Das Chirurgie-Tertial in Biberach ist wirklich zu empfehlen. Es gibt eine angenehme Atmosphäre und durch die regelmäßigen Rotationen lernt man bald alle kennen und kommt gut rein. Es sind in der Regel 1-3 PJler:innen pro Station.
Unterricht ist nach wie vor 2x/Woche ziemlich zuverlässig und oft gut vorbereitet. Es gibt Kaffee und Brezeln/Kuchen.
Zu den einzelnen Stationen wurde ja jeweils schon recht viel geschrieben. Generell kann man überall etwas lernen, es hängt natürlich auch davon ab, wie sehr man sich einbringt und davon, wie gut oder schlecht die Stationen zum Zeitpunkt der Rotation besetzt sind und wie viele Aufgaben es dementsprechend gibt.
Allgemein-/Viszeralchirurgie: Man assistiert viel im OP, vor allem Kameraführung bei laparoskopischen OPs. Dementsprechend habe ich vor allem Cholezystektomien, Hernienversorgung und Appendektomien gesehen, gelegentlich aber auch Eingriffe an Magen, Rektum/Analkanal, Schilddrüse. Manchmal darf man nähen (intrakutan). Auf Station natürlich vor allem Blutentnahmen & PVKs. Es gibt 2 Besprechungen pro Tag und eine Visite, sodass man die Patient:innenverläufe auch kennenlernt. Zudem kann man hier ganz gut Briefe schreiben, da es viele ähnliche Eingriffe mit unterschiedlichen Verläufen gibt. Es freuen sich auch alle, wenn man das macht. Ich bin mit allen gut klargekommen.
Gefäßchirurgie: Es war meine Lieblingsstation, aber ich hatte auch Glück, dass es in der Zeit viele Gelegenheiten gab, sich einzubringen. Man sieht echt viel Wundversorgung, die hauptsächlichen Krankheitsbilder sind natürlich pAVK und Diabetisches Fußsyndrom. Die Visite fand ich immer ziemlich spannend und ich durfte im OP auch regelmäßig assistieren. Zuschauen darf man sowieso immer und ich fand es auch trotz kleinem Situs interessant. Gesehen habe ich vor allem verschiedene Bypassanlagen, Shuntrevisionen und Amputationen, es gibt aber noch viel mehr.
Station ist natürlich ebenfalls BE & PVKs sowie ABIs. Dadurch, dass die Patient:innen oft lange da sind und internistische Erkrankungen haben, kann ich nur empfehlen, die Befunde auch selbst immer zu sichten, da lernt man viel. Es waren alle total nett und insgesamt ein gutes Team, im Vergleich zu den Vorberichten scheint sich da etwas geändert zu haben. Ich war am Anfang etwas verloren, weil mir das Fach fast fremd war, und bis zuletzt ist es mir hier zB schwerer als auf den anderen Stationen gefallen, einen adäquaten Arztbrief zu schreiben und die Abläufe zu durchdringen. Deshalb und weil es nicht so viele feste PJ-Aufgaben gibt, man mit Interesse aber unglaublich viel lernen kann, hier noch ein paar Ideen, was Ihr initiativ tun könnt: Bei den Sonos mitgehen, sich über Thromboseprophylaxe/Gerinnungsmedikation der einzelnen Patient:innen Gedanken machen, mit in die Angio (also zur Radiologie, die freuen sich auch immer) gehen und versuchen, die Bilder zu verstehen, Oberärzt:innen in die Sprechstunde begleiten, zu den Konsilen mitgehen oder in die Notaufnahme, zu den poststationären Patient:innen mitgehen.
Besprechung ist 2x/d.
Orthopädie/Unfallchirurgie: Hier war ich auch regelmäßig im OP, aber da es viele Assistenzärzt:innen gibt, oft nur zu OPs, für die es eine zweite Assistenz zum Halten braucht, und dann sieht man nicht unbedingt. Was ich aber empfehlen kann, ist an den Nachmittagen bei späten oder nachgemeldeten OPs aktiv die Oberärzt:innen zu fragen, ob es noch eine Assistenz braucht, da kann man dann manchmal bei abwechlsungsreichen OPs assistieren, sieht ungewöhnliche Dinge und darf dann auch mal bohren und regelmäßig nähen (hier vor allem Donati). Zuschauen darf man natürlich auch immer. Doku muss man hier auch nicht viel machen. Es gibt immer viele BEs & PVKs. Da es viele geriatrische Patient:innen gibt, kann ich hier auch empfehlen, sich Gedanken zu den internistischen Vorerkrankungen zu machen und alle Labore, die man abnimmt, selbst zu sichten. Da kann man manchmal einen guten Beitrag leisten. Besprechungen sind 2x/d und da ist es ganz cool, dass immer auch Bilder angeschaut werden, sodass man etwas den Blick für Frakturen trainiert. Es gibt hier für manche Traumata Standards für den stationären Aufenthalt, sie hängen in einem der Arztzimmer, und sich die am Anfang mal anzuschauen, hilft viel, um die Stationsabläufe zu verstehen.
Notaufnahme: Darauf kann man sich wirklich freuen! Ihr könnt, je nach Stand und eigenem Zutrauen, selbst Patient:innen anschauen und dann, immer nach Rücksprache und angemessen supervidiert, wirklich viel selbst machen: Nähen in LA, Sono, manchmal reponieren, Abszessspaltung, manchmal Punktionen. Und es hilft natürlich, zu üben, Anamnese, Untersuchung, Kommunikation zu übernehmen und sich Indikationsstellungen für Diagnostik und Aufnahme zu überlegen und alles richtig zu dokumentieren. Für einige Krankheitsbilder gibt es SOPs. Zusätzlich gibt es durch die Oberärzte richtiges Teaching, sie machen sich wirklich Gedanken um die PJler:innen, und sind auch immer ansprechbar, um Patient:innen zu besprechen. In die Schockräume darf man auch immer. Schichteinteilung ist flexibel.
Zusammengefasst: Man kann in allen Rotationen etwas lernen, man kann das eigene Engagement an Interesse und Energie anpassen, man darf immer bei allen nachfragen, und muss nie etwas tun, wobei man sich unsicher fühlt!!
Ich habe noch eine wärmste Empfehlung, die bisher in den Berichten nicht so oft aufgetaucht ist: Es gibt die Möglichkeit, chirurgische Rufdienste zu machen, d.h., nachmittags und in der Nacht oder am Wochenende auf Abruf bei OPs zu assistieren (plus BEs bei den Wochenenddiensten). Das wird zusätzlich vergütet und man kann je nach Vorliebe zu Hause sein oder im Krankenhaus in einem Dienstzimmer übernachten. Außerdem bekommt man bei vollen Diensten zum Ausgleich freie Tage, was zB im ersten Tertial, in dem man die Urlaubstage noch aufheben will, ganz gut sein kann. Vor allem waren die Dienste aber toll, weil ich hier die operative Versorgung unterschiedlichster, dringender Krankheitsbilder - Hohlorganperforationen, Shuntverschlüsse, verschiedene Frakturen, komplexe Schnittwunden, BAA, Abszesse, akute Entzündungen im Bauchraum, ... - gesehen habe und im Dienst ist man dabei mehr eingebunden, sodass es mir auch leichter gefallen ist, Fragen zu stellen. Außerdem ist es total nett mit der OP-Pflege. Wenn man sehr motiviert und eh schon da ist, kann man in den Wartezeiten zwischen den OPs in der Notaufnahme vorbeischauen, die freuen sich immer. Und auch hier ist es aber so, dass es immer an den Stand angepasst ist, den man mitbringt, und es wird kein besonderes Können oder Wissen vorausgesetzt!
Ich hatte ursprünglich wirklich keine Lust auf das Chirurgie-Tertial und es hat mir dann total Spaß gemacht. Man bekommt in Biberach alles geduldig gezeigt und beigebracht und so macht es wirklich Freude, zu lernen und mitzuhelfen. Viele von uns PJler:innen waren auch wegen ihres Kreislaufs in Bezug auf den OP unsicher und diese Angst würde ich an dieser Stelle auch gerne nehmen: Ausreichend Wasser trinken, ggf Stützstrümpfe tragen und sich klarmachen, dass im OP in diesem Krankenhaus nur verständnisvolle und nette Leute sind, hilft wirklich. Es war bei allen ok.
Und ein Tipp, den ich gerne früher gehabt hätte: Es gibt ein gutes Personalwohnheim und man sollte nur rechtzeitig fragen, ob es Platz gibt, dann klappt das auch.
Wen also die vorhandenen chirurgischen Abteilungen interessieren und wer sich an einem kleinen/mittelgroßen Haus gut aufgehoben fühlt, kann in Bc viel lernen und ein schönes PJ haben.