PJ-Tertial Allgemeinchirurgie in Spital Linth (9/2025 bis 12/2025)

Station(en)
Chirurgie
Einsatzbereiche
Station, Notaufnahme, OP
Heimatuni
Nicht angegeben
Kommentar
Mir war das chirurgische Tertial besonders wichtig, da ich mich auch in Zukunft in dem Fachbereich sehe, deshalb habe ich mich bewusst für das Spital Linth entschieden. Vorrangig auf Grundlage der beiden Berichte aus dem Jahr 2021. Da in meiner ersten Woche bereits große Ernüchterung eintrat würde ich gerne einige Dinge klarstellen, die mich vielleicht anders entscheiden hätten lassen. Dazu ein Auszug aus meinem Erfahrungsbericht, den ich kurz nach meinem Aufenthalt verfasst habe. Danach geh ich auch noch etwas positiver auf die einzelnen Tätigkeiten im Spital ein.

"Leider war meine Ernüchterung in der ersten Woche recht hoch, als mir bewusst wurde, dass ein kleines Haus in der Schweiz noch deutlich kleiner ist als ein kleines Haus in Deutschland. Entsprechend beschränkt ist das OP-Spektrum. Die Anzahl und Vielfalt der Eingriffe war stark reduziert. Hinzu kam, dass auch die Assistenzärztinnen und -ärzte um jede Möglichkeit rangen, im OP assistieren zu dürfen, sodass Unterassistentinnen sich zwangsläufig hintenanstellen müssen.
Obwohl es in der Schweiz bei einer geringeren Patientenzahl deutlich mehr Personal gibt – was aus deutscher Perspektive zunächst wie eine Lösung vieler struktureller Probleme erscheint –, entstehen daraus andere Schwierigkeiten. Die Assistenzärzte haben Mühe, ihren OP-Katalog, den sie bis zur Facharztprüfung füllen müssen, zu vervollständigen. Gleichzeitig verbringt man einen erheblichen Teil des Tages in einer Art Warteschleife: Es gibt immer wieder kleinere Aufgaben oder Telefonate, die ein effektives Nutzen der freien Zeit verhindern, sodass letztlich viel Zeit unproduktiv verstreicht.
Das chirurgische System in der Schweiz ist in hohem Maße darauf angewiesen, dass qualifizierte Chirurg_innen aus dem Ausland zu rekrutieren, da die eigene Ausbildung nur begrenzt operative Erfahrung vermittelt. Wirklich regelmäßig operiert wird in der Regel erst auf Oberarztniveau, und auch die Assistenz erfolgt häufig durch Kolleginnen oder Kollegen auf einem vergleichbaren Ausbildungsstand."

So nun wie versprochen zu den positiveren Punkten:
Ich war sehr gerne in der Notaufnahme. Je nach Dienstbelastung und je nachdem mit welchem/welcher Assistänzärztin ich eingeteilt war, konnte ich selbstständig Patient_innen betreuen und die Fälle dann mit dem/der zuständigen Oberärztin rücksprechen. Gerade zum Ende hin konnte ich sehr eigenständig arbeiten. Wochenweise wechseln sich die Orthopäden mit den Chirurgen ab, so dass immer im Wechsel eine Woche Frühdienst und eine Woche Spätdienst auch von einem Unterassistenzen zu besetzen ist. Wir waren nur zu zweit, so dass wir uns meistens einfach abgewechselt haben, wir durften das aber immer selber einteilen.

Auch bei ambulanten Operationen durften wir häufiger assistieren und den ganzen Ablauf betreuen: von der Vorbereitung am Vortag (das macht man sowieso für alle Pateinten) über das Abgleichen der Patientendaten kurz vor dem Eingriff (siehe TTO) bis hin zum Verfassen der Berichte und der Entlassung der Patientinnen und Patienten nach erneuter Kontrolle des Operationsgebietes. Je nach Operationstag waren das von einem bis vier Eingriffe. Das waren dann Tage, die ein bisschen voller und ein bisschen erfüllter waren. Wenn ich schon wusste, dass ich am nächsten Tag viel im OP sein werde, habe ich meistens die Eintritte, die an dem OP Tag vorzubereiten wären, schon einen Tag früher bearbeitet. Das war meist problemlos möglich.

TTO:
Das ist die Abkürzung für Team-Time-out. So wie von der WHO empfohlen wir der erste Teil noch in der Tagesklinik zusammen mit dem Patienten gemacht. Dafür wurden wir regelmäßig angerufen wenn die Patienten da waren. Es empfiehlt sich zu fragen wie dringend es ist, da die Patienten meist einige Stunden vor der Operation schon eintreffen, hat man in der Regel viel Zeit um in die Tagesklinik zu kommen. Der UHU, der an dem Tag zuständig ist für die TTOs sollte sich morgens einmal in der Tagesklinik melden und seine Nummer hinterlegen. Momentan befindet sich das ganze System, eigentlich sogar das ganze Klinikum im Umbruch, so dass diese Aufgabe in Zukunft vielleicht sogar entfällt. Ab Frühjahr 2026 wird es einen neuen Chef geben, dies mag auch noch weitere Auswirkungen auf das Team und die Tagestruktur haben.

Dadurch, dass wir nur zu zweit waren und gewünscht war, dass immer einer für die Station zu Verfügung steht und der andere dann in der Notaufnahme war, konnten wir die Angebote wie das Skills Lab nur wenig nutzen. Auch von der Möglichkeit die Sprechstunde der Kaderärzte zu besuchen habe ich erst durch den Bericht, der kürzlich veröffentlicht wurde erfahren. Häufig hatte ich einfach meinen Laptop dabei und habe dann versucht den Leerlauf zu nutzen.


Freizeit:
Uznach ist an sich recht ruhig. Es gibt aber sowohl eine Schwimmhalle (die an 2 Abenden geöffnet hat) als auch ein kleines Kino, sowie ein Kloster, in dem ich recht aktiv war. Außerdem ist man in ca. 10 Minuten Bahnfahrt in Ziegelbrücke und dort dann schon umgeben von Bergen. Ich bin von dort sehr gerne weiter nach Amden gefahren um dort wandern zu gehen. Die Aussicht vom Leistchamm (2100m) ist wirklich unfassbar schön! Ein weiterer Tipp ist die Sauna der Linth Arena, die auch aus Ziegelbrücke gut zu erreichen ist. Sie Sauna an sich ist zwar recht klein, aber die Aussicht im Aufenthaltsraum und der Dachterrasse ist einfach herrlich. Ich bin sehr gerne Zug gefahren, da man auf den meisten Strecken eine wunderbare Aussicht hat und auch bis auf zwei kleinere Verspätungen immer alles reibungslos geklappt hat. Die Strecke von Zürich über Pfäffikon nach Uznach ist zwar etwas länger als die auf der anderen Seite des Züri Sees, aber bei guter Sicht auch wirklich deutlich schöner.
Zu Fuß ist der nächste Einkaufsladen eher 30-40 Minuten entfernt. Das geht, ich bin nicht verhungert, aber wenn man ein Fahrrad oder Auto dabei hat ist das schon deutlich entspannter.

Ideal ist dieser PJ Platz für jemanden, der nicht sonderlich scharf darauf ist viele im OP zu lernen, aber Freude an kleineren Eingriffen entwickeln kann. Wer stundenlanges Blutabnehmen und im OP angeschrien werden in Deutschland eintauschen will gegen entspanntes arbeiten vor dem PC und das in einem super lieben Umfeld wird auch bestimmt glücklich mit der Stelle.
Bewerbung
ca. 3-2,5 Jahre vorher
Unterricht
1x / Woche
Inhalte
Sonst. Fortbildung
Tätigkeiten
Notaufnahme
Botengänge (Nichtärztl.)
Briefe schreiben
Untersuchungen anmelden
Mitoperieren
Chirurgische Wundversorgung
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
16:00 bis 17:00 Uhr
Studientage
Frei verfügbar
Tätigkeiten
Essen frei / billiger
Unterkunft gestellt
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Mittagessen regelmässig möglich
Kleidung gestellt
Gehalt in EUR
600-900
Gebühren in EUR
54 (einmalig an die Uni Zürich)

Noten

Team/Station
1
Kontakt zur Pflege
2
Ansehen des PJlers
2
Klinik insgesamt
3
Unterricht
2
Betreuung
5
Freizeit
1
Station / Einrichtung
2
Gesamtnote
3

Durchschnitt 2.6