PJ-Tertial Anästhesiologie in Marmara Universitesi Pendik Eğitim ve Arastırma Hastanesi (9/2025 bis 11/2025)

Station(en)
OP, anästhesiologische Intensivstation
Einsatzbereiche
OP, Station
Heimatuni
LMU Muenchen
Kommentar
Ich besitze durch die Herkunft meines Vaters türkische Wurzeln und habe in den vergangenen Jahren angefangen, diese Seite an mir neu zu entdecken. Daher entschloss ich mich gegen Ende des klinischen Abschnitts meines Studiums ein halbes PJ-Tertial in Istanbul (bin ein absoluter Fan dieser Stadt) zu absolvieren. Hierbei sollte es sich um mein Wahltertial Anästhesiologie handeln. Private Universitätskliniken kamen für mich nicht infrage, daher standen für mich eigentlich nur die Kliniken der drei großen staatlichen Fakultäten in Istanbul zur Auswahl: Çapa, Cerrahpaşa (beide Istanbul University) und die Medical Faculty der Marmara University. Über eine Bekannte, welche ebenfalls an der Marmara Universität studiert, erhielt ich dann Informationen bzgl. des Bewerbungsprozesses und fällte daraufhin meine Entscheidung zu Gunsten von Marmara. Die türkische Sprache beherrschte ich bisweilen leider nur insuffizient, weshalb ich mit Beginn des Bewerbungsprozesses (ein Jahr vor dem Tertialbeginn) begann Türkisch wieder von Beginn an zu lernen (bis ungefähr Niveau B1-B2).

Die Marmara University unterhält zwei Universitätskliniken im asiatischen Teil Istanbuls (Başıbüyük und Pendik). Die Abteilung für Anästhesiologie und Reanimation (tr. Anesteziyoloji ve Reanimasyon) wird an beiden Standorten von Herrn Prof. Dr. Alper Kararmaz geleitet. Die Ober-/Fachärzte und Assistenzärzte sind ebenfalls aus einem Pool und werden wechselnd an beiden Kliniken eingesetzt. Mein Praktikum fand ausschließlich am Standort in Pendik statt, es wurde mir jedoch auch angeboten mal am Standort Başıbüyük zu hospitieren - jedoch sehen die PJ-Regularien der LMU den Einsatz an nur einem einzigen Standort vor.

Selbstverständlich findet die Kommunikation untereinander sowie mit den PatientInnen auf Türkisch statt. Die meisten Ärzte sprechen jedoch sehr gut Englisch und sind auch geschult was den Umgang mit ausländischen Studenten angeht, da an der Marmara Universität auch englischsprachig gelehrt wird und häufig Studierende aus dem umliegenden Ausland an der medizinischen Fakultät studieren. Vereinzelt gibt es sogar ein paar Ärzte, welche relativ gut Deutsch sprechen. Dennoch ist ein gewisses Niveau der türkischen Sprache unabdingbar, vor allem wenn man mehr mit PatientInnen oder KollegInnen interagieren möchte.

Die Dienstzeiten waren werktags jeweils von 8-16 Uhr. An meinem ersten Tag musste ich mich zunächst ein bisschen durchfragen, jedoch fand ich dann mit sehr lieber Unterstützung durch die Kollegen der Anästhesietechniker am Ende den zuständigen Ausbildungsleiter der Abteilung. Ich wurde primär zwei FachärztInnen zugewiesen, durfte mich aber jederzeit frei durch alle OP-Säle (insgesamt 22 an der Zahl) bewegen und überall mithelfen bzw. bei den diversen Narkoseein- und Ausleitungen aktiv partizipieren. Der Lehrgedanke spielt an der Klinik eine sehr große Rolle. Es wurde stets viel erklärt, demonstriert und auch praktisch angeleitet. In erster Linie durfte man selbst diverse Gefäßzugänge (venös, arteriell) etablieren und auch Maskenbeatmung, Atemwegsmanagement im Allgemeinen, Anlage von supraglottischen Atemwegshilfen und die endotracheale Intubation waren unter Aufsicht nahezu täglich (mehrmals) möglich. Auch die Aufrechterhaltung der Kreislauffunktion und die Narkoseführung im Allgemeinen waren Schwerpunkte. Im Haupt-OP der Universitätsklinik in Pendik finden Operationen aller operativen Fächer statt (Orthopädie/UCH, Neurochirurgie, Herz- und Gefäßchirurgie, Thoraxchirurgie, Kinderchirurgie, Urologie, Gynäkologie, Allgemein- und Viszeralchirurgie, etc.). Teilweise wurden auch andere Interventionen wie EKTs unter anästhesiologischer Beteiligung im OP durchgeführt. So waren auch jeden Tag OPs bei PatientInnen jeglichen Alters (vom Neugeborenen bis zum geriatrischen Pat.) und jeglicher Dringlichkeit (Notfall bis elektiv) zu sehen. Grundsätzlich erfolgt die Ein- und Ausleitung jedoch durch einen Assistenzarzt (i.d.R. immer unter Aufsicht bzw. Präsenz eines Facharztes). Die Narkoseaufrechterhaltung übernehmen dann die studierten Anästhesietechniker und ziehen die Ärzte lediglich bei etwaigen Komplikationen wieder hinzu. So betreuen ein Team aus Facharzt und Assistenzarzt normalerweise zwei OP-Säle gleichzeitig.

In der Kantine und im Arztzimmer konnte man sich jederzeit mit frischem Cay und kostenlosem Essen stärken. Theoretisch gibt es außerhalb des OP-Traktes noch eine große Mensa im obersten Stockwerk mit atemberaubenden Ausblick auf Istanbul und das Marmarameer.

Die im selben Stockwerk lokalisierte anästhesiologische Intensivstation besitzt insgesamt eine Kapazität von 15 Betten und wird von Doç. Dr. Fethi Gül geleitet, welcher gleichzeitig auch amtierender Präsident der Türkischen Gesellschaft für Intensivmedizin (TYBD) ist. Hier durfte ich regelmäßig an den morgendlichen Visiten der Patient*innen durch die Ärzt*innen und Pflegekräfte teilnehmen und wurde bei interessanten Prozeduren hinzugerufen (Tracheotomien, ECMO-Anlage, etc.).

Fortbildungen gibt es für das ärztliche Personal wöchentlich, an denen ich jedes Mal teilnehmen durfte. Auch bei einem ACLS-Kurs für Studierende durfte ich mitmachen. Auch stand es mir immer frei, auch mal länger in den Dienst ("Nöbet") hinein zu bleiben. Hier werden dann natürlich vorrangig Notfälle behandelt.

Insgesamt war dieses (halbe) Auslandstertial ein voller Erfolg. Ich habe unfassbar viel lernen können und dürfen (nicht nur medizinisch), nette und inspirierende Leute kennengelernt und habe mich innerhalb des Kollegiums stets sehr gut aufgenommen und wohlgefühlt. Selbstverständlich bedarf es für den Erfolg eines solchen Praktikums - nicht nur organisatorisch - einen großen Anteil an Eigeninitiative. Dennoch hat es sich m.E. mehr als nur gelohnt. Ich werde diese Zeit mit Sicherheit nie vergessen. Auch die Freizeit kam selten zu kurz. Istanbul ist DIE Metropole schlechthin. Die freie Zeit kann man wunderbar zum Erkunden der Stadt, für Kultur (Konzerte, Museen, etc.), Fußball (bin großer Fenerbahce-Fan), kulinarische Highlights, Sport, in wunderschönen Bibliotheken oder je nach sonstigem Belieben nutzen. Langweilig wurde es jedenfalls nie. :-)
Bewerbung
Bewerbung knapp ein Jahr im Voraus über den allgemeinen Praktikumsbeauftragten der medizinischen Fakultät der Marmara Universität sowie das Dekanat. Die Bewerbung wurde dann an die Abteilung für Anästhesiologie und Reanimation weitergeleitet. Schriftliche Bestätigung und Erlaubnis durch den Chefarzt Prof. Kararmaz im Oktober 2024.
Unterricht
1x / Woche
Inhalte
Patientenvorstellung
Repetitorien
Sonst. Fortbildung
Tätigkeiten
Patienten untersuchen
Braunülen legen
Botengänge (Nichtärztl.)
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
16:00 bis 17:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Essen frei / billiger
Mittagessen regelmässig möglich
Kleidung gestellt

Noten

Team/Station
1
Kontakt zur Pflege
1
Ansehen des PJlers
1
Klinik insgesamt
1
Unterricht
1
Betreuung
1
Freizeit
1
Station / Einrichtung
1
Gesamtnote
1

Durchschnitt 1