Ein Tertial in Ratzeburg kann ich wirklich empfehlen, selbst wenn man Chirurgie nicht besonders mag. Alle PJler rotieren über die 4 chirurgischen Stationen: Allgemein-, Unfall-, Gefäßchirurgie und MVZ. Wir haben am Anfang einen Rotationsplan bekommen, den konnten wir aber nach Absprache relativ frei ändern je nach Präferenz. Die PJ-Beauftragte Oberärztin Christine ist da sehr entspannt und auch generell richtig toll. Die Stationen haben sehr unterschiedlich viel Spaß gemacht und entsprechend lang oder kurz haben wir unsere Rotationen auch geplant. Mit Fehl- und Krankheitstagen wird da auch sehr human umgegangen.
Die Gefäßchirurgie hat mir mit Abstand am wenigsten gefallen. Man wird da gut und gerne mal stundenlang ignoriert oder vergessen, wird aber auch nicht wirklich nach Hause geschickt, wenn nichts mehr zu tun ist. Wenn man möchte kann man auf Station mit den Wundschwestern mitlaufen, da lernt man am meisten. Auf der Unfallchirurgie kam es sehr darauf an, welcher Assistenzarzt gerade da war. Einige erklären gerne alles mögliche, andere turfen einfach nur die Briefe ab. Auf Station gibt's für PJler kaum was zu tun, im OP war es aber immer richtig lustig und die Oberärzte erklären super viel. Wer sich wirklich für Unfallchirurgie interessiert sieht hier nicht besonders viele verschiedene Eingriffe. Die häufigen Frakturen lernt man dafür aber sehr gut. Im MVZ kann man enorm viel lernen, vor allem, wenn Felix da ist (Wenn nicht, dann lohnt es sich nicht so sehr). Felix erklärt alles, lässt einen alles machen und ist super nett. 10/10
Die Allgemeinchirurgie ist auch super! Das gesamte Team ist mega nett, man wird in den OPs eingeplant und es wird darauf geachtet, dass man auch was lernt. Da hat es mir am meisten Spaß gemacht und eine längere Rotation lohnt sich dort auf jeden Fall.
Das OP Personal war auch total lieb. nach einer Woche wussten alle unsere Namen und Handschuhgrößen und der Umgang war sehr familiär. Das hat richtig Spaß gemacht! Man konnte auch immer sagen, wenn man Unterricht hatte oder in die Mittagspause wollte. Meistens konnte man dann ausgelöst werden oder abtreten und im Zweifel konnte man sich ein Essen zurückstellen lassen. Ich habe auch noch nie eine so gute Kantine in einer Klinik erlebt, das Essen haben wir uns also nicht entgehen lassen (insb. auch weil wir es umsonst bekommen haben).
Wir hatten jede Woche 1x EKG Kurs und 1x Sono Kurs. Meistens gab es dann noch 1x Innere und 1x Chirurgie Unterricht, wobei gerade Chirurgie öfter mal ausgefallen ist. Gerade der Sono Kurs beim Chirurgie Chef und der EKG Kurs bei Jörn waren genial gut. Beides sehr praxisorientiert und enorm hilfreich.
Für alle, die in Lübeck wohnen: Nach Ratzeburg pendeln geht effektiv nur mit dem Auto gut. Wer (wie ich) also kein Auto hat, quält sich entweder mit ewigen Busfahrten rum oder ist auf eine Mitfahrgelegenheit angewiesen. Die findet sich zwar meistens, Ratzeburg hat aber auch nur sehr überschaubar viele PJler, das lohnt sich also vorab abzuklären, ob da jemand Auto fährt.