinik liegt, gilt als unsicher. Wir sind tagsüber in direkter Umgebung der Klinik auch zu Fuß herumgelaufen. Die meisten Locals raten aber davon ab und nehmen eigentlich auch für 10 Min Fußwege ein Moto Taxi.
Gefordert wird im Verlauf:
- CV
- Motivationsschreiben
- Carta de recomendación por parte del coordinador de práctica o jefe de pregrado de la universidad de origen en la cual se dé el aval al estudiante para la realización de la rotación clínica de internado en la Facultad de Medicina de la Universidad de Cartagena. En dicha carta se debe especificar que el estudiante no tiene sanciones académicas ni disciplinarias vigentes.
- Certificado oficial de calificaciones, expedido por la Universidad de Origen.
- Certificado de vacunas: rubeola, sarampión, tétano, fiebre amarilla, hepatitis B, varicela Covid-19, o en su defecto títulos de anticuerpos positivos y tipo de sangre.
- Conocimiento y manejo del idioma español que les permita comunicarse con docentes, compañeros, pacientes y comunidad en general. (Nivel – B2 y/o C1)
- Auslandskrankenversicherung