PJ-Tertial Rheumatologie in Kaiser-Franz-Joseph-Spital Wien (4/2021 bis 7/2021)

Station(en)
Ambulanz, Tagesklinik, Station
Einsatzbereiche
Station, Poliklinik / Ambulanz / Sprechstunde
Heimatuni
Nicht angegeben
Kommentar
Vorerst würde ich jedem empfehlen, der Interesse an der Rheumatologie hat sich ein anderes Krankenhaus zu suchen. Jedem Studierenden, der generell kein Interesse an der Inneren Medizin hat, würde ich das ebenfalls raten. Ich würde einfach generell sagen, dass man hier keine Zeit verbringen sollte, weder als Famulant, noch als KPJ-Student oder Arzt.

Wenn man die ganzen 16 Wochen auf dieser Abteilung verbringt (was ich wirklich nicht empfehlen würde), ist man aufgeteilt auf 8 Wochen Station, 4 Wochen Ambulanz, und 4 Wochen Tagesklinik. Tagesklinik und Ambulanz waren zwar nicht ganz so schlimm wie die Station, ich bin aber nirgendwo gerne hingegangen und habe immer versucht so schnell wie möglich abzuhauen, was eigentlich fast immer geklappt hat und ich als eins der wenigen positiven Dinge an diesem Tertial in Erinnerung habe.

Wer Interesse an rheumatologischen Patienten hat ist auf der Station auf jeden Fall falsch aufgehoben. Auf der Station liegen zu 98% geriatrische Patienten, denen es meistens wirklich nicht gut ging. Sonst gab es noch palliative, aber auch chirurgische und gynäkologische Patienten bei uns. Der Grund dafür war tatsächlich nicht die bedürftige Bettenlage aufgrund Corona, sondern, dass die Rheumatologie der letzte Ort für Patienten ist, die niemand anderer will. Ich hab auch mitbekommen, dass wirklich viele von den Patienten auf der Station sterben, was in vielen Fällen nicht hätte passieren müssen.
Die Station ist bei allen anderen Ärzten und KPJ-Studenten in der Klinik Favoriten bekannt für ihre schlechte Stimmung und jeder rotierende Turnusarzt oder Assistenzarzt fürchtet sich vor seiner Rotation auf der Station. Die Stimmung ist tatsächlich so schlecht, dass eine Oberärztin während meiner Zeit gebeten hat auf eine andere Station versetzt zu werden.
Die Station ist chronisch unterbesetzt, weshalb die Aufgaben der KPJ-Studenten hauptsächlich darin besteht nicht nur die assistenzärztlichen , sondern auch die pflegerischen Tätigkeiten zu übernehmen, während man aber nur ein Bruchteil deren Gehalts bekommt. Aufgaben bestehen also in: Visite mitgehen, Dekurse schreiben, Visite ausarbeiten, Patienten aufnehmen, Untersuchungen anmelden, Briefe schreiben, Blutabnehmen, Venflons legen, Totenscheine ausfüllen, EKG schreiben, Botengänge machen, COVID-Abstriche, etc. Meine Lieblingsaufgabe war definitiv zweimal wöchentlich alle 30 senilen Patienten abzustreichen. Prinzipiell ist das pflegerische Aufgabe, auf der Station wurde es allerdings aufgrund Unterbesetzung der Pflege so geregelt, dass die Ärzte diese Aufgabe übernehmen. Folglich hab ich natürlich alleine die Abstriche machen dürfen. Ich habe öfter nachgefragt ob mir ein Arzt helfen könne. Hin und wieder hat sich jemand erbarmt und mir dann 2-3 Abstriche abgenommen. Ich würde tatsächlich raten sich komplett einzukleiden, inklusive Brille und Gesichtsschutz, da einige Patienten dazu neigen einem den Pudding ins Gesicht zu niesen.
Der Oberarzt der Station wirkt auf den ersten Blick ganz nett, hat aber in den letzten 50 Jahren relativ merklich an keiner Fortbildung teilgenommen und hat keine Ahnung vom heutigen Stand der Medizin. Ich würde raten sich vor Visite mit ihm zu drücken, sofern es möglich ist. Falls ihr das nicht macht, wisst ihr relativ bald warum. Ärzte wie er sind wahrscheinlich der Grund wieso Ärztliche Gesprächsführung in den jetzigen Curriculumsplan integriert wurde.
Jeder Tag auf der Station war die Hölle und ich bin die ersten Wochen fast täglich in Tränen ausgebrochen. Vielleicht bin ich zu nah am Wasser gebaut, aber als eine Pflegerin mitbekommen hat, hat sie nur gemeint "das ging dem letzten KPJ-Studenten auch so". Ich habe auch mitbekommen, wie selbst die liebste Assistenzärztin nach einigen Tagen zur Furie wurde und ihre Nerven hingeschmissen hat.
Die Station ist einfach unfassbar schrecklich, die Oberärzte sind eine Katastrophe, und es hat mich extrem belastet, wie schlecht es den Patienten (teils auch erst nach der Behandlung) geht.

Die Ambulanz und Tagesklinik ist tatsächlich ganz interessant und sogar die Ärzte sind wider Erwarten nicht unfassbar unfreundlich, sondern nur ein wenig unfreundlich. In der Tagesklinik muss man täglich 2-5 Patienten aufnehmen und anschließend einen Kurzbrief schreiben. Lerneffekt ist nicht besonders hoch und es ist unfassbar fad, dafür kann man fast immer Essen gehen und darf früh nach Hause. Auf der Ambulanz bekommt man meistens ein eigenes Zimmer und begutachtet Patienten, die zum Erstkontakt kommen, macht etwaige Untersuchungen und Folgetermine aus. Anschließend übergibt man das einem Arzt, der vielleicht oder vielleicht auch nicht noch einmal drüber schaut. In der Ambulanz hab ich tatsächlich einiges dazu gelernt, aufgrund der mäßig freundlichen Ärzte bin ich dort aber auch nicht gerne hingegangen.

Ich kann diese Abteilung also jedem empfehlen, der gar nichts von sich hält und einen Grund sucht nicht in die Innere Medizin zu gehen. Nein im Ernst, wer nach meiner Rezension immer noch Interesse daran hat auf dieser Station sein Tertial zu verbringen, dem ist echt nicht mehr zu helfen.
Fazit: Machs nicht.
Bewerbung
Eine Woche davor. Jetzt weiß ich auch warum sie immer so dringend KPJ-Studenten suchen.
Unterricht
Kein Unterricht
Inhalte
Patientenvorstellung
Sonst. Fortbildung
EKG
Fallbesprechung
Tätigkeiten
Blut abnehmen
Rehas anmelden
Patienten untersuchen
Patienten aufnehmen
EKGs
Botengänge (Nichtärztl.)
Briefe schreiben
Untersuchungen anmelden
Braunülen legen
Dienstbeginn
7:00 bis 8:00 Uhr
Dienstende
Vor 15:00 Uhr
Studientage
Frei verfügbar
Tätigkeiten
Aufwandsentschädigung / Gehalt
Gehalt in EUR
650

Noten

Team/Station
5
Kontakt zur Pflege
3
Ansehen des PJlers
5
Klinik insgesamt
4
Unterricht
4
Betreuung
5
Freizeit
3
Station / Einrichtung
5
Gesamtnote
5

Durchschnitt 4.47