Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde, Diagnostik, OP
Heimatuni
Nicht angegeben
Kommentar
Die Zeit an der Klinik war insgesamt eine wertvolle, aber auch fordernde Erfahrung. Man arbeitet deutlich mehr als in vergleichbaren Positionen in Deutschland – regulär etwa 50 Stunden pro Woche – zusätzlich zu den Picket-Diensten. Diese umfassen ein Dienstwochenende pro Monat sowie vier bis sieben Abend/Nachtdienste. Auch wenn man unter der Woche selten aktiv gerufen wird, muss man sich dauerhaft in Kliniknähe aufhalten. Finanziell bringt das durch Zuschläge ungefähr so viel ein wie die Miete im Wohnheim – wirtschaftlich lohnt sich der Aufenthalt dennoch nicht, besonders im Vergleich zu deutschen PJ-Stellen, da das Arbeitspensum höher und die Freizeit begrenzt ist. Radeln daher auch im Feierabend nur bei sommerlichem Wetter möglich.
Im Klinikalltag übernimmt man viele Aufgaben, insbesondere in der Sprechstunde, und arbeitet dabei teilweise wie ein (unterbezahlter) Assistenzarzt. Die Taktung ist hoch, echtes Teaching findet eher selten statt – es hängt stark vom persönlichen Engagement der Assistenzärzt*innen ab. Man bekommt ein eigenes Zimmer für die Sprechstunde und spricht jeden Patienten mit dem Kaderarzt ab, das läuft sehr gut und ist für beide Seiten sicher vorteilhaft. Nach der Sprechstunde gibt es oft Leerlaufzeiten, die man nicht flexibel nutzen kann, da man durch das Stempelsystem gebunden ist (Dienstende 17:30).
Einige Dinge, die für das deutsche Curriculum wichtig wären, kommt leider zu kurz: Blutabnahmen, Visite und Punktionen gehören nicht zu den Aufgaben, für Ultraschall ist man ebenfalls nicht vorgesehen. Wer daran Interesse hat, muss sich eigeninitiativ in ruhigeren Zeiten aktiv jemanden suchen. Kinderorthopädie sieht man während des Tertials nicht, eine Rotation in diesen Bereich ist nicht vorgesehen. Ein rotierendes System mit Einsätzen z. B. auf dem Notfall oder in anderen Fachbereichen gibt es generell nicht, und war auch vor Ort auf Nachfrage nicht möglich. Für längere Tertiale fehlt dadurch die Abwechslung. Daher würde ich für das Wahltertial klar eine Splittung empfehlen, um ein breiteres Bild zu bekommen.
Trotzdem: Das Arbeitsklima ist grundsätzlich freundlich. Die meisten Ärztinnen – insbesondere die Assistentinnen – sind offen, bemühen sich um Teaching und lassen einen im OP auch aktiv mitarbeiten. Man kennt schnell die Namen untereinander, was zu einem angenehmen Miteinander beiträgt. Man ist per Du, auch mit den Chefs. Auf Feedback wird offen reagiert – man ist sich der zunehmend eher durchwachsenen Bewertungen hier bewusst, größere strukturelle Änderungen passieren jedoch nur zögerlich.
Positiv hervorzuheben ist das Wohnheim: Es ist gut renoviert, modern ausgestattet, und der Austausch mit anderen Unterassistent*innen trägt viel zur Lebensqualität bei. Man kennt sich schnell untereinander, es herrscht eine gute Stimmung, und gemeinsame Aktivitäten gleichen den arbeitsreichen Alltag zumindest teilweise aus. Küchenausstattung je nach Vorgängern.
Fazit:
Der Aufenthalt bietet intensive Einblicke in den klinischen Alltag mit viel Patientenkontakt, jedoch wenig strukturierter Lehre und deutlich reduzierte praktischen Tätigkeiten im Sinne des deutschen Curriculums. Für ein volles Tertial nur bedingt zu empfehlen – als Teil eines geteilten Wahlfachs oder für kürzere Zeit kann es dennoch sinnvoll sein, insbesondere wenn man Wert auf OP-Erfahrung legt, Briefe schreiben lernen will und Eigeninitiative mitbringt.
Zeitraum des Tertials leicht angepasst für Nicht-Nachverfolgbarkeit (war nicht im Sommer/Winter da)
Bewerbung
Entweder mehrere Jahre im Vorhinein oder spontan (nach mir waren viele Plätze unbesetzt - aufgrund der Bewertungen hier?)