Allgemeines
Am ersten Tag findet zunächst eine Einführungsveranstaltung mit allen PJLern und der PJ-Beauftragten statt in der organisatorisches geklärt wird und man eine kleine Führung durch das Haus bekommt. Man bekommt Kleidung und einen Schlüsselchip gestellt. Um einen Computerzugang muss sich jedoch jeder selbst kümmern und dafür ein Formular bei der Chefsekretärin des jeweiligen Fachbereichs ausfüllen. Es gibt keine Telefone oder Spinds für PJler. Personalumkleiden bzw. einen Schlüssel dazu gibt es nicht auf jeder Station, ich habe mich während meiner ersten Rotation eigentlich immer auf der Personaltoilette umgezogen. Studientage gibt es ebenfalls nicht.
Mittagessen bekommt man umsonst. Man kann zwischen zwei Hauptgerichten auswählen oder ein drittes, „besseres“ Gericht wählen, welches dann einen Euro kostet. Das Essen ist okay, aber nicht mehr. Pro Tag steht einem als PJler eine (1) 0.75l Flasche Sprudelwasser zu.
Den Schlüssel für das Personalwohnheim kann man unkompliziert an der Infotheke der Klinik abholen, man muss nicht mal eine Empfangsbestätigung oder so unterschreiben. Das „Wohnheim“ sind eigentlich ein paar Wohnungen, die das Klinikum in einem kliniknahen Mehrfamilienhaus angemietet hat und in denen man in 3er oder 4er WGs wohnt. Der Großteil der PJler war hier untergebracht, wodurch man sich nach Feierabend oder am Wochenende unkompliziert auch spontan treffen konnte. Vom Vibe her liegen die Wohnungen irgendwo zwischen gut belebter Studenten-WG und in die Jahre gekommenen Hotel. Ich finde trotzdem das alles ziemlich gut in Schuss gehalten war. In jedem Zimmer gibt es einen großen Schrank, Schreibtisch, Sessel, Nachttisch, Dokumententisch mit Schubladen und einen Fernseher (auf dem man sogar fünf Sender empfangen kann). Handtücher, Bettwäsche und Trockentücher sind gestellt, die Küche ist gut ausgestattet, man muss wirklich nichts mitbringen. Beim Zimmerbezug gilt first come first serve, die Zimmer werden nicht explizit zugeteilt. Die Zimmerschlüssel, die man teilweise bekommt funktionieren außerdem für alle Zimmer. Einmal in der Woche kommt eine Putzfrau, die grob den Flur und das Badezimmer putzt, wenn man seine Zimmertür zu macht geht sie nicht in die Zimmer rein. Ein Problem ist tatsächlich aber das Internet, es gibt im Wohnheim nämlich keins. Das ist meiner Meinung nach nicht wirklich zeitgemäß, im Endeffekt muss man sich selber um einen Internetvertrag kümmern. Ein Lidl, Getränkemarkt und Bäcker sind fußläufig ca. fünf Minuten entfernt, ein Edeka, ein zweiter Bäcker und eine Tankstelle ca. 20. Zum Klinikum braucht man zu Fuß circa zehn Minuten.
PJ-Unterricht findet dreimal die Woche statt, montags von den Chirurgen, dienstags von der Anästhesie und donnerstags von den Internisten. Der Anästhesie Chef macht den PJ-Unterricht immer selbst und ist dem hinterher, dass dieser jede Woche stattfindet. Der Unterricht bei ihm war immer qualitativ top, Themenwünsche von uns wurden immer beachtet, unabhängig davon ob es um theoretische Inhalte oder das Üben von praktischen Fähigkeiten ging. Bei den anderen Fächern muss man sich selbst hinterherhängen, dass der Unterricht stattfindet. Wenn wir nicht aktiv bei den Dozenten angerufen hätten wären wir wahrscheinlich öfter vergessen worden. Wenn er stattgefunden hat war der Unterricht aber auch qualitativ in Ordnung. Von der Geschäftsleitung wird allerdings gefordert, dass der Unterricht erst nach offiziellem Feierabend d.h. frühestens ab 16 Uhr stattfinden darf. Allerdings kann man meistens mit den Dozenten aushandeln, dass man sich während der Arbeitszeit trifft und wenn es doch mal erst um 16 Uhr geht kann man sich die Stunde als Überstunde aufschreiben und irgendwann abfeiern.
Station KA1
Die Kardiologie Normalstation. Ich hatte eine durchmischte Zeit dort. Man sieht auf jeden Fall die Standard Kardio Krankheitsbilder wie Vorhofflimmern und dekompensierte Herzinsuffizienz zur Genüge und auch beim EKG-Auswerten gewinnt man an Routine. Während ich dort war war die Station an sich gut besetzt, jedoch hatten zwei der drei Assistenzärzte gemeinsam mit mir ihren ersten Tag. De facto war also nur ein Assistent da, der sich für Lehre zuständig gefühlt und mich unter seine Fittiche genommen hat. Der war im Verlauf meiner Zeit dort auch tatsächlich sehr bemüht mir was beizubringen, was aber teilweise schwierig war da er auch für die zwei anderen Neuen oft der Ansprechpartner war. Ein Zimmer zu übernehmen war an sich möglich und auch gewünscht, aber dadurch, dass es im Arztzimmer zu wenig Computerplätze gab war das schwierig, da einem dadurch der Zugang zu den Patientendaten fehlte. Eine meine zugeteilten Hauptaufgaben hier war nichtsdestotrotz vor allem das Arztbriefschreiben, auch wenn ich dabei immer wieder von meinem Arbeitsplatz verscheucht wurde. Wobei ich da positiv hervorheben kann, dass ich gerade anfangs zu jedem Brief auch Feedback bekommen habe und mich dadurch qualitativ schnell verbessern konnte. Super war außerdem der polnische Oberarzt, der sich in den OA-Visiten immer Zeit für Lehre genommen hat, mich proaktiv ins Herzkatherlabor mitgenommen und extra EKGs mit interessanten Pathologien mitgebracht hat um sie mir zu zeigen. Den Chefarzt habe ich in meiner ganzen Zeit dort nur einmal gesehen.
Es gibt theoretisch MFAs aus der Diagnostik, die die Blutabnahmen und Viggos übernehmen, die sind jedoch regelmäßig nicht gekommen, da es in der Diagnostik zu viel zu tun gab. Daher sind diese Aufgaben auch oft an mir hängen geblieben.
Station 10B
Die allgemein internistische Station für Gastroenterologie, Pneumologie, Diabetologie und Onkologie (wobei die meisten Onko Patienten auf der 10A sind). Hier war es ebenfalls durchwachsen. In meinen ersten drei Wochen war täglich nur ein Assistenzarzt für die ganze Station da, der sehr gestresst und überarbeitet gewirkt hat. Zeit für Lehre oder Erklärungen war von ihm war quasi überhaupt nicht da. Ich war zwar die ganze Zeit über beschäftigt, aber halt mit Aufgaben, die extrem repetitiv waren und mich fachlich nicht weitergebracht haben, z.B. Konsilanforderungen ausfüllen oder Aufklärungen ausdrucken (nicht durchführen, ausdrucken). Ein Zimmer zu übernehmen war zwar explizit gewünscht, aber in der Situation nicht wirklich möglich, da der Assistent einfach zu viel zu tun hatte um mich vernünftig dabei zu unterstützen. Bei Punktionen (Aszites, Pleura, Knochenmark, Arterien) durfte ich nur zuschauen, angeboten mal selber unter Supervision zu punktieren wurde mir nie bzw. ergab sich im stressigen Stationsalltag dazu nie die Gelegenheit. Was ich tatsächlich gut fand war, dass ich viele Patienten, die elektiv kamen, selber aufnehmen konnte und dadurch Anamnese und internistische körperliche Untersuchung noch weiter routinieren konnte.
Ich bin dann zwei Wochen fremdrotiert und die letzte Woche war deutlich besser. Es waren zwei Assistenten auf Station, davon eine, die direkt gesagt hat, dass ich ein Zimmer übernehmen kann und soll und sie mir bei Fragen natürlich zur Verfügung stehe. Das hat dann auch gut geklappt.
Der Chefarzt hier ist ein etwas spezieller Typ, allerdings war er auch der einzige bei dem ich das Gefühl hatte, dass er wirklich daran interessiert war einem etwas beizubringen. Er hat sich bei den Chefvisiten viel Zeit genommen, einem viele Fragen gestellt, aber auch viel erklärt. Von ihm habe ich im Endeffekt vom ganzen Innere Teil am meisten mitgenommen.
Auf Station gibt es zwei MFAs, die das Blut abnehmen und Viggos legen, wenn sie mal nicht weiterkommen oder sehr beschäftigt sind wird man um Hilfe gebeten, aber insgesamt hat sich das Nadeln legen in Grenzen gehalten.
Anästhesie
Die insgesamt besten zwei Wochen des Tertials und das in der Fremdrotation. Dem Chef ist Lehre sehr wichtig und er ist sehr daran interessiert, dass Studenten bei ihm in der Abteilung eine gute Zeit haben. Zwei Wochen lassen sich natürlich nicht mit einem ganzen Tertial vergleichen, aber ich habe trotzdem sehr viel mitgenommen. Man kann sich jeden Morgen in der Frühbesprechung aussuchen in welchen Saal man mitgehen möchte, ich bin meistens in den mit den meisten Intubationsnarkosen. Die Ärzte waren allesamt sehr freundlich und motiviert mir etwas beizubringen. Intubationen durfte ich unter Anleitung grundsätzlich selber versuchen (abgesehen von denen wo vorher schon ein schwieriger Atemweg bekannt war), wie viel man sonst selber machen darf hängt natürlich vom Arzt ab, aber insgesamt war aktives Einbringen nicht nur möglich, sondern auch sehr gerne gesehen und gefördert. Ich habe theoretisch und praktisch in diesen zwei Wochen mehr gelernt als im ganzen restlichen Tertial.
Die Stadt
Bremerhaven hat gerade im Sommer freizeittechnisch genug zu bieten um die Wochenenden zu füllen. Klimahaus und Auswandererhaus hat wahrscheinlich jeder auf dem Schirm, ich kann den Zoo am Meer noch empfehlen und die Hafenrundfahrten. Auch Kino, Bowlingbahn und Lasertag wurden von uns PJlern erprobt. Es gibt in der Stadt überraschend viele Parks, das Wohnheim liegt z.B. auch direkt neben einer Grünanlage, wenn man gerne spazieren geht, joggt oder Rad fährt kann man auf jeden Fall auf seine Kosten kommen. Wir hatten leider Pech mit dem Wetter und einen sehr verregneten und kalten Sommer, aber theoretisch lohnen sich die Strände in Wremen und Cuxhaven. Tagestrips nach Bremen oder ein Wochenende in Hamburg waren auch gut möglich. Shopping und Restauranttechnisch gibt es in Bremerhaven dieselben 0815 Läden, die man auch überall sonst findet. Ausbaufähig ist die Partykultur, einen richtigen Club gibt es nicht wirklich, die Barsituation ist ebenfalls mittelmäßig und der Place to be für die Bremerhavener Jugend ist scheinbar ein Edekaparkplatz beim Überseehafen.
Fazit
Wenn ich mich nochmal entscheiden müsste würde ich nicht noch einmal in diese Klinik gehen. Die Lehre war insgesamt verbesserungswürdig (mit Anästhesie und einzelnen Ärzten als Ausnahmen) und die Stadt ist zwar in Ordnung, aber hat auch nicht einen so starken Standortfaktor, dass man alleine dafür kommen sollte. Man merkt, dass die Klinik mit wirtschaftlichen Problemen und Personalmangel zu kämpfen hat und teilweise hat die Sprachbarriere, die viele der Assistenzärzte haben, echt für Verständigungsprobleme gesorgt. Grundsätzlich sehr erfreulich war, dass der Kontakt zur Pflege und zu den anderen nichtärztlichen Mitarbeitern bis auf wenige Ausnahmen eigentlich überall sehr freundlich und wertschätzend war (das ist ja leider nicht in jeder Klinik so).
Von dem was ich ansonsten so gehört und selber erlebt habe würde ich das Haus, wenn schon für eins der Wahltertiale empfehlen (nochmal, alles was mit Anästhesie zusammenhing war wirklich super!), aber nicht für eins der Pflichtfächer.
Bewerbung
Einfach über das PJ-Portal. Im Vorlauf musste man noch ein paar organisatorische Sachen mit der PJ Beauftragten aus Göttingen klären, aber das war unkompliziert.