PJ-Tertial Allgemeinchirurgie in ISSSTE Hospital Regional Licenciado Adolfo López Mateos (9/2025 bis 12/2025)

Station(en)
Allgemein- und Viszeralchirurgie
Einsatzbereiche
OP, Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde, Diagnostik, Station, Notaufnahme
Heimatuni
Berlin
Kommentar
Die Uni in Mexiko-Stadt scheint nicht groß mit dem Krankenhaus zu kommunizieren. Ich musste ein paar Tage vor Tertialbeginn zuerst bei der Uni vorbeigehen um dort einen Brief abzuholen, mit dem ich mich dann am gleichen Tag im Krankenhaus beim PJ-Koordinator vorstellte und erklären musste, warum ich dort war. Das war aber alles relativ einfach (natürlich wenn man mit einem ausreichenden Spanisch-Level ankommt) und ich konnte mir komplett frei auswählen, wo ich in dem Krankenhaus hinrotieren möchte. So habe ich dann 2 Monate in der Allgemein- und Viszeralchirurgie bekommen, einen in der HNO und einen in der Orthopädie/Unfallchirurgie. Was am Ende dann auf der Bescheinigung stehen musste konnte ich individuell mit dem Koordinator klären und mir so bescheinigen lassen ohne Probleme. Als ich mich vorstellte wurde ich vom ehemaligen PJ-Koordinator auch noch empfangen und durch das ganze Krankenhaus geführt, das war sehr herzlich und wertschätzend. Er stellte mich einigen Mitarbeitenden vor bis hin zur Rechtsabteilung, in der eine Person sogar ein wenig Deutsch konnte.

In der Woche darauf ging das PJ-Tertial dann los, ich kam dort gegen 7 Uhr auf der Station an und wurde von den Stationsärzt*innen ähnlich kühl wie in Deutschland meistens empfangen, wurde dann aber schnell von einer anderen PJlerin aus Mexiko abgeholt, die mich mit in den 7. Stock nahm. Dort gibt es Schlafsäale für die Pjler*innen (36 h Dienste ca. 2x die Woche sind dort üblich im PJ), Wasser, Toiletten, Tische und Stühle. Die mexikanischen Pjler*innen waren super nett und bemühten sich mich und eine andere Pjlerin aus Deutschland zu integrieren, sie gingen teils auch etwas trinken mit uns und zu einem Essensmarkt. Das war ein schöner Beginn dann und auch in den ersten Wochen wurden wir eher zurückhaltend für Aufgaben eingesetzt und sahen eher zu. Für die Ärzt*innen hatten wir eine Art Sonderstatus, viele wussten nicht genau, was sie mit uns machen konnten oder uns auftragen konnten, was dazu führte, dass wir wirklich wenig machten in den ersten 3 Wochen. Wir waren dann viel im OP und sind zwischen den Säalen hin und her gesprungen und haben zugeguckt. Andere nette Ärzt*innen aus anderen Fachrichtungen wie z.B. die Plastische Chirurgie erfuhren auch eventuell von uns und luden uns gerne mal zu ihren OPs ein. Manche erklärten auch gerne, ließen mitoperieren und stellten Fragen. Es gab aber natürlich auch eher ältere Operateur*innen, bei denen eine sehr angespannte und gereizte Stimmung vorherrschte, bis hin zum Schmeißen von Instrumenten. Die meisten waren jedoch zum Glück reflektierte und selbstkontrollierte Menschen. 3 Mal in der Woche gab es in der Allgemein- und Viszeralchirurgie Unterricht von 13-14 Uhr, immer mit dem gleichen Oberarzt. Ich fand den Unterricht gar nicht so schlecht, es war immer eine der PJler*innen dran und musste ein Thema vorstellen, wir die nicht aus Mexiko kamen wurden automatisch davon ausgenommen. Der Oberarzt war etwa eigenartig, brachte immer Süßigkeiten mit aber unterbrach auch jeden Vortrag ca. alle 30-90 Sekunden mit einer kritischen Zwischenfrage. Meist ging der Tag dann zwischen 14 und 15 Uhr zu Ende, falls es mal wirklich viele Aufgaben geben sollte auch ein klein wenig später. An diesem Krankenhaus hatte ich das Glück, dass ich vom PJ-Koordinator gefragt wurde, ob ich mir vorstellen könnte, die 36h Dienste mitzumachen. Da ich mir das v.a. am Anfang noch nicht zutraute und auch mit den Arbeitsstrukturen im mexikanischen Gesundheitswesen überhaupt nicht vertraut war, lehnte ich aber ab und das war dann kein Problem und wurde so hingenommen. Das ist aber nicht in allen Krankenhäusern so, im Hospital General Gea Gonzalez z.B. kommt man da nicht raus, wie ich von einer anderen deutschen Pjlerin mitbekam.

Und wenn wir von den Aufgaben sprechen, hier kommt die Krux an dem Ganzen: Der Lerneffekt für mich persönlich war gering. Immerhin gab es den Unterricht und eine Fortbildung pro Woche, die für alle Pjler*innen gedacht war, aber das war auch schon das Goße und Ganze. Die Aufgaben für Pj-ler*innen in diesem Krankenhaus bestanden vor allem aus Blut abnehmen, Patient*innenakten (Papierakten) zu sortieren und zu ergänzen, Wundversorgung, Patient*innen zu Untersuchungen begleiten und dort warten, falls die Ärzt*innen Rückfragen stellen und vor allem für Konsile durch das ganze Krankenhaus zu laufen, da diese in Person durchgeführt werden. Das Krankenhaus in dem ich war hat keine IT-Infrastruktur für diese Dinge, sodass diese Konsile in Person liefen, genauso wie z.B. die Anmeldung eines Röntgen etc. oder das Bestellen eines Patient*innentransports, all dies war PJ-ler*innen Aufgabe. Daher war der Lerneffekt leider gering. Dies war in anderen Fachrichtungen ähnlich.

Was in Mexiko auch anders ist, sind zwar eigentlich fast nur freundliche Kontakte und Interaktionen, aber eine krasse hierarchische Struktur. Die Pjler*innen haben eine Art Chef-Pjler*in, die dafür zuständig ist, dass Arbeitsbereiche gut aufgeteilt werden und alle auch erscheinen, dies muss sie dann mit den Stationsärzt*innen besprechen sowie dem PJ-Koordinator rückmelden. Auch die Patient*innen waren gegenüber den Ärzt*innen und Pjler*innen als angehenden Ärzt*innen sehr respektvoll und man merkte ein deutliches Machtgefälle in der Ärzt*innen-Patient*innen-Beziehung, was es meiner Meinung nach nicht immer einfach macht und auch shared-decision-making verringert.

Was die Freizeit anbelangt hat Mexiko-Stadt natürlich viel zu bieten, und wenn man sich Urlaub nimmt (sehr gut möglich) kann man natürlich Mexiko noch weiter erkunden. Empfehlen kann ich z.B. die Cineteca Nacional für zwei sehr schöne Kinos, die weniger bekannte aber sehr gute Filme spielen. Zu einem dieser Kinos kann man mit einem Gondellift fahren und einen wunderschönen Blick über die ganze Stadt von oben bekommen, und zwar für 7 pesos (unter 50 Cent)! Auch Coyoacán lohnt sich für Spaziergänge, einen Kunstmarkt, Essensmärkte, das Haus von Frida Kahlo und das Haus von Leon Trotsky. Das Anthropologiemuseum ist super. Außerdem werden jeden Sonntag im Zentrum viele Straßen gesperrt und für Läufer*innen etc. geöffnet, das war auch super. Und es gibt natürlich noch viel mehr, das sind alles nur Beispiele. Essensmäßig kann ich sehr empfehlen von Straßenständen zu essen, das ist billig und authentisch. Die Metro in Mexiko-Stadt ist ein billiges Transportsystem, wie in vielen Großstädten natürlich sehr voll aber man lernt schnell, wie man gut an sein Ziel kommt. Außerdem gibt es ein Fahrrad-Leihsystem, das für ca. 30€ im Jahr erlaubt, Fahrräder in großen Teilen der zentralen Stadt zu benutzen. Für günstige Sim-Karten empfehle ich von Oxxo eine Telcel Sim-Karte zu kaufen, die gibt es nicht immer in allen Oxxos, aber man kann die dort dann immer aufladen entweder mit Guthaben oder mit einem Paket und kommt damit relativ günstig weg, wenn man sparsam damit umgeht. Für die volle Ladung Gentrifizierung kann man sich Roma und v.a. Condesa ansehen, da gibt es zwar super schöne und grüne Stadtzüge und Cafés an jeder Ecke, aber der Wohnraum ist dort sehr verteuert und verknappt und Mexikaner*innen werden verdrängt.

Insgesamt habe ich in dem PJ-Tertial weniges Praktisches gelernt, aber dafür menschlich und kulturell sehr viel mitnehmen können und auch für mich persönlich viel dazugewonnen, daher hat es sich schon auch gelohnt.
Bewerbung
Bewerbung mit ca. 1 Jahr Vorlauf über ein Programm der Charité, in dieses wurde ich dann im Februar 2025 akzeptiert und dann nach langem administrativem Aufwand und last-minute Sprachtest (da mir die Charité kommuniziert hatte ich bräuchte keinen besonderen, die Uni in Mexiko sah das aber anders plötzlich) wurde ich gegen Juni auch von der UNAM in Mexiko-Stadt akzeptiert und konnte damit im September pünktlich beginnen
Unterricht
3 x / Woche
Inhalte
Repetitorien
Sonst. Fortbildung
Tätigkeiten
Botengänge (Nichtärztl.)
Mitoperieren
Blut abnehmen
Chirurgische Wundversorgung
Notaufnahme
EKGs
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
Vor 15:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Mittagessen regelmässig möglich
Essen frei / billiger
Gehalt in EUR
0,00
Gebühren in EUR
ca. 10€ für die Registrierung an der Uni

Noten

Team/Station
3
Kontakt zur Pflege
2
Ansehen des PJlers
2
Klinik insgesamt
3
Unterricht
2
Betreuung
6
Freizeit
1
Station / Einrichtung
3
Gesamtnote
3

Durchschnitt 2.87