PJ-Tertial Neurologie in Sana Klinken Luebeck (9/2025 bis 11/2025)

Station(en)
Stroke Unit, Periphere, ZNA
Einsatzbereiche
Notaufnahme, Station
Heimatuni
Luebeck
Kommentar
Disclaimer zu Beginn: ich übe hier glaub ich verhältnismäßig viel Kritik, die ganze Abteilung ist aber unfassbar nett! Während meines Tertials waren ein paar Stellen unbesetzt, was zu einem hohen Workload aller Ärzt*Innen geführt hat und es somit wahrscheinlich nicht ganz repräsentativ zum Normalzustand macht. Trotz dieser hohen Belastung waren alle stets respektvoll, nie gereizt zu den PJ-lern und haben viel Wert darauf gelegt, dass wir trotzdem eine sehr schöne Zeit haben. Das ist eine Herkulesaufgabe und muss hoch angerechnet werden, das ist definitiv nicht überall so.

Organisation:
Am ersten Tag gibt es im Sekretariat Schlüssel (inkl. Spind), Transponder und Namensschild, danach wird man direkt zum Arztzimmer gebracht. Sprich: eine klassische Einführungsveranstaltung gibt es nicht, einem wird dann entweder von den Assistenzärzten (AA) oder dienstälteren PJ-lern das Notwendige, wie z.B. Wäscheautomat und Umkleiden, gezeigt. Am dritten Tag haben wir ein kleines PJ-Heft bekommen, da war ein Lageplan drin, der mir enorm geholfen hat. Wenn es den am ersten Tag gegeben hätte, wäre es perfekt gewesen :) Ansonsten lief die Orga über das Sekretariat sehr freundlich und unkompliziert, Fehltage gibt man per Mail dorthin weiter. Es gibt einen Studientag pro Woche, den man sich lege kann, wie man möchte. Ein anderer PJ-ler ist zwischendurch mal bei Diensten am Wochenenden mitgelaufen und hat somit vorgearbeitet, weil er in der Woche drauf was vor hatte. Also auch da sind alle sehr nett und flexibel.
Schade ist nur, dass man keinen eigenen IT-Zugang und keine Schulung zu den Klinikprogrammen bekommt. Es gibt einen allgemeinen PJ-Account, auf dem sind aber zum Beispiel einige Funktionen nicht freigeschaltet, sodass man darüber zum Beispiel keine Visiten-Dokumentationen durchführen kann und dafür den Account eines Assistenzarztes mopsen muss. Das Programm (M-Kiss) kannte ich persönlich vorher gar nicht, sodass es mir ohne Schulung doch recht schwer gefallen ist, rein zu kommen. Es sind zwar alle sehr nett und zeigen einem bei Fragen was man gerade braucht, aber da die AA natürlich auch so viel zu tun haben, wäre eine Umverteilung dieser Aufgabe für beide Seiten schön. Ich habe gehört, dass es an einigen Kliniken einfach online Schulungsvideos zu den PC-Programmen gibt (man braucht kein extra Schulungspersonal und jeder kann sie sich über seinen IT-Account selbstständig ansehen). Möglicherweise ist das bei dieser Klinik auch so? Ich wurde nicht darauf hingewiesen und es gab keine Merkblätter dazu, aber ich habe auch nicht explizit danach gefragt weil ich es aus meinem ersten Tertial nur mit Präsenzschulungen kannte, über die wir schon vor Start des Tertials informiert wurden. Aber hier hätte vermutlich mehr Eigeninitiative am Anfang von mir nicht geschadet, kann ja auch schlichtweg einfach mal vergessen worden sein von der Klinik.
Essen ist für PJ-ler gratis, die Assistenzärzte schaffen es nicht alle immer jeden Tag zum Essen, schicken uns aber immer, also auch wenn es stressig ist muss man als Studi nicht aufs Mittag verzichten. Bei den PJ-Kollegen in der Chirurgie war das nicht der Fall ;)
Es gab keine festen Rotationen, wir haben uns wochenweise selbst eingeteilt. So kann man alles sehen und auch mal flexibel dahin gehen, wo Hilfe gebraucht wird.
Arbeitszeit war von 8 bis 16.30 Uhr, es war aber überhaupt kein Problem wenn man mal wegen eines Termins später gekommen ist. An solchen Tagen bin ich dann einfach etwas länger geblieben, da waren alle sehr verständnisvoll.

Stimmung/Kollegium:
Es ist eine unfassbar nette Abteilung! Ich glaub ich habe noch nie eine Station erlebt, wo es keinen einzigen "gruseligen" Oberarzt gibt. In jeder Famu und jeder Rotation in meinem ersten Tertial gab es immer mindestens einen Oberarzt/ärztin, die grundsätzlich schlecht gelaunt, gereizt, respektlos etc. war, sodass Assistenten immer Angst hatten die anzurufen. Aber hier: Fehlanzeige, alle super freundlich! Auch die Therapeuten, Pflege und alle anderen Kollegen auf den Stationen sind freundlich und helfen einem, wenn man Fragen hat. Man wird auch ermutigt bei den Kollegen der Funktionsdiagnostik reinzuschauen (sehr zu empfehlen, die AA waren mehrfach so lieb für mich extra dort nachzufragen), man dürfte auch bei der Neuropsychologin und den Therapeuten mitlaufen (habe ich am Ende leider nicht mehr geschafft, ist aber bestimmt super spannend).

Unterricht:
Es gibt tatsächlich laut Plan 4x pro Woche Unterricht! Drei mal Seminare und Mittwochs darf man mit zum Sonokurs, den Dr. Burmester für seine Assistenzärzte aus der Inneren gibt. Hier guckt man zwar eher nur zu, sieht aber viele spannende Pathologien und bekommt viele Tricks und Tipps zur Abdomensonographie mit, plus Herr Burmester ist einfach spitze und super nett. Es wurde sogar eine Unterrichtseinheit am Sonosimulator angeboten, was auch sehr viel Spaß gemacht hat. Die Seminare sind zu allen möglichen Themen aus allen Fachrichtungen und qualitativ - wie überall - sehr vom Dozenten abhängig. Es waren richtig gute Kurse dabei mit viel Interaktion, Fallbesprechungen, ein EKG- und Nahtkurs sowie einen kleinen Einblick in die Diabetesschulung. Aber natürlich sind auch nicht so gute Seminare dabei, wo eigentlich nur 45 Minuten Powerpoint runtergerattert wird wie in einer Vorlesung ohne jegliche Interaktion. Hin und wieder fällt der Unterricht aus, aber das passiert im Klinikalltag nun mal. Dafür sind 4 Termine pro Woche ja auch wirklich reichlich.

Klinikalltag und Aufgaben:
Hier gibt es leider kein konkretes Lehrkonzept. Ja, Ziel ist grundsätzlich, dass die PJ-ler eigene Patienten betreuen sollen. Was genau dies bedeutet, also welche Aufgaben konkret übernommen werden dürfen/sollen, ist leider niemandem bekannt bzw. jeder interpretiert es anders. Also ist es super abhängig davon, bei wem man mitläuft. Alle sind dabei sehr sehr sehr nett und wirklich bemüht, sagen einem zum Beispiel immer Bescheid damit man viele Lumbalpunktionen üben darf. Bei den Lumbalpunktionen habe die AA mega viel Geduld mit einem und geben viele Tipps, da lernt man bei jedem Mal etwas dazu. Wenn man eigene Patienten betreut, werden doch noch relativ viele Aufgaben trotzdem vom entsprechenden AA selber übernommen. Ich habe zum Beispiel kein einziges Mal im M-KISS eine Untersuchung angeordnet oder Anforderung gestellt, da sie dies immer zwischendurch mal fix gemacht haben. Briefe habe ich zwar oft angefangen, Punkte wie die finale Diagnose und die Entlassempfehlungen habe ich mir oft bis zum Schluss aufgehoben, wenn alle Befunde da sind. Wenn ich dann los für einen Schellong- oder MoCA-Test bin, war der Brief bei meiner Rückkehr oft schon vom AA fertig gestellt und zur Korrektur an den OA geschickt. Klar, dadurch geht es viel schneller, die Übung den Brief wirklich mal vollständig selbst fertig zu stellen, hätte ich jedoch gern öfters gehabt. Visiten wurden von den meisten AA in der Regel selber durchgeführt, häufig ist auch Oberarzt- oder Chefarztvisite, die dann vollständig von denen durchgeführt wird. Auf der Stroke Unit habe ich kein einziges Mal ein Rating durchgeführt, allein natürlich nicht verantwortlich, unter Aufsicht aber vermutlich schon. Es ist drei Mal vorgekommen, dass ich während der Oberarztvisite gebeten wurde, mal eine Untersuchung zu machen. Dafür gab es dann hinterher Feedback und Tipps, was sehr wertschätzend und hilfreich war, nur eben im gesamten Tertial nicht so oft vorgekommen ist. Die Visite mal selber durchzuführen durfte ich bei vereinzelten Kollegen und diese dann auch dokumentieren. Das hat sehr viel Spaß gemacht und war eine super Übung, war aber leider nicht der Standard. Kommunikation mit den Angehörigen sowie Planung der Gegebenheiten nach der Entlassung, wurden in der Regel auch von den Ärzten erledigt. Man hat hin und wieder Papierbögen für die Phase-D-Reha ausfüllen können, alles was über das PC-Programm lief, wurde von den Ärzten selbst erledigt. So habe ich mich alles in allem bei der Betreuung meiner eigenen Patienten nicht so richtig nützlich gefühlt, da viele Aufgaben eben gar nicht von mir selbst durchgeführt wurden. Zumindest konnte man sich mit der Durchführung kleiner Tests und vereinzelten Blutabnahmen nützlich machen, da waren die Ärzte sehr dankbar und haben es einem auch nie gezwungen aufgedrückt. Es gibt im übrigen sehr liebe MFAs die die Blutabnahmen und Braunülen erledigen, da wird man also nicht jeden Tag stundenlang mit geknechtet wie in anderen Kliniken :)
In meinem ersten Tertial gab es auf einer Station ein cooles einheitliches Lehrkonzept, was bei allen Seiten zu hoher Zufriedenheit geführt hat: PJ-ler machen quasi das Gleiche wie die AA, nur natürlich mit deutlich weniger Patienten und viel mehr Rücksprache/Aufsicht. Die AA waren nicht für die PJ-ler verantwortlich, sondern ein fester OA. Mit dem hatte man einmal vormittags und einmal nachmittags Besprechung. Da ist man genau durchgegangen, was für den Patienten geplant ist, was zu erledigen ist und was es an neuem Befunden gab. Nach den Besprechungen ist man zusammen zur Visite, die der PJ-ler immer selbst durchgeführt hat. Neue Befunde, Vitalwerte und Blutergebnisse musste man vorher vorbereiten und parat haben. Die besprochenen Anforderungen mussten die Studierenden danach selber im PC-Programm eingeben, ebenso die Visite dokumentieren. Auch jegliche Kommunikation mit den Angehörigen und die Einschaltung des Sozialdienstes sowie die Organisation von Geri-Plätzen war PJ-Aufgabe (außer natürlich bei sehr heiklen Gesprächsthemen wie schwerwiegende Diagnosen, Therapielimitationen etc.). So hat man alles an Aufgaben geübt, die anfallen und später für den Beruf wichtig sind und hat den AA nicht zusätzliche Arbeit produziert. Die AA haben einem bei Fragen geholfen, im Gegenzug hat man ihnen kleinere Aufgaben abgenommen. Vielleicht ist ein solches Konzept auch hier denkbar? Vermutlich gibt es einige Limitationen, da die Diagnosen und Konsequenzen für die Patienten und ihre Angehörigen teilweise schwerwiegender sind, als in anderen Fachbereichen. Einige AA hatten selber schon angemerkt, dass es mit dem aktuellen "Konzept" nicht so richtig super läuft, auch bei ihnen damals schon. Da sie da aber nicht am längeren Hebel sitzen wurde schon überlegt, sich diesbezüglich mal mit den OA zusammenzusetzten. Das finde ich mega stark, erstmal die Selbstreflexion zu haben und da offen für was Neues zu sein.
In der ZNA habe ich an einigen Tagen ausschließlich internistisch untersucht und Patienten zu Untersuchungen gefahren. Absolut verständlich, dass es an stressigen Tagen mal so ist oder bei zeitkritischen Patienten in FAST-Tracks sowieso. Aber selbst außerhalb solcher Situationen ist es vorgekommen, da ist man dann einfach super frustriert, weil man eben das Gefühl hat, nicht wirklich viel mitzunehmen. Wenn man bei einem Patienten selbst Anamnese und neurologische Untersuchung durchführen durfte, hat es nach der Dokumentation und Weitergabe der erhobenen Befunde meist leider meist schon geendet. Man durfte zum nächsten Patienten für Anamnese/Untersuchung, währenddessen hat der AA sich den Patienten noch einmal angeschaut. Wenn man sich hinterher im Arztzimmer wieder getroffen hat, hat der AA kurz berichtet ob er noch etwas anderes in der Untersuchung gesehen hat und manchmal was er nun für Diagnostik und den weiteren Verlauf beschlossen hat. Und genau dieser Part mit dem "Was habe ich eigentlich für Differenzialdiagnosen? Welche Diagnostik würde ich jetzt anordnen? Muss der Patient aus meiner Sicht aufgenommen werden oder kann nach Hause? Wie könnte die Therapie aussehen?" ist soooooo wichtig für uns! Da müssen wir eigentlich selber Ideen entwickeln und sie nicht fertig vorgesetzt bekommen bzw. gar nicht besprochen bekommen. Das sollen wir schließlich auch lernen und müssen es im M3 können, es bleibt aber super oft auf der Strecke. Ich kann verstehen, dass es natürlich ein extra Zeitaufwand ist, die PJ-ler danach zu befragen, weil das natürlich deutlich langsamer ist als wenn die Ärzte es einfach fix selbst beschließen und anordnen. Zeit, die häufig einfach nicht da ist, wenn die ZNA aus allen Nähten platzt. Genau dasselbe Dilemma hatten wir in der ZNA in meinem ersten Tertial auch, also es scheint ein Universalproblem an vielen Kliniken zu sein. Vielleicht wird es oft auch einfach nur von den Beteiligten vergessen, dass dieser Part für die Studierenden so essentiell ist. Ich habe das gegen Ende bei vereinzelten Kollegen angesprochen. Möglicherweise würde es schon helfen, dass allen noch einmal ins Gedächtnis zu rufen und diesen Punkt zu standardisieren, also der PJ-ler bekommt kurz Zeit (z.B. während der AA sich den Patienten selbst anschaut) sich zu diesen vier Standardfragen seine Gedanken zu machen und darf diese dann dem AA fix vorstellen. Es gab Kollegen, bei denen war dieses Brainstormen bereits Bestandteil im Umgang mit uns. Es war nur eben leider eine Ausnahme und kein Standard.
Ich habe im ersten Monat auf Nachfrage des Chefs durchblitzen lassen, dass es in meinem Empfinden für die Lehre aus Kapazitätsgründen aktuell nicht so viel Raum gibt. Das fand der gar nicht gut, hat mich ein bisschen zusammengebügelt mit den Worten "was erwarten sie denn, Frontalunterricht? Wenn sie das Gefühl haben nicht ausreichend zu lernen, müssen sie mehr Eigeninitiative zeigen" und hat daraufhin die AA etwas grummelig zu mehr Betreuung aufgefordert. Da hätte ich deutlich mutiger sein müssen und ihm da meine konkreten, hier oben aufgelisteten Punkte, erläutern sollen, denn mit Lehrkonzept meine ich schließlich alles andere als Frontalunterricht. Mir ging es um einheitliche Vorgaben und klare Aufgabenklärung für Betreuende und PJ-ler. Zumal ich es nicht fair finde, den Frust dann an den AA auszulassen, die bei ohnehin enormen Workload mit der PJ-Betreuung quasi komplett allein gelassen werden und keine konkreten Vorgaben dafür erhalten, an denen sie sich orientieren können. Seitdem hatte ich ehrlich gesagt etwas Angst vorm Chef und habe keinerlei Kritik mehr geäußert. Vermutlich unbegründet, in den vorherigen Bewertungen wurde er ja immer sehr nett und der Lehre zugewandt skizziert. Wir haben uns in der Situation am Anfang vermutlich nur ziemlich missverstanden. Da lohnt es sich also bestimmt, es nochmal anzusprechen. Ich bin vermutlich auch einfach sehr verwöhnt von meinen Erfahrungen auf der einen Station aus dem ersten Tertial gewesen.

Fazit: Die Neuro der Sana Lübeck ist eine unheimlich nette Abteilung, in der selbst in stressigen Situationen freundlich miteinander umgegangen wird. Die PJ-Rahmenbedingungen wie regelmäßiger Zugang zum Mittagessen und Unterricht, Arbeitszeiten sowie Einsatzbereich sind gut. Man wird nicht als Blutabnahmelakai verheizt, es wird sich hingegen sehr bemüht, dass man mit Nadeln für Lumbalpunktionen ordentlich umzugehen lernt :) Entscheidungen zu treffen und eigene Strukturen zu entwickeln wird aufgrund des fehlenden Lehrkonzeptes nur vereinzelt gefördert, aber hier gibt es bestimmt Luft nach oben wenn man es immer wieder konkret adressiert und nicht aufhört sich zu trauen, Dinge anzusprechen.
Bewerbung
Ganz normal über das PJ-Portal
Unterricht
4x / Woche
Tätigkeiten
Notaufnahme
Braunülen legen
Rehas anmelden
Punktionen
Eigene Patienten betreuen
Patienten untersuchen
Botengänge (Nichtärztl.)
Briefe schreiben
EKGs
Blut abnehmen
Patienten aufnehmen
Dienstbeginn
Nach 8:00 Uhr
Dienstende
16:00 bis 17:00 Uhr
Studientage
1x / Woche frei
Tätigkeiten
Kleidung gestellt
Mittagessen regelmässig möglich
Essen frei / billiger
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Gehalt in EUR
400

Noten

Team/Station
1
Kontakt zur Pflege
2
Ansehen des PJlers
2
Klinik insgesamt
2
Unterricht
2
Betreuung
2
Freizeit
2
Station / Einrichtung
2
Gesamtnote
2

Durchschnitt 1.93