PJ-Tertial Gynäkologie in New Somerset Hospital (1/2024 bis 4/2024)

Station(en)
Labour Ward, Postnatal Ward, Gynae Ward, Ambulanzen
Einsatzbereiche
Station, Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde, OP, Notaufnahme, Diagnostik
Heimatuni
Berlin
Kommentar
Ich hab das Tertial in Kapstadt sehr geliebt.

Mein Glück war glaube ich, dass gerade Ferien waren und keine einheimischen Studis da waren, als ich angefangen habe. Einer der Consultants (aka Oberarzt) hat mich am ersten Tag herumgeführt und mich mitgenommen zu seinem Unterricht der Interns (etwas zwischen PJler und AÄ), sodass ich dann irgendwie zu den Interns gehört habe. Als etwas später die Studis dazu kamen, habe ich schon gemerkt, dass es etwas weniger Aufgaben für mich gab, aber ich konnte eigentlich immer machen, was ich wollte, und hab das auch voll ausgekostet.

In Südafrika herrscht eine ganz andere Teaching-Kultur als bei uns. Es wird sehr viel erklärt, gezeigt und selbst gemacht. Ich hatte im Vorhinein etwas Sorge davor, als "Medizintouristin" dort Sachen machen zu dürfen, die ich eigentlich noch nicht kann und nicht machen sollte. Vor Ort habe ich es aber nicht so empfunden. Ich wurde einfach behandelt wie die einheimischen Interns und nachdem man etwas erklärt bekommen hatte, sollte man es üben.

Im Kreissaal durfte ich Patientinnen aufnehmen und untersuchen, die Hebammen bei den Geburten begleiten, die Neugeborenen messen und wiegen. Ich habe sehr viele Kaiserschnitte als 1. Assistenz mitoperiert. Auf der Gyn-Station konnte man Visite machen und die Patientinnen vorstellen, Pap-Abstriche nehmen, im OP assistieren, ich habe sehr viele Verhütungs-Stäbchen selbstständig in Arme implantiert. Man konnte jederzeit in die "Clinics" (Ambulanzen) oder in die Notaufnahme gehen, da gab es je nach Wochentag eine antenatal clinic, gynae clinic, pessary clinic (da konnte ich auch Pessare wechseln,..), es gab Hysteroskopie und Kolposkopie, ich hab Spiralen eingesetzt und bei Konisationen assistiert.

Ein paar Tage lang hat es mich in die Schwangerschafts-Abbruch-Abteilung verschlagen. Da gibt es 1-2x/Woche die Ersttrimester-Abtreibungen, die werden alleine von einer Hebamme mit manueller Absaugung durchgeführt. Sie hat es mir einmal gezeigt und dann durfte ich das unter ihrer Aufsicht selbst machen. Mich hat das im Nachhinein etwas belastet, weil die Atmosphäre und auch die medikamentöse Unterstützung für die schwangeren Menschen eher kühl und dürftig waren. Einmal die Woche kam eine externe Ärztin, die Zweittrimesterabtreibungen durchgeführt hat (das ist in Südafrika bis zur 20. Woche bei mütterlichem Wunsch möglich). Ihr habe ich assistiert, was ich ebenfalls rückblickend etwas belastend fand. Ich schreibe das hier, weil dort anscheinend sonst nie Pjler/Studis hingehen, und ich es sehr lehrreich, aber eben auch etwas belastend fand.

Allgemein gab es natürlich Dinge, die anders laufen als in Deutschland und bei denen vor allem durch Ressourcenmangel schwer auszuhaltende Versorgungslücken entstehen (zB Frühchen, die lebend zur Welt kommen und dann ohne Unterstützung sterben. Oder langwierige Operationen, bei denen dann etwas rauskommt, was man auch in einem MRT hätte sehen können).

Die Stimmung zwischen den Ärzt*innen und anderen Berufsgruppen war super, wertschätzend und meist fröhlich. Freitags wurde immer zusammen gefrühstückt. Ich konnte Pause machen und gehen wann ich wollte. Dem Chefarzt war es sehr wichtig, dass ich auch etwas von dem wunderschönen Land sehe. Ich habe in Bo Kaap gelebt und fand es sehr schön dort mit toller Nachbarschaft (es ist ein historisches Viertel der Coloured People); die Kriminalitätsrate ist wie im ganzen Land natürlich höher als bei uns. Tagsüber hab ich mich sicher gefühlt, im Dunkeln bin ich nicht alleine herumspaziert.

.. was mich zum Freizeitfaktor von Kapstadt bringt: es ist wirklich einer der schönsten Orte, an denen ich je war. Die Berge direkt am Meer, das Klima, die Pflanzenwelt, die Stadt sind einfach unfassbar schön und was ich vom restlichen Land sehen konnte, auch. Es lohnt sich auf jeden Fall.
Ich finde es wichtig, bei all dem im Blick zu behalten, wie rassistisch und kolonial vieles in der Geschichte dieses Landes und auch noch in der Gegenwart ist; und dass man den Menschen, deren Heimat das ist und die dort unter oft unhaltbaren Bedingungen arbeiten, den nötigen Respekt zollt.

Der Chefarzt wollte bald in Rente gehen und Dr. Kennedy sollte die Rolle übernehmen - ein sehr toller Arzt, grüßt ihn von mir wenn ihr dort seid :)
Bewerbung
Es braucht leider sehr viel Vorlaufzeit (etwa 1,5 bis 2 Jahre), wobei es in der Chirurgie schwieriger ist als in anderen Fächern, soweit ich mitbekommen habe.
Habe mich direkt per Mail bei Susan ([email protected]) beworben.
Unterricht
5x / Woche
Inhalte
Sonst. Fortbildung
Fallbesprechung
Nahtkurs
Patientenvorstellung
Tätigkeiten
Patienten untersuchen
Blut abnehmen
Notaufnahme
Chirurgische Wundversorgung
Botengänge (Nichtärztl.)
Patienten aufnehmen
Mitoperieren
Poliklinik
Braunülen legen
EKGs
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
Vor 15:00 Uhr
Studientage
Frei verfügbar
Tätigkeiten
Mittagessen regelmässig möglich
Gebühren in EUR
etwa 450€/Monat

Noten

Team/Station
1
Kontakt zur Pflege
1
Ansehen des PJlers
1
Klinik insgesamt
1
Unterricht
1
Betreuung
1
Freizeit
1
Station / Einrichtung
1
Gesamtnote
1

Durchschnitt 1