PJ-Tertial Chirurgie in Universitaetsspital Basel (7/2025 bis 9/2025)

Station(en)
Orthopädie
Einsatzbereiche
Notaufnahme, OP
Heimatuni
Nicht angegeben
Kommentar
Vorweg muss ich sagen, dass ich nicht chirurgiebegeistert bin und für das Tertial deshalb einen Platz gesucht habe, in dem man nicht nur ausgebeutet wird für stundenlanges Hakenhalten. Leider war das in der Schweiz nicht wie erhofft der Fall, ganz im Gegenteil… Man wird zwar mit anscheinend etwas besserem Lohn (1200CHF) gelockt, was einem aber erst bei Arbeitsantritt mitgeteilt wird, ist: man hat eine mindestens 50-Stunden-Woche, dann wird man noch eingeteilt zu unbezahlten Rufdiensten nachts, vom Lohn gehen Abzüge weg und etwas mehr als die Hälfte kostet ein Zimmer im Personalwohnheim (Endreinigung muss man zusätzlich bezahlen), das nicht nur sehr alt und ungemütlich ist, sondern zudem sehr hellhörig und heiß im Sommer, ohne Mückenschutz an den Fenstern und mit laut brummendem Kühlschrank. Andere Wohnungen kann man sich aber kaum leisten. Wenn man dann noch die teureren Lebensmittel einberechnet, hat man weniger an Lohn als bei den Durchschnittskrankenhäusern in Deutschland plus ist total geschafft von der langen und anstrengenden Arbeit. Ob man schon acht Stunden bei einer Whipple-OP Haken hält und kurz vorm Umkippen ist aus lauter Flüssigkeitsmangel, interessiert keinen, zumindest keinen der Ärzte der Viszeralchirurgie. Dann wurde auch noch der mir schriftlich bestätigte Einsatz auf der Traumatologie ohne Rücksprache in die Orthopädie verlegt, die weiter weg vom Unispital, nämlich im Bethesda-Spital gelegen ist. Das Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel von über 100CHF, um dort hinzukommen, musste ich auch noch selbst finanzieren. Für das Bethesda-Spital muss man nochmal andere Badges und PC-Einrichtungen beantrage als für die Stationen des Unispitals, was nicht nur jeweils kompliziert war und viel Zeit gekostet hat (selbst der Technikdienst war teilweise ratlos), sondern man musste jeweils einen höheren Barbetrag in Franken als Depot abgeben, das man erst am Ende der Zeit zurückbekam und dann erneut ein Minusgeschäft hatte beim Umtausch in Euro.
Insgesamt war in den Operationssälen keine viel bessere Stimmung als in Deutschland, zumindest wurde nur selten was erklärt oder auf so starkem Schweizerdeutsch, dass man es kaum verstehen konnte (obwohl ich grenznah aufgewachsen bin und einigermaßen Schweizerdeutsch verstehe) oder man hat sich blöde Kommentare anhören müssen, wenn man mal was zweimal nachgefragt hat. Unterricht gab es gar keinen, nicht mal Wasser, Kaffee oder sonst eine Wertschätzung gegenüber der Arbeit von den PJlern. Im Gegenteil: wir sollten dann Aufgaben übernehmen, bei denen wir absolut nichts lernen konnten, wie tausende alte Operationsdokumente durchforsten und rausschreiben, wann eine Prothese eingesetzt wurde, nur weil der dafür eingestellte ITler (mit mindestens fünffachem Stundenlohn) es nicht ohne Fehler hinbekommen habe, so die Erklärung.
Das viel zu überteuerte Essen in der Cafeteria (18CHF Mitarbeiterpreis für eine kleine Portion) kann man sich als PJler eh nicht leisten und muss sich dann selbst verpflegen, sowie auf seine Pause bestehen, dass diese nicht vor lauter OPs untergeht. Nicht mal eine Umkleide hatten wir PJler, sondern mussten uns morgens im Arztbüro vor allen umziehen.
Den lehrreichsten Einsatz hatte ich dann noch in der Notaufnahme, weil man da die Anamnese mit KU selbstständig durchführen muss, sowie Nähen lernen konnte. Hier war dann aber die Arbeit im Schichtdienst nötig (was einem auch erst wenige Tage zuvor mitgeteilt wurde), wofür es nicht mal bei den Nachtschichten einen Lohnzuschlag oder sonstigen Ausgleich gab.
Insgesamt war ich also sehr enttäuscht von diesem Tertial, denn ich hatte gehofft, dass die schweizer Arbeitsbedingungen besser wären und dadurch dann auch mehr Teaching stattfinden könnte. Das Gegenteil war der Fall: die Arbeitsbedingungen waren sehr viel schlechter als ich sie in Deutschland erlebt hatte, der Lohn war - wenn man Lebensunterhaltungskosten und die viel längeren Arbeitszeiten miteinrechnet - sogar schlechter und man hat zu spüren bekommen, dass man als PJler nichts zählt, woran der monatliche Wechsel vielleicht mit Schuld ist und man so für das Team nur die nächstbeliebig ausgetauschte billige Arbeitskraft ist. Gelernt habe ich während des Tertials höchstens für mich einzutreten und mir nicht alles gefallen zu lassen. Ich hätte jedenfalls, wenn mir bei meiner Bewerbung ehrlich kommuniziert worden wäre wie die Arbeitszeiten etc aussehen oder ich es bei den PJ-Bewertungen lesen hätte können, wo anders mein chirurgisches Tertial abgeleistet und würde es auch im Nachhinein keinesfalls nochmal dort machen. Ich hatte das chirurgische als mein letztes Tertial und war unglücklicherweise total erschöpft von den Monaten dort als ich in die anschließende Lernphase gestartet bin - nach Rücksprache mit meinen dortigen PJ-Kollegen ging es ihnen leider nicht anders.
Bewerbung
Zwei Jahre zuvor über Kontakt auf Website
Unterricht
Kein Unterricht
Tätigkeiten
Chirurgische Wundversorgung
Briefe schreiben
Mitoperieren
Botengänge (Nichtärztl.)
Notaufnahme
Patienten untersuchen
Dienstbeginn
Vor 7:00 Uhr
Dienstende
nach 18:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Kleidung gestellt
Gehalt in EUR
1200 CHF
Gebühren in EUR
Abzug bei mehr als zwei Monaten

Noten

Team/Station
4
Kontakt zur Pflege
4
Ansehen des PJlers
5
Klinik insgesamt
3
Unterricht
6
Betreuung
5
Freizeit
6
Station / Einrichtung
3
Gesamtnote
5

Durchschnitt 4.47