Gleich vorweg, ich möchte nicht in die Chirurgie gehen. Dafür war das PJ-Tertial in Wernigerode wirklich sehr angenehm. Personen, die in der Chirurgie wirklich etwas lernen wollen, sollten sich vielleicht ein anderes Krankenhaus suchen. Ausgangspunkt ist die Chirurgische Station, die sich die Allgemein/ Viszeral- und die Gefäßchirurgie teilen. Ich war 8 Wochen in der Allgemeinchirurgie und wegen Fehltagen und Studientagen 5 Wochen in der Gefäßchirurgie. Eine Traumatologie gibt es am Standort nicht. Das Spektrum an OPs ist aufgrund der Größe des Krankenhauses eher übersichtlich und vor allem in der Viszeralchirurgie auf die Standardeingriffe begrenzt.
Essen (drei Malzeiten/ Tag) wird bei Bedarf von der Klinik gestellt. Eine Unterkunft kann man für 100 € in der WG / bzw. 150 € in einer Einzelwohnung mieten. Meine Unterkunft war ca. 1 km von der Klinik entfernt und gut ausgestattet.
Es werden 0,5 Studientage pro Woche gewährt, diese habe ich am ehesten alle zwei Wochen als ganzen Tag genommen.
Auf Grund der Besetzung wurden mir diese zum Teil eher zähneknirschend gewährt, aber an sich haben alle meine Wünsche geklappt.
Theoretisch sollte es alle zwei Wochen PJ-Unterricht geben, allerdings ist dieser bis auf einmal ausgefallen. Ich war die einzige PJlerin im ganzen Haus, vielleicht wurde sich deswegen auch nicht so sehr bemüht, diesen stattfinden zu lassen.
Dienstbeginn ist 07:00 Uhr und Schluss ist nach der Röntgenbesprechung gegen 15:30 Uhr. Am Freitag ist diese sogar bereits um 13:30 und danach Feierabend. Es wurde auch darauf geachtet, dass ich nie zu lange geblieben bin und Pausen gemacht habe.
Prinzipiell konnte ich, wenn keine OPs, Aufnahmen oder Stationsarbeit anlag in die Notaufnahme gehen oder NEF mitfahren. Da die Personalbesetzung nicht unglaublich dicht war, hatte ich für beides nicht viele Gelegenheiten.
Der Kontakt zur Pflege im OP und auf Station ist super. Beide ärztlichen Teams sind wirklich sehr nett, auch wenn dünn besetzt. Sowohl die Viszeralchirurg*innen, als auch die Gefäßchirurg*innen haben sich viel Mühe gegeben, dass ich mich gut aufgehoben und als Teil des Teams fühle, obwohl alle deutlich arbeitsbelastet waren. Deswegen war leider auch wenig Zeit für individuelle Lehre. Trotz allem waren alle sehr um mich bemüht und haben mir alle meine Fragen gerne beantwortet.
In der Allgemeinchirurgie konnte ich an einer Organentnahme für eine Organspende teilnehmen.
Ansonsten habe ich nach zwei sehr unspektakulären Wochen mehr Aufgaben bekommen. Vor allem habe ich im OP assistiert, meist erste Assistenz und Kameraführung bei laparoskopischen OPs. Auch ein wenig Nähen dufte ich unter Anleitung und einen kleiner Eingriff unter Supervision selber durchführen. Die Stimmung im OP war meist gut, manchmal etwas unter Zeitdruck, aber ich wurde nie angemault und nicht für selbstverständlich gehalten. Auf Station war ich vor allem für Blutentnahmen und Flexülen zuständig, sowie Anamnesen und Aufnahmen von prästationären Patienten machen und Briefe vorbereiten. Falls ich irgendwo Unterstützung brauchte, waren alle gewillt mir zu helfen, an manchen Tagen wurde meine Arbeitskraft aber auch dringend benötigt, wegen geringer Besetzung.
Im Frühjahr gab es einen Chefarztwechsel der Viszeralchirurgie. Dieser ist zwar nur zwei Tage die Woche im Haus, da er auch Chefarzt am zweiten Standort ist. Allerdings gibt es dadurch gerade sehr viele Umbrüche und Strukturänderungen im Team, einhergehend mit einer gewissen Unzufriedenheit. Auf mich hatte das keine wirklich negativen Auswirkungen.
In der Gefäßchirurgie war ich wenig mit im OP und habe vor allem Aufnahmen auf Station gemacht, Blut abgenommen, Flexülen gelegt und Briefe geschrieben.
Da viele der Gefäßchirurgischen OPs unter Durchleuchtung stattfinden, hilft es für die OP-Zeit hier sicherlich, bereits eine Strahlenschutzregistrierung zu besitzen.
Für Lehre war leider auch hier nicht viel Zeit. Ich konnte jedoch die Wundschwester begleiten und etwas zur Versorgung von chronischen Wunden lernen.
Insgesamt habe ich mich sehr wohl gefühlt und wurde gut in beide Teams aufgenommen und integriert. Nur die wirkliche Lehre zu Krankheitsbildern, sowie eigenständige Patientenbetreuung und Therapieplanung kam etwas kurz.
Bewerbung
Bewerbung über das PJ-Portal.
Ich musste wegen der Unterkunft noch einmal nachfragen, weil ich bis 1 Woche vor Tertial-Beginn noch keine Informationen erhalten hatte, aber dann wurde sich schnell gekümmert.