PJ-Tertial Chirurgie in Hospital das Clínicas da Universidade Estadual de Campinas (9/2022 bis 12/2022)

Station(en)
Traumachirurgie und Gefäßchirurgie
Einsatzbereiche
Station, Notaufnahme, Diagnostik, OP, Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde
Heimatuni
LMU Muenchen
Kommentar
VORBEREITUNG
1. Allgemeine Tipps zur Planung (Zum Beispiel: Auswahl des Landes und der Gastuniversität, Organisation, Bewerbung bzw. Anmeldung an der Gasthochschule, Sprachkurse zur Vorbereitung...)
Verlangt wurde von mir vor der Anreise nur ein Nachweis der Coronaimpfung, jedoch habe ich mir im Eigeninteresse noch alle Reiseimpfungen auch für Aufenthalte im Hinterland geben lassen. (Die müsst ihr selbst zahlen bzw. fragt mal bei eurer Krankenkasse nach.) Kümmert euch am besten schon im Vorfeld um die ganzen Formulare und ob die Profs eurer gewünschten Disziplinen Englisch können. Zum Teil gibt es gravierende Unterschiede im Sprachgebrauch zw. Portugal und unterschiedlichen Regionen Brasiliens; es mussten sogar zwei Portugiesinnen immer wieder aufs Englische zurückgreifen. Die Visiten versteht man aber meist, abgesehen von der Anamnese des Patienten, recht schnell aufgrund der vielen lateinischen Fachbegriffe.
Portugiesisch Kenntnisse sind wirklich von Vorteil! Englisch reicht zur Not auch, aber z.B. Morgenbesprechungen werden nur auf Portugiesisch abgehalten. Ich habe mich zuvor mit Babbel während des 1. Tertials vorbereitet und bin danach ganz gut durchgekommen. Interessante Gespräche sind dann nur im Englischen möglich, aber für Friseurbesuche, Small Talk und Einkaufen sind das schon gute Voraussetzungen.
2. Visum (Zum Beispiel: erforderliche Unterlagen und deren Beschaffung, Dauer des Antragsverfahrens, Kosten etc.)
Es gibt kein Visum, bzw. wird dies für deutsche Staatsbürger nach Nachweis einer Corona Impfung bei Anreise ausgestellt. Kümmert euch am besten um eine CPF Nummer! Diese Steuernummer braucht Ihr auch für längere Reisen, SIM Karten und manchmal auch bei Einkäufen mit Kreditkarte. Man kommt auch ohne zurecht, aber mit ist es viel einfacher. Sendet dazu einfach das Formular (https://www.intern-brazil.com/brazilian-cpf-as-a-foreigner/), eine Kopie eures Passes und ein Selfie von euch, wie ihr die erste Seite eures Passes lesbar neben euer Gesicht haltet, an cpf.residente.exterior@rfb.gov.br. Die schicken euch dann ein paar Tage später die Nummer gebührenfrei zu. Angaben ohne Gewähr.
3. Anreise (Zum Beispiel: besondere Hinweise zur Anreise, Verkehrsmittel, etc.)
Ich habe einfach des billigste Flugticket nach Sao Paulo gekauft. Von hier aus gibt es einen Expressbus nach Campinas, dort müsst ihr dann umsteigen, um nach Barao Geraldo zu kommen. Vor Ort gibt es zwar einen Bus, meist bin ich aber per Uber mit Freunden zusammen gefahren. Ein Fahrrad wäre von Vorteil, jedoch konnte ich mir erst in den letzten beiden Wochen eines organisieren, da der Gebrauchtmarkt nicht ganz billig ist. Fragt einfach unter den Studenten herum, irgendjemand hat sicher auch ein Auto und nutzt seit dem sein Rad kaum noch.
4. Auslandskrankenversicherung
Sowohl Hartmannbund als auch Marburger Bund gewähren ihren studentischen Mitgliedern kostenlose Versicherungen, die sowohl Klinik- als auch Auslandsaufenthalte im Rahmen des Studiums abdecken.
5. Unterkunft (Zum Beispiel: Wohnheim, Privatunterkunft, Kosten, Hinweise zur Wohnungssuche etc.)
Leider gibt es kein Wohnheim oä, jedoch gab es zur Zeit als ich dort war Bemühungen einen studentischen Dienst auf die Beine zu stellen, der bei der Wohnungssuche assistieren soll. Also fragt auf jeden Fall mal bei Clariza im International Office nach. Auch sonst ist sie sehr nett und wird immer versuchen euch zu helfen. Für meine Unterkunft bin ich aber auf AirBnB fündig geworden. WG-Zimmer mit Internet und Putzfrau werden hier vor Ort mit ca. 200-300 Euro/ Monat gehandelt, wird aber eventuell schwierig nur für 2-4 Monate eines im richtigen Zeitraum zu finden.
Im Krankenhausrestaurant konnte ich 3x/d zu festen Zeiten für umgerechnet etwa 60ct (3 Reais) essen, meist habe ich aber nur das Mittagessen wahrgenommen.
IHR AUFENTHALT AN DER GASTEINRICHTUNG
6. Organisation des Praktikums an der Gastuniversität (Zum Beispiel: sprachliche Voraussetzungen und Unterrichtssprache, Kurswahl und Prüfungen, Betreuung und Unterstützung durch Gastuniversität, wichtige Anlauf-/Infostellen, etc.)
Sprachlich sind Portugiesischkenntnisse keine direkte Voraussetzung, viele Ärzte können Englisch oder gar Deutsch, jedoch werden alle Patientengespräche und Morgenbesprechungen etc. auf Portugiesisch geführt. Man kann mit dem Internationalen Büro einen individuellen Plan für das eigene Tertial mit Rotationen durch verschiedene Stationen organisieren.
7. Beschreibung des akademischen Inhalts Ihres Aufenthaltes (Zum Beispiel: Niveau und Methodik im Vergleich zur LMU, Arbeitsaufwand)
Die Ärzte sind immer darum bemüht den Studenten alles Interessante zu zeigen und auch deren Wünsche zu erfüllen. Manche Professoren sind sogar primär für die Lehre angestellt und werden nur tätig, wenn sie von den ältesten Residents darum gebeten werden. Zu besonders interessanten Patienten wurde ich hinzugerufen, auch Stationen übergreifend. Falls nichts mehr geplant war, wird man auch gerne früher heimgeschickt; mit Büroarbeit wird man auch nicht in Berührung gebracht, zumal das an der Sprachbarriere scheitern würde. Einen Arztbrief darf man aber jederzeit auf Englisch verfassen und natürlich nach regionalen Bestimmungen nachbesprechen.
8. Anerkennung der erbrachten Leistungen
Am besten bereitet man die nötigen Dokumente schon daheim vor. In Campinas einfach zeitig die Unterschriften und Stempel organisieren, letztere daheim übersetzten lassen. Ich habe der Sicherheit halber auch eine Tätigkeitsbescheinigung unterschreiben lassen. Wahlfächer sind um einiges anstrengender anerkennen zu lassen als Chirurgie bzw. Innere, also wählt weise.
9. Freizeit und Alltag
Campinas ist eine relativ eventarme Stadt: Trotzdem kann man mit genügsameren Ansprüchen Sport, Tourismus, Theater, Musik, Feiern, Restaurants etc. durchaus genießen. Wer es gerne größer und vielfältiger mag, kann jederzeit nach Sao Paulo fahren und dort einen Tag oder mehr verbringen. Busse kosten ca. 8 Euro, BlablaCar ca. 6. Der Hauptfaktor ist eher die Zeit: OPs und Schichten in der Notaufnahme dauern gerne mal bis 19.00 Uhr, auf Dauer hat bei mir der Schlafrhythmus gelitten. Im Krankenhaus trifft man genügend Leute, um seine Abende komplett zu verplanen. Da ich mir ein Zimmer in der Universitätsstadt gesucht habe, war ich überall auch fußläufig unterwegs und konnte den Sportcampus und die WG Parties (Republica) genießen. Die Studenten des 5. und 6. Jahres organisieren immer wieder größere Partys (Chopadas), die ich nur empfehlen kann. Die Brasilianer feiern sehr offen und warmherzig und lassen Austauschstudenten an allem teilhaben.
10. Individuelle interkulturelle Erfahrungen
Mir gegenüber verhielten sich alle Menschen (Ärzte, Patienten, Studenten, Taxifahrer, Türsteher) sehr freundlich und hilfsbereit. Es fand sich immer jemand für eine Trainingseinheit, einen Lauf durch den Unicampus, einen Restaurantbesuch und auch für durchgefeierte Nächte. Unter anderem bin ich auch am Wochenende mit Freunden entweder Klettern, nach Sao Paulo oder relativ weit ans Meer zum Surfen gefahren. Die Brasilianer sind sehr aufgeweckte, offenherzige und nette Zeitgenossen, die gerne eure Abende mit euch verplanen.
11. Persönliches Fazit
Ich kann jedem Medizinstudenten, der sich auf eine neue Kultur einlassen möchte, ein paar Monate in Campinas empfehlen. Geprägt von ähnlichen Therapieverfahren mit vielen workarounds und auch neuen Ansätzen kann man hier unter anderem high-tech endovaskuläre Interventionen erleben, aber auch sich kritisch mit den viel enger gefassten OP-Indikationen, den Umgang mit dem wärmeren Klima, dem nicht zu bewältigendem Patientenaufkommen und wiederverwendbaren Kitteln und Abdecklaken im OP auseinandersetzen. Persönlich bin ich etwas ambivalent gestimmt, da ich meine 2 Monate hier mit den unzähligen netten Menschen, Freunden und mit ihnen verbundenen Erinnerungen hinter mir lassen werde. Brasilien wird mich nicht zum letzten Mal gesehen haben, z.B. für einen Kitesurfurlaub in Fortaleza, Sierra.
Bewerbung
Habe recht spontan ca 4 Monate vor Abflug noch eine Stelle bekommen. Schreibt einfach das Int. Office der Med Fak Unicamp an, Clariza Casimiro antwortet manchmal etwas verspätet, aber sie hat sich immer Zeit für meine Anliegen genommen.
Unterricht
Häufiger als 5x / Woche
Inhalte
Sonst. Fortbildung
Repetitorien
EKG
Bildgebung
Patientenvorstellung
Fallbesprechung
Tätigkeiten
Punktionen
EKGs
Poliklinik
Patienten aufnehmen
Botengänge (Nichtärztl.)
Eigene Patienten betreuen
Blut abnehmen
Chirurgische Wundversorgung
Notaufnahme
Patienten untersuchen
Untersuchungen anmelden
Mitoperieren
Röntgenbesprechung
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
17:00 bis 18:00 Uhr
Studientage
Gar nicht
Tätigkeiten
Mittagessen regelmässig möglich
Essen frei / billiger
Kleidung gestellt
Gebühren in EUR
60ct pro Mahlzeit

Noten

Team/Station
1
Kontakt zur Pflege
1
Ansehen des PJlers
1
Klinik insgesamt
1
Unterricht
1
Betreuung
1
Freizeit
1
Station / Einrichtung
1
Gesamtnote
1

Durchschnitt 1