Den größten Teil des Tertials verbringt man auf dem Notfall, wo man in 3 Diensten (Früh-, Mittel- und Spätdienst) eingeteilt wird. Hier sind die Aufgaben der Unterassistent:innen EKGs befunden, Röntgen anmelden, arterielle BGAs abzunehmen, Vorbefunde anfordern sowie eigene Patient:innen, die mit ESI 4 und 5 triagiert sind, anzusehen und Anamnese sowie körperliche Untersuchung durchzuführen. Die Patient:innen bespricht man entweder mit einem einem der Assistent:innen oder direkt mit dem Kader. Zu den weiteren Aufgabenbereichen zählt das Schreiben der Notfallberichte zu den Patient:innen sowie das Ausstellen von Rezepten, Physiotherapieverordnungen und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen. Man kann sich auch immer an die Assistent:innen auf dem Notfall hängen, wenn jedoch viel zu tun ist, ist man vor allem mit dem eigenständigen Ansehen von Patient:innen beschäftigt - dies führt dazu, dass man im Tertial vor allem grippale Infekte, Rücken- und Kopfschmerzen sowie andere banale Dinge auf dem Notfall sieht und spannendere Fälle zum Teil völlig an einem vorbeigehen.
Auf Station führt man vor allem Moca- und Schellong-Testungen sowie PNP-Screenings durch und kontaktiert alle möglichen Ärzt:innen für Vorbefunde (was in der Schweiz entspannt per Mail gesendet werden kann). Ansonsten begleitet man die Visite und kann bei selektiven Eintritten auch mal eine Aufnahme machen und dokumentieren. Generell gibt es in meinen Augen auf Station nicht so viel für Unterassistent:innen zu tun, sodass man auch phasenweise einfach Zeit abgesessen hat.
Der Morgen startet um 8:00 mit einem Röntgenrapport, danach finden täglich Fortbildungen für die Assistent:innen statt (EKG, BGA, Fall der Woche, Journal Club). An diesen kann man vor allem teilnehmen, wenn man auf Station eingeteilt ist oder im Frühdienst auf dem Notfall nichts zu tun, durch den Schichtdienst auf dem Notfall entfallen leider viele Möglichkeiten daran teilzunehmen, gesonderten Unterricht für die Unterassistent:innen gibt es nicht. Danach geht man meistens zusammen einen Kaffee trinken und startet entspannt in den Tag. Gemeinsames Mittagessen ist vor allem auf Station auch fast immer möglich gewesen.
Das SeeSpital Horgen ist ein mittelgroßes, modernes Krankenhaus, was jedoch beispielsweise kein Herzkatheterlabor hat, sodass man diverse Interventionen im Tertial nicht sehen kann. Generell ist die Weiterbildung etwas anders in der Schweiz geregelt und Interventionen (wie Aszites- oder Pleurapunktion) fanden zumindest zu meinem Tertialzeitpunkt sehr wenig statt. Man hat während des Tertials 8 Urlaubstage, die man verplanen darf sowie 2-3 Lerntage, von denen einer fest auf der Intensivstation ist und man sich sonst Abteilungen wünschen darf wie Kardiologie oder Gastroenterologie.
Plus:
- Sehr gute Organisation des Tertials durch das Sekretariat Medizin
- Assistent:innen und Kaderärzt:innen waren alle durchweg nett und wertschätzend gegenüber Unterassistent:innen, auch das Spital selbst (Kantinen-Gutschein beim Eintritt ins Tertial, Teilnahme an Weihnachtsfeier, Weihnachtsgeld für lernende Mitarbeiter)
- Schweizer Arbeitsatmosphäre wesentlich angenehmer
- Schönes Wohnheim mit eigenem Bad und Küche (für 500 CHF/Monat, einen Parkplatz kann man außerdem dazu mieten für 120 CHF/Monat)
- Horgen ist direkt am Zürichsee, man kann dort gut joggen/spazieren/Rad fahren (plus schöner Ausblick auf die Berge) und guter Ausgangspunkt für Ausflüge
- Sehr gutes Essen im Krankenhaus
Minus:
- Von sich aus wurde sehr wenig Teaching angeboten oder mal etwas erklärt, man musste das meistens einfordern, was irgendwann einfach etwas nervig war, daher war der Lerneffekt nicht besonders groß im Tertial
- Häufig Mittel-/Spätdienst führt dazu, dass man nicht an den Fortbildungen teilnehmen kann
Bewerbung
Ich habe mich ein Jahr vorher im Voraus beworben, tendenziell benötigt es aber eine längere Vorlaufzeit. Da anscheinend auch einige wieder absagen, lohnt sich vermutlich auch kurzfristiges Anfragen.