Organisation:
Wer in Freiburg studiert, kann einfach über das International Office der Uni Freiburg im CC an Nagoya schreiben und ca 1 Jahr im Voraus anfragen, ob in dem Wunschzeitraum Kapazitäten frei sind.
Gleichzeitig muss nochmals explizit nach Student Housing gefragt werden.
Es ist eigentlich realistisch nur möglich, ein halbes Tertial in Chirurgie zu machen, wenn man in BaWü studiert. Es wird zur Anrechnung entweder ein Sprachnachweis Japanisch B2 gefordert oder Japanisch A1 + ein Nachweis, dass die Verkehrssprache Englisch ist. Letzteres wurde einer Kommilitonin ohne Probleme ausgestellt. Ich selbst hatte einen B2 Nachweis.
Die geforderten Unterlagen sind der Website des International Office Nagoya zu entnehmen. Rechtzeitig kümmern um eventuelle Sprachnachweise, gültigen Reisepass, Dekansbrief, Tuberkulose-Test etc.
Die zur Anrechnung notwendigen Dokumente sind er Website des LPA BaWü zu entnehmen. Die Äquivalenzbescheinigung bekommt man in Freiburg gegen Nachweis von Anwesenheit und dem PJ Logbuch. Die Ärzte in Japan unterschreiben da ohne groß nachzufragen.
In Nagoya kommt man im International Wohnheim Yamate unter. Das ist leider ein gutes Stück von der Uniklinik entfernt, aber es fährt ein Bus durch.
Die Miete beträgt knapp 200 Euro im Monat (je nach Stromverbrauch) und kann im Lawson (Konbini) um die Ecke gezahlt werden.
Das Wohnheim ist geschlechtergetrennt und gepflegt. Meine Mitbewohnis waren super lieb und wir waren öfter zusammen unterwegs.
In der Uniklinik selbst bekommt ihr eine Art Mitarbeiterausweis, die auch als Key Card fungiert. Kittel selbst mitbringen oder im Coop auf dem Campus einen kaufen.
Ich selbst hatte am meisten organisatorischen Kontakt mit Frau Mamiko Tanaka, die sehr bemüht ist aber unglaublich bürokratisch und langsam. Irgendwie findet sich aber immer eine Lösung.
Fachliches:
Ich war 4 Wochen in der Herz- und 4 Wochen in der Thoraxchirurgie.
Da das Medizinstudium in Japan anders läuft als in DE hat man den Stand eines Medical Students. Das Äquivalent von den Befugnissen und dem Wissensstand her (meiner Meinung nach) wäre der Resident Physician in Japan, diese haben aber bereits ihren Abschluss.
Konkret heißt das, man bekommt einen Arzt als Betreuer zugeteilt, der mal mehr, mal weniger gut Englisch spricht (die wenigsten Japaner können Englisch) und einen etwas herumführt und Dinge erklärt.
Ansonsten steht man viel im OP und schaut zu. Manchmal darf man auch steril an den Tisch, entweder zum Zuschauen oder zum Haken halten/Nähen.
In Japan ist das Studium noch viel theoretischer als in DE. Man darf also nicht viel machen, aber bekommt dafür nach der OP einiges erklärt.
Oder man hat Glück und es sind andere medical students/Residents da, die gut Englisch können und live dolmetschen.
Ansonsten wird man auch mal zum Mittagessen oder abends in einen Izakaya eingeladen. Die anderen medical Students sind auch manchmal interessiert, zB wenn sie selbst planen einen Austausch nach Freiburg/DE/Europa zu machen.
Dadurch, dass man A) "medical student status" und B) foreigner status hat kann man auch großzügig sein mit den "Arbeitszeiten".
Lernzuwachs ist natürlich insgesamt eher gering, Stationsarbeit darf man vielleicht mal zuschauen, aber viel machen kann und darf man nicht. Es sei denn ihr sprecht wirklich JLPT N1 Japanisch.
Alles Andere:
Wer nach Nagoya geht, will wahrscheinlich vor allem das Land sehen. Und das kann man. Nagoya selbst ist als Reiseziel eher unbeliebt, dafür liegt es super zentral und es ist nicht so teuer wie in Tokyo oder überlaufen wie in Kyoto.
Ich kann Nagoya daher nur empfehlen, vielleicht nicht wenn man groß die Herzchirurgie lernen möchte (obwohl die schon sehr krasse Eingriffe machen) aber wenn man 2 Monate in Japan leben möchte.
P.S.: Die Thoraxchirurgie hat nur 3-4 Tage/Woch überhaupt einen Saal zum operieren. Just saying.
Bewerbung
Über das International Office Nagoya über das Foreign Office Freiburg; ca 1 Jahr im Voraus